Füllinsdorf
Via Strassenreinigung zurück in den den Arbeitsmarkt finden

Seit Anfang Juli läuft in Füllinsdorf ein Littering-Projekt mit Sozialhilfebeziehenden. Sechs Personen säubern auf Gemeindegebiet Strassen und Plätze von liegen gebliebenem Abfall.

Daniel Aenishänsli
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Das Littering-Team sorgt für Sauberkeit. zvg

Das Littering-Team sorgt für Sauberkeit. zvg

Die Sozialhilfebeziehenden sollen durch ihre Arbeit im zweiten Arbeitsmarkt eine Tagesstruktur erhalten und dadurch bessere Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Wer die vollen 30 Stunden pro Woche leistet, «erhält eine Motivationspauschale von 250 Franken», sagt Simon Sayer vom Füllinsdörfer Sozialdienst. Das Projekt gilt als Versuch und wird nun mindestens ein Jahr laufen.

Bisher nur Freiwillige

85 Dossiers von Sozialhilfebeziehenden verwaltet Simon Sayer in Füllinsdorf. «Der Einstieg ist ein sehr niederschwelliger», sagt er, «Voraussetzung ist lediglich, dass die Person keine körperlichen Beeinträchtigungen aufweist.» Die Sozialhilfebeziehenden sind zu Fuss unterwegs. Als Gegenleistung für erbrachte Leistungen der Allgemeinheit könnten Sozialhilfebeziehenden zur Teilnahme verpflichtet werden. «Bisher sind alle Beteiligten freiwillig unterwegs», sagt Sayer. Neben der Tagesstruktur sieht Sayer weitere Vorteile: «Einer Tätigkeit nachgehen zu können, wirkt sich psychisch stabilisierend aus.» Immigranten böte sich die Gelegenheit, zu sehen «wies hier funktioniert».

Franziska Ramseyer ist Geschäftsleiterin der Abteilung Asylwesen der ABS Betreuungsservice AG in Pratteln, die das Projekt betreibt und betreut. «Die Bevölkerung reagiert erfreut, dass Sozialhilfe beziehende Menschen sich für das Gemeinwohl einsetzten», erzählt sie von ihren Erfahrungen. «Unsere Teilnehmer werden gebraucht», sagt Ramseyer, «sie verrichten eine Arbeit, die für alle zu mehr Lebensqualität führt.»

Abfallsünder verzeigt

Zu Beginn des Projekts sei plötzlich mehr Abfall auf den Strassen herumgelegen. «Die Littering-Gruppe kommt ja und räumt es weg», hätten die Leute sich gedacht. Daraufhin sei das System angepasst worden. Inzwischen werden an der Haustüre Abfallmarken verkauft. Abfallsünder können verzeigt werden. Dieser Umstand habe zu einer Verbesserung geführt. «Unsere Erhebungszahlen zeigen es», sagt Franziska Ramseyer, «je länger ein Littering-Programm besteht, umso weniger Abfall wird gesammelt.» Wenn die Strassen sauber sind, sei die Hemmschwelle zu gross, Abfall einfach auf der Strasse liegen zu lassen.

«Wir haben bemerkt, dass in der Nachbargemeinde Frenkendorf und in Birsfelden bereits Littering-Projekte laufen», sagt Simon Sayer, «daraufhin haben wir das intern thematisiert und mit dem ABS umgesetzt.» Eine Einstellung läuft über ein halbes Jahr. «Wer in dieser Zeit eine Anstellung findet, verlässt das Projekt natürlich», ergänzt Sayer. «Im Durschnitt», konkretisiert Ramseyer, «können wir 25 Prozent der Teilnehmenden nach Abschluss ihres Einsatzes in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln».