Baselbiet
Vom Birsmattehof in Therwil haben die Basel-Städter ihr Bio-Gemüse

Die Agrico Genossenschaft betreibt mit viel Erfolg biologischen Landbau. Auf dem Birsmattehof sind Menschen aus elf Nationen tätig. Sie ernten Gemüse, das in Körben direkt zum Endverbraucher gelangt und auf Tellern in der ganzen Region landet.

Dimitri Hofer
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Nicole und Alexander Tanner führen gemeinsam den Birsmattehof, auf dem die unterschiedlichsten Salatsorten wachsen.

Nicole und Alexander Tanner führen gemeinsam den Birsmattehof, auf dem die unterschiedlichsten Salatsorten wachsen.

Juri Junkov

Die Nähe zur Stadt ist bei einem Rundgang über das weitläufige Gelände des Birsmattehofs nicht zu spüren. In den Gewächshäusern und auf den Feldern fühlt man sich weit weg von der nur wenige Kilometer entfernten Stadt. Auf einem idyllischen Landstück zwischen Therwil und Biel-Benken kultiviert die Genossenschaft Agrico biologisches Gemüse. Sie spricht damit ein Bedürfnis der Menschen in der Region an. Dies belegen die kontinuierlich steigenden Kundenzahlen.

Zu den Abnehmern gehören grösstenteils Personen aus Basel-Stadt, die mit einem Abonnement die unterschiedlichsten Gemüsearten erhalten. Doch auch im Baselbiet hat der landwirtschaftliche Betrieb, der seine Produkte auch an mehreren regionalen Wochenmärkten verkauft, zahlreiche Kunden.

Für die Abonnentinnen und Abonnenten packen die Mitarbeiter auf dem Hof einmal pro Woche einen Korb, in den sie je nach Korbgrösse drei bis sechs Kilogramm saisonales Gemüse legen. Die Körbe kann man direkt vor Ort oder an sechzig Depots in beiden Basel und im Solothurnischen abholen. Diese Depots befinden sich in Hauseingängen, Garagen und Lagerräumen.

Über den Inhalt der Körbe wird auf dem Birsmattehof entschieden. «Es gibt, was derzeit bei uns wächst», sagt Eva von Allmen während unseres Besuches. Gemäss dem Mitglied der Geschäftsleitung geht das Konzept der Genossenschaft auf. Es habe bis anhin nur selten Reklamationen über die Auswahl des Gemüses gegeben.

Auberginen, Rüebli, Tomaten

Momentan sei das Gemüseangebot äusserst reichhaltig, erklärt Alexander Tanner, der zusammen mit seiner Frau Nicole den Betrieb leitet. «Wir befinden uns gerade in einer Übergangsphase, in der noch Sommergemüse vorhanden ist, aber auch schon erstes Herbstgemüse geerntet werden kann.» In Hülle und Fülle gibt es aktuell Auberginen, Peperoni, Tomaten und Zucchetti, von denen verschiedene Sorten angebaut werden. Dasselbe gilt für Kürbisse, die bald in allen Formen und Farben in die Körbe wandern. Während eines Jahres erhalten die Abonnenten um die fünfzig verschiedene Gemüsearten.

Etablierte Mutterkuhhaltung

Auf dem Birsmattehof arbeiten Menschen aus elf Nationen, aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Tschechien, Polen und Bulgarien. Sie sind entweder ganzjährig oder saisonal angestellt. Aber auch ein japanischer Praktikant und zwei vorläufig aufgenommene Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia trifft man auf den Feldern.

Insgesamt besitzt die Genossenschaft rund fünfzig Hektaren Land. «Es ist uns gelungen, die Fläche immer wieder zu vergrössern», freut sich Betriebsleiter Tanner. Vor kurzem hat die Agrico den Sprung über die Grenze gewagt und im deutschen Herten ein Stück Land erworben, auf dem Getreide, Hülsenfrüchte, Soja und Gemüse angepflanzt wird. Dort bewirtschaftet die Genossenschaft auch einige Obstbäume.

Auf dem Birsmattehof werden in einem grossen Freilaufgehege fünfhundert Legehennen gehalten, deren Eier verkauft werden. Ebenso betreibt die Genossenschaft schon seit vielen Jahren Mutterkuhhaltung. «Trotz diesen Nebeneinnahmen ist unser Kerngeschäft ganz klar das Gemüse», sagt er. Dafür sei die Genossenschaft bekannt und damit verdiene sie ihr Geld.

Im «Hirscheneck» gegründet

Das Lohnbudget legen die Verantwortlichen jeweils den Anwesenden der Genossenschaftsversammlung vor. Obwohl das Aufkommen dort hoch ist, nehmen nie alle 703 Genossenschafterinnen und Genossenschafter teil. Die Mitgliederzahl ist seit der Gründungsversammlung im Kleinbasler Restaurant Hirscheneck im Jahr 1980 stetig gestiegen. Damals schlossen sich einige Konsumenten aus der Region zusammen, die sich eine bessere Versorgung mit Bio-Gemüse wünschten.

Sie riefen die Agrico mit folgender Absicht ins Leben: «Ähnlich einem Zeitungsabonnement sollten sich die Gemüseabonnenten zu einer regelmässigen Abnahme eines Gemüsepakets verpflichten und im Voraus dafür bezahlen. Das gesamte Gemüse würde gleichmässig an die Abonnenten verteilt, um Überschüsse zu vermeiden», schreibt Gründungsmitglied Irene Stark in einem kürzlich erschienenen Buch zum diesjährigen Jubiläum. Bis heute hat sich an der Idee der Genossenschaft nichts geändert.

Ein Ende des Erfolgs der Agrico ist derzeit nicht absehbar. Neue Mitglieder werden auch nicht von den sechs bis zwölf Stunden ehrenamtlicher Arbeit abgeschreckt, die sie pro Jahr für die Genossenschaft leisten müssen. «Als Abonnent muss man aber selbstverständlich nicht Mitglied der Genossenschaft sein», stellt Alexander Tanner klar. Ihn und viele andere Mitarbeiter kann man am heutigen Jubiläumsfest auf dem Birsmattehof kennenlernen und zu ihrer Tätigkeit befragen.

Jubiläumsfest 35 Jahre Birsmattehof:

14–18 Uhr: Markt und Workshops
14–18 Uhr: Kinderprogramm mit Eselreiten und Strohballenburg
17.30–18.30 Uhr: Buchvernissage
17–22 Uhr: Gemüsebüffet und Grill

Stark, Irene: Mehr als Bio-Gemüse! 35 Jahre Agrico
Verlag Johannes Petri, Basel, 2015