Strafprozess
Verursacher von Haus-Explosion zu 20 Monaten bedingt verurteilt

Die Strafe für den 57-jährigen Verursacher der Explosion wird nicht gemildert: Trotz Kritik an der Vorinstanz hat das Kantonsgericht hat am Dienstag Schuldspruch und Strafmass bestätigt.

Patrick Rudin
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Explosion im Längi-Quartier in Pratteln

Explosion im Längi-Quartier in Pratteln

Kapo BL

«Es sieht im ersten Moment nach einem klaren Sieg für die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz aus. Aber in einem wesentlichen Teil der Berufung sind sie als Verurteilter durchgedrungen», stellte Kantonsgerichtspräsident Dieter Eglin am Dienstag fest. Dies dürfte für den Angeklagten jedoch nur ein schwacher Trost gewesen sein: Es bleibt für den 57-jährigen Koch beim Schuldspruch wegen fahrlässiger Verursachung einer Explosion und mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung.

«Es sieht im ersten Moment nach einem klaren Sieg für die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz aus. Aber in einem wesentlichen Teil der Berufung sind sie als Verurteilter durchgedrungen», stellte Kantonsgerichtspräsident Dieter Eglin am Dienstag fest. Dies dürfte für den Angeklagten jedoch nur ein schwacher Trost gewesen sein: Es bleibt für den 57-jährigen Koch beim Schuldspruch wegen fahrlässiger Verursachung einer Explosion und mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung.

Küche zu kurz gelüftet

«Sie haben die Gefahr selber geschaffen. Sie wussten, wenn da etwas passiert, dann geht der Wohnblock in die Luft. Das sah ja aus wie im Krieg», ergänzte Eglin. Wer selber einen Gefahrenzustand schaffe, der müsse alles tun, um die Gefahr zu mindern. So hätte der Mann niemals seine Küche zwölf Stunden lang mit Gas durchfluten lassen dürfen; schon das alleine sei grob fahrlässig gewesen. Danach habe er mit sechs Stunden viel zu kurz gelüftet, zumal er das Fenster in der Küche nur kippen konnte, und dieses gar nur 90 Minuten lang offen stand. Zu diesem Zeitpunkt hätte er keinesfalls eine offene Flamme entzünden dürfen und sich stattdessen externe Hilfe holen müssen. «Der menschliche Geruchssinn ist bei Gas nicht zuverlässig. Das ist Allgemeinwissen», sagte Eglin.

Deutliche Worte gab es aber auch an die Adresse des Baselbieter Strafgerichts in Muttenz, welches den 57-jährigen Koch vor einem Jahr verurteilt hatte: Das Gericht hätte damals der Staatsanwaltschaft nicht erlauben dürfen, während der Hauptverhandlung den vorgeworfenen Sachverhalt nachträglich zu ändern.

Erste Version genügte

Dieter Eglin betonte, der Gesetzgeber habe in der Schweizerischen Strafprozessordnung das rechtsstaatlich wichtige Anklageprinzip bereits «durchlöchert»; man müsse mit den «Restbeständen» sorgsam umgehen. «Der Beschuldigte muss nicht damit rechnen, dass der vorgeworfene Sachverhalt während der Verhandlung ausgedehnt wird.» Die drei Richter berücksichtigten deshalb nur eine frühere Version der Anklageschrift, betonten aber auch, diese reiche in den vorher erwähnten Punkten dennoch für einen Schuldspruch.

Allerdings ist auch der Verteidigung ein taktischer Fehler unterlaufen: Das Kantonsgericht darf nur diejenigen Punkte im Urteil überprüfen, die explizit angefochten werden. Die Verteidigung forderte zwar einen Freispruch, monierte im Falle eines Schuldspruches aber nicht explizit das Strafmass. Deshalb blieb es bei den 20 Monaten bedingter Haft: Die Strafe erscheine nicht völlig unhaltbar, befanden die Richter. Um Rechtsfragen zu klären, ist noch die Beschwerde ans Bundesgericht möglich.