Öffentlicher Verkehr
Viele Busfahrer werden im grenznahen Ausland rekrutiert

Die Anforderungen an Busfahrer und Wagenführer sind in den vergangenen Jahren immer höher geworden. Deshalb können viele Interessenten gar nicht erst zugelassen werden. Die regionalen Verkehrsunternehmen müssen immer mehr Personal aus dem Ausland rekrutieren.

Leif Simonsen
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Hohe Anforderungen, tiefer Lohn und flexible Arbeitszeiten Der Job als Buschauffeur verlangt einiges ab.

Hohe Anforderungen, tiefer Lohn und flexible Arbeitszeiten Der Job als Buschauffeur verlangt einiges ab.

Juri Junkov

Es wird viel verlangt von den Tram- und Buschauffeuren. Sie müssen flexible Arbeitszeiten in Kauf nehmen, schwierige Eignungstests bestehen und mit einem Lohn ab 4 500 Franken auskommen. Das ist zu viel verlangt für die meisten. «Wir bekommen täglich Bewerbungen, können aber nur die wenigsten berücksichtigen», sagt Andreas Büttiker, Direktor der Baselland Transport AG (BLT). Dies im Hinblick auf die Wagenführerschule, die im April beginnt.

Roman Stingelin, Geschäftsführer der Autobus AG in Liestal (AAGL), kennt das Problem: «Wir inserieren nicht mehr auf der Homepage, denn es gab zuhauf Bewerbungen aus England oder Polen. Und dafür sehen wir keinen Bedarf.»

45 Prozent aus Deutschland

Noch. Denn der ausgetrocknete Markt zwingt die öffentlichen Verkehrsbetriebe, immer mehr Angestellte aus dem nahen Ausland zu holen. «Es wird immer schwieriger, Personal zu rekrutieren», sagt Büttiker. Heute sind bereits rund 30 Prozent der BLT-Buschauffeure Grenzgänger.

Bei der AAGL nimmt die Zahl der Einstellungen ausländischer Arbeitskräfte stark zu. In den letzten zwei Jahren, so Stingelin, seien 45 Prozent der eingestellten Chauffeure in Deutschland wohnhaft. Auch bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) wirbt man dieser Tage um neue Arbeitskräfte. Der Prozentanteil der Schweizer beträgt hier gemäss BVB-Sprecherin Dagmar Jenny 80 Prozent. Dieser «hohe» Anteil sei «sicherlich auf die attraktiven Anstellungsbedingungen zurückzuführen».

Hohe Anforderungen

Gemäss Stelleninserat muss, wer sich für den Job als Buschauffeuse oder Buschauffeur bewirbt, eine abgeschlossene Berufslehre und einen Fahrausweis Kategorie D oder C besitzen, sehr gut Deutsch sprechen, gute Stadtkenntnisse vorweisen und bereit sein, auch an Wochenenden unregelmässige Einsatzzeiten zu haben. Gemäss Jenny sind die Inserate, die derzeit geschaltet werden, Teil des «ordentlichen Rekrutierungsprozesses. Wir sind laufend auf verschiedenen Kanälen auf Personalsuche, um nie in einen Engpass zu laufen.»

Engpässe, von denen der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) aus der Vergangenheit zu berichten weiss. «Vor rund einem Jahr war die Stimmung beim BVB-Personal besonders schlecht, weil Personalknappheit herrschte», erinnert sich Regionalsekretär Matthias Scheurer. Zwischenzeitlich, so die Signale aus der Belegschaft, hätten sich die BVB daran gemacht, diese Lücken zu füllen.

Beruf leidet unter schlechter Reputation

Doch ob die Anstellungsbedingungen tatsächlich «sehr attraktiv» sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Scheurer glaubt, dass die Arbeit des Bus- und Tramchauffeurs in den vergangenen Jahren unter einem Reputationsverlust gelitten habe. «Früher war der Chauffeur noch eine Institution, heute muss er sich viel verbale und teilweise physische Gewalt gefallen lassen.» Zudem wird der Job immer anspruchsvoller, wie auch Stingelin einräumt. Durch den autonomen Nachvollzug des EU-Rechts reiche der blosse Führerausweis bei den Buschauffeuren nicht mehr. Es braucht Weiterbildungen alle fünf Jahre. Und psychologische sowie medizinische Checks gehören bei der BLT zum Prozedere, wie Büttiker sagt.

Das sind Entwicklungen, die sich schwer aufhalten lassen. Scheurer schlägt stattdessen vor: «Um den Job wieder attraktiv zu machen, müssten die Löhne angehoben werden.»