Prämierungen
Vom Kochwein zum Edeltropfen: Baselbieter Winzer haben Weltniveau

Nicolas Neuhaus, Leiter der Siebe Dupf Kellerei Liestal, informierte gestern im Binninger Schloss über die Wandlung des Baselbieter Weins. Gab es vor drei Jahrzehnten nur vier Rebsorten, sind es heute 30. Diese verdienen gar das Prädikat Weltklasse.

Leif Simonsen
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2011 und 2012 waren besonders gute Jahre für die Winzer. 2013 harzt es noch. Doch noch dürfen die Baselbieter Bauern auf eine gute Lese hoffen – sofern der Sommer und der Herbst gut werden.

2011 und 2012 waren besonders gute Jahre für die Winzer. 2013 harzt es noch. Doch noch dürfen die Baselbieter Bauern auf eine gute Lese hoffen – sofern der Sommer und der Herbst gut werden.

Das Baselbiet mag in den vergangenen Jahren nicht auf Rosen gebettet gewesen sein. Im allgemeinen Wehklagen über die darbende Wirtschaft geht aber oft unter, dass sich unsere Weinbauern gerade mitten in die Weltelite keltern. Und das, nachdem der hiesige Wein bis vor 30 Jahren im Zweifelsfall lieber zum Kochen benutzt wurde.

«Früher gab man den Touristen einen Dôle, Rioja oder Chianti. Heute können wir mit gutem Gewissen einen Wein aus dem regionalen Anbau anbieten», sagte Nicolas Neuhaus, Leiter der Liestaler Siebe Dupf Kellerei an der gestrigen Medienorientierung im Binninger Schloss.

Mittlerweile werden alleine im Landkanton 60 Rebsorten angebaut. Vor drei Jahrzehnten waren es vier.

Weinlese statt Marketing

Den Wermutstropfen beim Rückblick auf die Weinjahre 2011 und 2012 brachte Neuhaus mit der Beflissenheit der Weinbauern in Verbindung. «Zwar sind schon einige Beizer auf den Zug aufgesprungen. Aber immer noch haben viele den regionalen Wein nicht im Angebot. Das hängt wohl damit zusammen, dass die Weinbauern zu viel Zeit in den Rebbergen verbringen und zu wenig mit Marketing.»

Dafür machen die nackten Zahlen Werbung. Vier Goldmedaillen erreichten die regionalen Weine an der diesjährigen «La Sélection», der Weinprämierung im Vorfeld der Basler Weinmesse.

Der Wintersinger Blanc de Noir aus der Siebe Dupf Kellerei holte im Vorfeld der Zürcher Weinausstellung «Expovina» vom November das Golddiplom, und der Riesling-Silvaner von Tschäpperliweine in Aesch sowie der Sauvignon Blanc der Jauslin Weine in Muttenz wurden an der «Grand Prix du Vin Suisse» mit Gold prämiert.

Das regionale Highlight: Der letztjährige Pinot-Noir-Weltmeister stammt von Urs Jauslin aus Muttenz.

Blauburgunder als schwierige Rebe

Dass die meisten prämierten Weine Jahrgang 2011 haben, ist kein Zufall. An dieses Jahr erinnern sich die Winzer gerne. Gemäss dem Aescher Gemeinde-Rebwärter Ueli Bänninger ist es gar «das beste Jahr, das ich in meiner fast 30-jährigen Tätigkeit erlebt habe».Die frühe Trockenheit im April liess Krankheiten keine Chance, und auch der nasskalte Juli konnte den Trauben nichts anhaben.

Auch das letzte Jahr bot gute Qualität, aber die Weinbauern mussten mit einer um 40 Prozent kleineren Ernte auskommen.

Und 2013, in dem uns gefühlt noch kaum ein ganzer, sonniger Tag vergönnt war? Ist die Traubenlese und somit der Baselbieter Platz an der Sonne der internationalen Spitze gefährdet?

Sämtliche Sorgen wären verfrüht, beschwichtigten die anwesenden Winzer im Binninger Schloss.Erstens könnten ein guter Sommer und Herbst den Weinbauern die Lese noch versüssen, und zweitens ist das Wetter für die Weinqualität gar nicht so ausschlaggebend wie vermutet.

«80 Prozent der Traubenqualität machen die Winzerinnen und Winzer aus», stellt Rebbaukommissär Andreas Buser vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain klar. Würden die Trauben sich selber überlassen, dann würden sie auch bei bestem Wetter Opfer von Pilzbefall.

Zudem gilt die im Baselbiet übliche Rebsorte Blauburgunder nicht gerade als pflegeleicht.

Die Baselbieter Weinbauern tun deshalb wohl gut daran, sich weiterhin in den Rebbergen statt in den Büros von Marketingfachleuten aufzuhalten. «Die Qualität kommt früher oder später immer zum Vorschein», sagte ein Winzer. Der Trend der vergangenen Jahre scheint ihm recht zu geben.

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