Allschwil
Vier Millionen für einen Lagerraum? Allschwil baut Keller für Fasnachtslarven

Der Allschwiler Einwohnerrat bewilligt einen Keller für einen Kindergarten-Neubau. Sein Verwendungszweck gefällt aber nicht allen. Da das Projekt vier Millionen Franken kostet, kommt es zur Volksabstimmung.

Regula Vogt-Kohler
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Der Allschwiler Einwohnerrat bewilligte einen Keller für einen Kindergarten-Neubau.

Der Allschwiler Einwohnerrat bewilligte einen Keller für einen Kindergarten-Neubau.

Kenneth Nars

Mit oder ohne Keller – das war beim geplanten neuen Doppel-Tageskindergarten auf dem Sturzenegger-Areal an der Spitzwaldstrasse seit Juni die Frage. Ausgelöst hatte die Diskussion die Suche der Pfadi Allschwil nach einem neuen Lokal. Dem Gemeinderat gelang es zwar, den Einwohnerrat davon zu überzeugen, dass mit einem Keller extra für die Pfadi ein Präjudiz geschaffen würde.

Damit war aber die Kellerfrage nicht vom Tisch. In Form einer von der Pfadiproblematik losgelösten Motion tauchte sie im Oktober erneut auf, und wieder folgte das Parlament dem Gemeinderat. Erfolgreich war aber ein von Vertretern mehrerer Fraktionen eingereichtes Postulat. Der mit 28 Ja gegen 5 Nein überwiesene Vorstoss verpflichtet den Gemeinderat dazu zu prüfen, wie teuer eine Unterkellerung des Kindergartens auf dem Sturzenegger-Areal wäre, und eine solche Prüfung auch bei künftigen Kindergarten-Projekten vorzunehmen.

Das Ergebnis für den Doppelkindergarten an der Spitzwaldstrasse: Die Kosten für einen ausgebauten Keller betragen 473 500 Franken, ein nicht ausgebauter Keller käme auf 393 000 Franken zu stehen. Für den Gemeinderat kam weiterhin keine der Varianten infrage. «Der Raum ist nicht notwendig», wiederholte der für Hochbau zuständige Gemeinderat Christoph Morat mehrmals. Dem widersprach FDP-Einwohnerrat Roland Naef. Er hatte von den Allschwiler Kindergärtnerinnen die Auskunft erhalten, dass sie sich dringend eine Unterkellerung wünschen würden. Die Vorgesetzten der Nutzerinnen hätten den Bedarf verneint, hielt Morat entgegen.

Vier Millionen für einen Lagerraum?

In der Schweiz gehöre zu einem Haus auch ein Keller, befanden Philippe Hofmann (CVP) und Jürg Vogt (FDP). Armin Bieri (SP) erinnerte daran, dass beim Feuerwehrmagazin eine Unterkellerung von bürgerlicher Seite abgelehnt worden sei. Sein Fraktionskollege Jean-Jacques Winter hingegen machte sich für eine Unterkellerung des Kindergartens stark. Der Primarlehrer wies dabei unter anderem auf Fasnachtsmaterial hin, das sich angehäuft habe.

Nun griff Gemeinderat Morat zum verbalen Zaunpfahl: «Wie wollen wir dem Volk klarmachen, dass es vier Millionen Franken braucht für Lagerraum für ein bisschen Fasnachtsmaterial?» Wenn man so argumentiere, brauche man nicht vors Volk zu gehen, sagte Kurt Kneier (CVP) dazu.

Mit 23 Ja gegen 8 Nein fiel der Grundsatzentscheid für die Unterkellerung deutlich. Mit 24 Ja zu 5 Nein genehmigte der Einwohnerrat einen Kredit von 4,152 Millionen Franken, der neben dem Bau des Doppelkindergartens auch einen nicht ausgebauten Keller umfasst. Weil der Betrag über drei Millionen Franken liegt, ist eine Volksabstimmung, vorgesehen für März, unumgänglich.

Noch ein Nachtrag zur Pfadi: Für sie gibt es in der Überbauung auf dem ehemaligen Ciba-Sportplatz eine Ersatzlösung.