Detailhandel
Verrückte Ideen sind willkommen, um Bahnhof an Stedtli anzubinden

Andreas Zbinden, Präsident von KMU Liestal, will mehr Kunden ins Stedtli locken. Dafür sind ihm auch aussergewöhnliche Ideen willkommen - wie beispielsweise den Orisbach zu stauen und mittels Stege die Fussgänger vom Bahnhof direkt ins Stedtli zu lotsen.

Benjamin Wieland
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Setzt sich für Liestal ein: Andreas Zbinden, Präsident von KMU Liestal, auf dem Dach der Futuro-Überbauung.

Setzt sich für Liestal ein: Andreas Zbinden, Präsident von KMU Liestal, auf dem Dach der Futuro-Überbauung.

Benjamin Wieland

Herr Zbinden, was ist Ihr Lieblingsort in Liestal?

Andreas Zbinden: Über das ganze Jahr hinweg betrachtet, ist der Aussichtsturm mein Lieblingsplatz in Liestal. Einerseits bin ich in der Natur, wo ich Ruhe und Entspannung finde. Zudem hat man vom Turm einen wunderbaren Überblick über ganz Liestal, was mich immer wieder zu neuen Ideen inspiriert. Zuletzt ist der Turm auch ein Treffpunkt, wo ich immer wieder erlebnisreiche Begegnungen machen darf.

Sie haben bei einer guten Fee einen Wunsch frei: Was ändern Sie an Liestal?

(überlegt) Zentral für die Zukunft von Liestal wäre eine bessere Anbindung des Bahnhofs an das Stedtli, wie es bereits Stadtpräsident Lukas Ott am Montag im Interview zur Bahnhofsentwicklung genannt hat. Das wäre auch für den Detailhandel und das Gewerbe wichtig.

Haben Sie Ideen, wie das funktionieren könnte?

Die Menschen, die am Bahnhof umsteigen oder sich dort aufhalten, müssen in Richtung Altstadt gezogen werden. Es braucht visionäre Ideen, um diese Durchlässigkeit umzusetzen. Warum auch nicht den Gedanken vom See in der Allee wieder aufnehmen? Ich möchte mit der Nennung dieses Beispiels nur betonen, dass auch über aussergewöhnliche und etwas verrückte Ideen nachgedacht werden kann und muss. Nur so werden wir unser Ziel erreichen.

Stichwort Zentrum: Spätestens mit dem Neubau des Bahnhofs und dem «Zentraliestal»-Gebäude wäre der Bahnhof ein neues Zentrum. Ist das im Sinne ihres Vereins?

Ja unbedingt – wobei ich den Begriff «neues» Zentrum nicht gerne höre. Es darf keine Konkurrenz-Situation zwischen dem Bahnhofareal und der Altstadt entstehen. Diese beiden Zentren müssen miteinander verbunden werden und zu einem Zentrum zusammenwachsen. Deshalb ist auch die oben erwähnte Durchlässigkeit von zentraler Bedeutung. Wir müssen darauf hinsteuern.

Das Bücheli Center mit der neuen Manor hat im Frühling seine Tore geöffnet. Haben der Detailhandel und die Restaurants im Stedtli einen Zuwachs an Kunden gespürt?

Wir haben dazu unterschiedliche Reaktionen erhalten. Aus unserer Sicht ist es klar zu begrüssen, wenn ein neues Warenhaus gleich am Eingang des Stedtli gebaut wird – und nicht etwa auf der grünen Wiese. Nur so hat unser Detailhandel die Möglichkeit, die Publikumsmagnete zu nutzen, indem er die Kunden der grossen Einkaufszentren dazu verführt, den Charme unserer Altstadt kennen zu lernen. Von daher gibt es eine Ko-Existenz, die für beide Seiten Vorteile bringt.

Auf dem ehemaligen Ziegelhof-Areal ist ein weiteres Einkaufszentrum geplant, beim Rebgarten sollen Wohnungen und ein Parkhaus entstehen. Sind die genannten Zentren in der Masse keine zu grosse Konkurrenz für den Detailhandel im Stedtli?

Ich denke nicht. Liestal hat ein Frequenzproblem. Die Kundenmassen werden mit dem heutigen Einkaufsverhalten von den grossen Zentren angezogen. Dem Detailhandel in unserem Stedtli muss es gelingen, attraktive Angebote zu schaffen, um vom erhöhten Kundenaufkommen zu profitieren. Mit einem Band an attraktiven Zentren – den sogenannten «Powerblocks» rund um die historische Stadtmauer mit Zugängen zur Innenstadt – werden wir auch die Kundenmasse in der Rathausstrasse erhöhen. Davon bin ich überzeugt.

Ein weiteres Problem, von dem viele Ladenbesitzer berichten, seien die fehlenden Parkplätze.

Die Zahl der Parkplätze ist nicht das Grundproblem. Mit dem Bücheli Center haben wir ein neues, hochmodernes Parkhaus mit genügend Parkraum erhalten. Zudem gibt es rund 230 Parkplätze auf öffentlichem Grund. Das Problem sehen wir eher in der Gebührenstruktur der Parkhäuser.

Der Stadtrat will die «Gratis-Stunde» abschaffen. Mit dem neuen Parkierreglement soll es nur noch eine halbe Stunde sein. Ist es das, was das Gewerbe stört?

Nein, nicht unbedingt. Eine halbe Stunde genügt, um ein paar Einkäufe zu machen. Unsere Mitglieder sind mehrheitlich zufrieden damit. Wir würden es aber begrüssen, wenn die Parkgebühren in den Parkhäusern möglichst moderat ausfallen, damit diese Infrastruktur für längere Einkaufsbummel genutzt wird. Viele Kunden, mit denen ich rede, sagen, dass ihnen die Gebühr in den Parkhäusern zu teuer ist. Sie fahren dann rasch wieder weg, statt noch nach dem Einkauf in der Manor beispielsweise einen Kaffee im Stedtli zu trinken.

Die Parkhäuser der Manor und der Migros sind privat. Haben Sie da Einfluss?

Nein, wir sind zurzeit aber mit den Betreibern des Bücheli-Parkhauses in Verhandlung. Ziel ist, dass unsere Mitglieder Jetons an ihre Kunden abgeben können, wenn diese Einkäufe in ihren Läden tätigen. Dies wäre eine weitere Massnahme, um das Bücheli Center näher an das Stadtzentrum anzubinden.

Was ist die nächste grosse Aktion von KMU Liestal?

Am 17. Oktober feiern wir zusammen mit der Credit Suisse und dem Siebe Dupf die diesjährige lokale Weinlese. Neben interessanten Einblicken in die Traubenlese stehen ausgewählte Weine zur Degustation zur Verfügung. Und dann kommt schon wieder das Weihnachtsgeschäft.