Strafgericht
Vier Meter-Sturz in Liftschacht: Genaue Ursache bleibt ungeklärt

Im April 2013 stürzte ein Mann vier Meter tief einen Liftschacht hinunter und verletzte sich dabei schwer. Wer dafür verantwortlich war, bleibt ungeklärt: Das Strafgericht in Muttenz sprach am Montag einen Liftmonteur von allen Vorwürfen frei.

Patrick Rudin
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(Symbolbild)

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KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

So etwas kommt normalerweise nur in billigen Horrorfilmen vor: Ein Mann öffnet eine alte, schwenkbare Lifttüre, um den Lift zu benützen, doch statt einer Kabine ist da nur ein leerer Schacht. Genau das ist aber im April 2013 einem Mitarbeiter der Giesserei Erzenberg in Liestal passiert: Im zweiten Stock wollte er den Lift benutzen, doch die Kabine befand sich im Erdgeschoss. Der Mann stürzte vier Meter in die Tiefe und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma sowie einen gebrochenen Unterkiefer und Verletzungen am Handgelenk.

Vorgeschriebene Sicherheitselemente verhindern eigentlich solche Liftunfälle: Eine Türe darf sich nur dann öffnen lassen, wenn die Kabine in der korrekten Position ist. Die mechanischen Sperren werden dazu auch elektronisch überwacht.

Am Montag musste sich daher ein Liftmonteur vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten, der zwei Wochen vor dem Unfall wegen einer Störung den Lift gewartet hatte. «Ich habe meine Arbeit immer sorgfältig gemacht. Ich bin nicht der Schuldige, den Sie suchen», beteuerte er.

Das Hauptproblem war allerdings, dass nach dem Unfall im Jahr 2013 niemand dokumentiert hat, ob etwa am Schaltschrank tatsächlich Sicherheitseinrichtungen überbrückt worden sind. Auch wurden die Arbeitsrapporte der Wartungstechniker offenbar eher schlampig ausgefüllt, viele Arbeiten am störungsanfälligen Lift gar nicht vermerkt.

Einzelrichterin Monika Roth sprach den Mann daher frei. «Es ist höchst unwahrscheinlich, dass er der letzte war, der am Lift gearbeitet hat», sagte Roth. Ebenso unwahrscheinlich sei es, dass er die Grundlagen für den Unfall gelegt habe. «Wir haben einen tragischen Vorfall, aber wir wissen nicht, wer und was genau dazu geführt hat», sagte Roth.

Selbst der Staatsanwalt verlangte schliesslich einen Freispruch

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor gegen einen anderen Liftmonteur eine Untersuchung geführt, das Verfahren aber mangels Beweisen eingestellt.

Das Gericht hörte am Montag noch einen Experten der Suva an, um Detailfragen der Sicherheitseinrichtungen zu klären. Staatsanwalt Roland Hochuli änderte danach seine Meinung und plädierte wie die Verteidigerin schliesslich ebenfalls auf Freispruch.

Der Lift war offenbar ein kostengünstiger Minimalumbau, der danach vor allem wegen Türstörungen praktisch täglich stillstand. Unklar blieb, ob auch fachfremdes Personal zumindest mechanisch die Türen manipuliert hatte. Roth kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Giesserei: «Man wusste, in was für einem miserablen Zustand der Lift war, und man fand es nicht für nötig, die eigenen Angestellten zu warnen», sagte sie.

Wie am Rande der Verhandlung bekannt wurde, war auch der Bereich vor der Lifttüre damals kaum beleuchtet. Hinter den Kulissen tobt auch deshalb ein Streit um die Zivilforderungen: Nun muss wohl ein Zivilgericht entscheiden, ob die Liftfirma oder die Giesserei für den Schaden haftet.