Baselbiet
Verwaltungsräte sind im Baselbiet noch immer Männersache

Obwohl viele Unternehmen der Region die Notwendigkeit sehen, ist der Frauenanteil in den Verwaltungsräten immer noch mager. Eshter Roth von der Projektgruppe «Frauen in die Verwaltungsräte» ist von den Betrieben nicht enttäuscht - sie ist wütend.

Sebastian Moos
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Frauen sind immer noch stark untervertreten in Unternehmen in der Region Nordwestschweiz.

Frauen sind immer noch stark untervertreten in Unternehmen in der Region Nordwestschweiz.

AZ-Archiv

«Ich bin nicht enttäuscht, ich bin wütend, dass man solche Angelegenheiten noch diskutieren muss. Es sollte selbstverständlich sein.» Die selbständige Unternehmerin Esther Maag macht ihre Meinung bezüglich der immer noch mageren weiblichen Besetzung von Verwaltungsräten deutlich.

20 Betriebe in der Region hat sie letzten September im Namen der Projektgruppe «Frauen in die Verwaltungsräte» angeschrieben. Mit dem Ziel, den Frauenanteil in den Verwaltungsräten aufzustocken. In den angeschriebenen Unternehmen liegt er derzeit unter einem Drittel. Zwölf anonyme Bewerbungen von Frauen mit ausgewiesenen Kompetenzen und Interesse an Verwaltungsrats-Mandaten legte sie zudem bei. Das ernüchternde Fazit: 13 der angeschriebenen Betriebe antworteten, sämtliche negativ. Laut Maag hat im letzten Halbjahr keine der betreffenden Firmen eine neue Verwaltungsrätin angefragt oder nominiert.

Kompetenz und Know-how zählen

Einige der Unternehmen, zum Beispiel die Hardwasser AG, antworteten nüchtern: «Wir haben im Moment keine Stelle offen.» Andere brachten dem Anliegen durchaus Sympathien entgegen. Einig sind sich die meisten darin, dass es nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Kompetenz des Bewerbers ankomme. «Wer nicht das nötige Know-how hat, gehört nicht in einen Verwaltungsrat. Das Geschlecht ist hier nicht ausschlaggebend», macht Elisabeth Schirmer-Mosset, Präsidentin des Bankrats der BLKB, deutlich.

Marie-Theres Hofmann, Leiterin des Female Board Pool, einer Plattform für den Kontakt zwischen Verwaltungsrätinnen und Unternehmen an der Uni St. Gallen glaubt ebenfalls, der beste Weg sei es, über das richtige Kompetenzenprofil den Verwaltungsrat zu erreichen. Sie betont zudem, dass in Verwaltungsräten andere Regeln als auf dem sonstigen Arbeitsmarkt herrschten. «Es gibt weniger Fluktuationen, auch für jüngere Männer ist es schwierig, Verwaltungsrat zu werden.» Es gebe viele gut ausgebildete Frauen, aber auch Männer. Blindbewerbungen, wie sie die Projektgruppe gemacht hat, nützen indes laut Hofmann wenig.

Thema Mann oder Frau präsent

Demnächst Sitze im Verwaltungsrat ersetzen wird die ebenfalls angeschriebene EBM. Voraussichtlich drei männliche Verwaltungsräte treten ab. Bislang sind 4 der 26 Verwaltungsratsmitglieder Frauen. Eine Chance, den Frauenanteil zu erhöhen? Dominik Baier, Mitglied der Gruppenleitung, verweist auf die letztjährige Generalversammlung. Diese beschloss, die Frauenvertretung zu verbessern, eine Frauenquote verwarf sie hingegen deutlich. «Ich gehe deshalb davon aus, dass auch Frauen in Betracht gezogen werden.»

Bei der Basellandschaftlichen Pensionskassen (BLPK) besteht der Verwaltungsrat zur Hälfte aus Arbeitgeber-Vertretern. Der Regierungsrat bestimmt diese, unter fünf Männern befindet sich nur eine Frau. Wieso? Laut Michael Bammatter, Generalsekretär der Finanz- und Kirchendirektion, wird aus den Bewerbungen, von denen es oft nur eine Handvoll gebe, ein für das gesuchte Profil geeigneter Bewerber ausgesucht, unabhängig vom Geschlecht. Es sei aber wichtig, dass das Thema Mann oder Frau bei jeder Stellenbesetzung präsent sei.

Diskussionen sind eine Beleidigung

Dass es noch immer Diskussionen über die Qualifikation von Frauen gibt, erachtet alt Landratspräsidentin Esther Maag als Beleidigung. Sie macht sich auch keine Illusionen über die Veränderungen in den Verwaltungsräten: «Klar kann nicht von heute auf Morgen etwas geändert werden.» Die Auswahl von Frauen sei vielfach noch nicht im Bewusstsein der Männer. Sie sei persönlich auch kein Fan einer Frauenquote. «Aber wahrscheinlich gibt es keine andere Lösung.» Eine andere Möglichkeit sei öffentlicher Druck, «damit die Thematik mehr ins Bewusstsein kommt.»

Mit ihrer Aktion Esther Maag zufrieden, obwohl sie bisher nicht direkt Früchte trug: «Es hat sich gelohnt, das Thema ist stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.» Dass die Auswertung der Anschreiben heute mit dem Tag der Frau zusammenfalle, sei übrigens eher ein schöner Zufall denn Absicht. Und sowieso: «Frauen müssen nicht besser als Männer sein, sondern gleichgut.»