Sicherheit
Verzweifelt Helfer im Baselbiet für Heimfahrservice gesucht

In der ganzen Schweiz boomt Nez Rouge, nur in der Nordwestschweiz gibt es den Heimfahrservice nicht. Warum die Suche nach Freiweilligen vor allem im Kanton Baselland seit Jahren erfolglos ist, dafür sucht man erfolglos nach Erklärungen.

Leif Simonsen und Michel Ecklin
Merken
Drucken
Teilen
Feuchtfröhliches Fest oder Autofahren? Mit Nez Rouge müsste man sich nicht mehr entscheiden.

Feuchtfröhliches Fest oder Autofahren? Mit Nez Rouge müsste man sich nicht mehr entscheiden.

bz Archiv

Dank der Aktion Nez Rouge kamen seit dem 1.Dezember schweizweit bisher über 13000 Menschen sicher nach Hause (siehe Kasten). Erfahrungsgemäss werden an Silvester die meisten Fahrten in Anspruch genommen. Der fast kostenlose Heimfahrservice steht in der ganzen Schweiz zur Verfügung – ausser in den beiden Basler Halbkantonen. Ende 1990er-Jahre gab es Vereine, die den regionalen Betrieb von Nez Rouge übernahmen. Seither läuft nichts mehr.

Nez Rouge: das Prinzip

Wer sich abends nach einem Fest nicht mehr fahrfähig fühlt, ruft die Gratisnummer 0800 802 208 an. Es kommen in einem Auto zwei Helfer. Der eine fährt den nicht mehr Fahrfähigen in seinem eigenen Auto nach Hause, der andere Helfer fährt hinterher. Die Helfer fahren dann zurück zur Einsatzzentrale. Der freiwillige Unkostenbeitrag beträgt fünf Franken. (mec)

«Insbesondere im Kanton Baselland sind wir verzweifelt auf der Suche nach Freiwilligen», sagt Kurt Röthlisberger, Präsident der Nez-Rouge-Sektion des Kanton Aargau. Warum die Suche seit Jahren erfolglos ist, dafür findet er keine Erklärung. Dass es den Dienst in der Stadt nicht gibt, hält er für verkraftbar. Hier ist das öV-Netz dicht genug. Sein Aufruf richtet sich deshalb an den Landkanton. Rund die Hälfte der Schweizer Nez-Rouge-Sektionen sei von Organisationen ins Leben gerufen worden, die in irgendeiner Weise mit Prävention zu tun hätten, sagt Röthlisberger. Als mögliche Baselbieter Nez-Rouge-Trägerschaften schlägt er deshalb Organisationen wie Gsünder Basel oder das Blaue Kreuz vor.

Im Baselbiet bisher kein Thema

Doch diese bleiben zurückhaltend. «Es wäre schön, wenn es Nez Rouge auch im Baselbiet gäbe», sagt Thomas Pfluger, Geschäftsleiter von Gsünder Basel. Er sieht aber eine Schwierigkeit darin, dass man Freiwillige aufbieten müsste. «Gsünder Basel hat kein solches Netz», sagt er. Zudem müsste von irgendwoher finanzielle Unterstützung kommen, sein Verein habe keine eigenen Mittel. Nicht ausschliessen will Pfluger, dass Gsünder Basel zusammen mit anderen Organisationen die Trägerschaft übernehmen könnte. «Aber im Moment sehe ich das nicht.»

Kein Thema war Nez Rouge bisher beim Baselbieter Roten Kreuz, ebenso beim Blauen Kreuz. «Falls wir angefragt werden, sind wir natürlich bereit, darüber zu reden», sagt Sektionspräsidentin Lisette Steiner. Nez Rouge würde aber durchaus in die Strategie des Blauen Kreuzes passen.

Vorläufig trägt die Aargauer Nez-Rouge-Sektion die Folgen davon, dass die Aktion im Baselbiet nicht Fuss gefasst hat. «Wir versuchen, alle Kunden zu bedienen», sagt Röthlisberger. Aber nicht immer fänden die Aargauer, deren Zentrale in Lenzburg liegt, Zeit für Fahrten jenseits des Jura.

Junge helfen gerne aus

Dass die Nordwestschweiz Nez-Rouge-Brachland bleibt, ist umso erstaunlicher, als die günstige Taxi-Alternative in der restlichen Schweiz ungebremst boomt: Fast 2500 Fahrer stehen seit dem 1.Dezember im Einsatz. In der 23-jährigen Nez-Rouge-Geschichte in der Schweiz boten bereits über 100000 Freiwillige ihre Fahrdienste an.

Der Reiz, so Röthlisberger, bestehe für die jungen Helfer darin, «an einem Abend mit bis zu sechs Autos fahren zu dürfen». Oft seien darunter so edle Gefährte wie Mercedes oder Jaguare. Besonders junge Autofahrer hätten daran Freude.