Fotoreportage
Verlassene Kinder: Lausner Fotograf dokumentiert die Probleme Sri Lankas

Die Bilder des Lausners Joel Sames erzählen Geschichten aus fernen Ländern. Seine neueste Fotoreportage behandelt die problematische Lage zurückgelassener Kinder in Sri Lanka.

Oliver Maurer
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Prämiertes Bild aus Sri Lanka: Madasamy kümmert sich alleine um seine Enkel. Geld verdient er mit dem Reparieren von Fahrrädern.

Prämiertes Bild aus Sri Lanka: Madasamy kümmert sich alleine um seine Enkel. Geld verdient er mit dem Reparieren von Fahrrädern.

Joel Sames

Joel Sames kniet schwitzend mit der Kamera im Anschlag auf einem Dorfplatz im Osten Sri Lankas. Vor dem Objektiv: Madasamy, der besorgt in die Ferne blickt. Hinter dem Sri Lanker stehen seine drei Enkel. Ihre Mutter hat sie verlassen und reiste nach Saudi-Arabien, um Geld zu verdienen. Sames drückt ab.

So etwa könnte eines der Bilder des Lausener entstanden sein, welche im Rahmen des «Swiss Photo Award – ewz.selection» im Bereich Reportage von der Journalistenschule MAZ ausgezeichnet wurden. «Das Wichtigste bei einer Fotoreportage ist, die Situation nicht zu zerbrechen», erzählt Sames.

Baselbieter Fotograf am „Swiss Photo Award – ewz.selection“ ausgezeichnet
7 Bilder
Geschätzte Zwei Millionen Sri Lanker und Sri Lankerinnen arbeiten als unqualifizierte Arbeitskräfte in Ländern des Mittleren Ostens. Die meisten sind Frauen.
Die meisten sind Frauen. Oftmals arbeiten sie als Haushälterinnen in sklavenähnlichen Verhältnissen – mit der ständigen Angst, nicht bezahlt, missbraucht, verschleppt, oder gar getötet zu werden.
Die hinterbliebenen Familien in Sri Lanka haben mit enormen sozialen und ökonomischen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Oft sind die Väter der familiären Verantwortung nicht gewachsen. Sie haben Alkoholprobleme, arbeiten in anderen Landesteilen, oder heiraten andere Frauen.
Die nicht selten minderjährigen Kinder bleiben dabei zurück und sind ganz auf sich allein gestellt.
Der Autodidakt Joel Sames aus Lausen wurde von der journalistenschule MAZ für seine Reportage «Emigrating Sri Lanka – Wenn Mutter in Arabien ist» ausgezeichnet.

Baselbieter Fotograf am „Swiss Photo Award – ewz.selection“ ausgezeichnet

Joel Sames

Die Beziehung zwischen Fotograf und der abgebildeten Person sei sehr wichtig, damit das Bild gut werde.

Probleme abgelichtet

Die prämierten Bilder aus Sri Lanka entstanden im Auftrag der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Viele Kinder in Sri Lanka würden von ihren Eltern im Stich gelassen, weil diese in Länder wie Saudi-Arabien auswandern, um Geld zu verdienen, sagt Sames. Zurück blieben die Kleinen unter Aufsicht ihrer Grosseltern. «Die Deza sah die Problematik und wollte intervenieren», berichtet der 37-Jährige. Ein Mittel dazu sei, das Problem durch Fotografie darzustellen. Damit die Problematik mediale Aufmerksamkeit erhalte.

Zur Fotoreportage fand Sames über verschiedene Stationen. Sein Interesse für Fotografie entdeckte er schon früh: «Für Landschaftsfotos hatte ich kein Verständnis. Lieber erschuf ich Welten, welche es vorher noch nicht gab.» So übte er sich in Makrofotografie.

Später kam er über die Porträtfotografie zur Reportage und war davon begeistert. Denn sie verband zwei seiner Passionen mit der Fotografie: Einerseits das Reisen und andererseits die Faszination für fremde Kulturen.

Skateboards für Kinder in Kabul

Er sei schon immer ein «streunender Hund» gewesen: «Früher bin ich oft umgezogen, das Reiseblut wurde mir so mitgegeben», erinnert sich Sames. So verschlug es ihn von Lausen in Länder wie Pakistan, Uganda, Afghanistan oder eben Sri Lanka.

Neben dem Fotografieren engagierte er sich in den Ländern an sozialen und kreativen Projekten. «In Kabul habe ich bei einem Projekt einer Skateboardschule mitgeholfen, bei dem gebrauchtes Equipment von Schweizer Kindern gespendet wurde», sagt Sames. Im Vordergrund stand der Austausch zwischen Schweizer und afghanischen Kindern. Damit sollten Vorurteile verschwinden.

So seien die Schweizer zum Teil erstaunt gewesen, dass die Kinder aus Kabul keine Taliban-Kämpfer, sondern nicht anders wie sie selbst seien.

Weit gereist: Joel Sames.

Weit gereist: Joel Sames.

Fotografieren erlernte Sames autodidaktisch. «Ich mache alles aus dem Bauch heraus», erklärt er. Zudem experimentiere er gerne auch mit verschiedenen Techniken und Lichteffekten.

Erfahrungen aus seinen Reisen

Als Fotograf müsse man ein gewisses Selbstverständnis haben. Dies sei ihm am Anfang oft schwer gefallen. «Wenn ich zum Beispiel eine Frau in Laos vor ihrem Haus am Putzen sah, traute ich mich fast nicht abzudrücken», sagt Sames.

Auf Akzeptanz und freundliche Menschen sei er überall auf der Erde getroffen: «Nach meiner Erfahrung ist die Sprache der Schlüssel.» Wenn man die Einheimischen nur mit einigen Brocken ihrer Sprache anspreche, seien sie sofort begeistert. Aber jetzt sei er erst einmal wieder in der Schweiz.

Mit dem gewonnen Preis kann er einige Lektionen an der Journalistenschule MAZ belegen. Für ihn ist das ungewohnt, da er nie studiert hat und sein Wissen aus der Erfahrung zieht. Trotzdem kann er sich vorstellen, einige Kurse zu besuchen. «Denn ausgelernt hat man ja bekanntlich nie», sagt Sames.

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