Konzeptvorschlag
Von Bubendorf nach Liestal ohne Stau? – Das soll tatsächlich möglich sein

Der Bubendörfer Peter Frey wartet mit einem Konzept auf, das beim Verkehrsknoten Bad Bubendorf die Staus während der Stosszeiten zum Verschwinden bringen könnte. Was sagt der Kanton dazu?

Simon Tschopp
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Das neue Strassenteilstück (rot) würde zwischen dem Migros-Kreisel und der Kantonsstrasse gebaut, wo ein Vollanschluss entstünde. Der bestehende Strassenabschnitt (gelb) zwischen Migros-Kreisel und Bad Bubendorf würde zurückgebaut.

Das neue Strassenteilstück (rot) würde zwischen dem Migros-Kreisel und der Kantonsstrasse gebaut, wo ein Vollanschluss entstünde. Der bestehende Strassenabschnitt (gelb) zwischen Migros-Kreisel und Bad Bubendorf würde zurückgebaut.

Skizze: Peter Frey/Grafik: pat

Schon seit Jahren ärgert sich Peter Frey über das Verkehrsregime beim Bad Bubendorf. Gemäss kantonaler Verkehrsstatistik passieren pro Tag durchschnittlich über 20 000 Fahrzeuge diesen Knoten, zu Stosszeiten gut 2500 stündlich. «Staus am Morgen nach Liestal und abends in die umgekehrte Richtung sind die Regel», meint der Bubendörfer. Er hat einen Vorschlag seines Kollegen Toni Degen, den dieser schon 2006 bei der Gemeinde Bubendorf deponiert hat, ausgegraben. Während dieser zwölf Jahre sei nichts geschehen, tadelt Frey, räumt aber ein, dass man sich damals direkt an den Kanton hätte wenden sollen.

Bubendorfs Gemeindepräsident Erwin Müller kann sich zwar nicht an ein solches Papier erinnern, bestätigt aber, dass der Gemeinderat über das Verkehrsregime beim Bad Bubendorf schon mehrfach diskutiert hat.

Staus wegen Verkehrsampeln

Für Peter Frey ist klar: Die Verkehrsampeln für die Waldenburgerbahn (WB) beim Bad Bubendorf verursachen die Staus. Die geplante Verlängerung der Rechtsabbiegespur von Liestal her in Richtung Bubendorf koste viel und bringe nichts, ist er sich sicher. Davon hat er im Oktober in einer Zeitung gelesen, was ihn auf den Plan gerufen hat. Der früher im Hochbau tätig gewesene Frey glaubt, mit seiner von Degen übernommenen Idee den Verkehr verflüssigen zu können.

Das neue Strassenteilstück (rot) würde zwischen dem Migros-Kreisel und der Kantonsstrasse gebaut, wo ein Vollanschluss entstünde. Der bestehende Strassenabschnitt (gelb) zwischen Migros-Kreisel und Bad Bubendorf würde zurückgebaut.

Das neue Strassenteilstück (rot) würde zwischen dem Migros-Kreisel und der Kantonsstrasse gebaut, wo ein Vollanschluss entstünde. Der bestehende Strassenabschnitt (gelb) zwischen Migros-Kreisel und Bad Bubendorf würde zurückgebaut.

Skizze: Peter Frey/Grafik: pat

Sein Vorschlag: Vom Migros-Kreisel eine Strasse zu bauen entlang dem Einkaufscenter in Richtung Landwirtschaftszone Fieleten bis zur Oberen Hauensteinstrasse und unter der Kantonsstrasse und dem Bahntrassee durch eine Unterführung zu realisieren. Durch den dortigen Vollanschluss könnte der motorisierte Verkehr sowohl talaufwärts nach Hölstein als auch talabwärts nach Liestal ein- und ausfahren – ohne Ampel. «Das ist doch die Lösung, das funktioniert», ist der Rentner felsenfest überzeugt.

Ein Kreisel beim Bad Bubendorf sei nicht machbar, weil zu komplex. Über das Geld, das sein Konzept verschlänge, mag er nicht reden: «Das sollte kein Problem sein. Eine gute Lösung darf etwas kosten», betont er und fügt an: Sein Vorschlag tauge für beide Frenkentäler auch bei Verkehrszunahme.

«Wir haben uns stets gegen eine Überbauung des Reitplatzes gewehrt. Doch der Kanton wollte dies bis jetzt nie in irgendeiner Form regeln», sagt Gemeindepräsident Müller. Die Verkehrsführung beim Bad Bubendorf liege in der Hoheit des Kantons. Frey schwebt weiter vor, die Altmarkt-Brücke in Liestal für einen Doppelkreisel zu verbreitern, was wegen der Massnahmen in Bubendorf auch dort den Verkehr verflüssigen soll. Ebenfalls schlägt er vor, den unübersichtlichen Bahnübergang beim Talhaus für den Autoverkehr aufzuheben, nicht jedoch für Fussgänger, Velofahrer und Notfälle. Damit wären die Gewerbeliegenschaften im Gebiet Grüngen nur noch via Migros-Kreisel erschlossen.

Kulturland wird kompensiert

Das bestehende Teilstück zwischen dem Migros-Kreisel und dem Hotel Bad Bubendorf soll zurückgebaut werden, um dort wieder zu begrünen. Einzig eine schmale Fahrspur für das Landwirtschaftsgebiet und ein Zugang zum Reitplatz könnten bleiben. Das Trottoir zwischen Kreisel und Bad Bubendorf könnte als Zugang zur WB- und Busstation belassen werden. Die Haltestelle der Buslinien 70 und 71 in Fahrtrichtung Reigoldswil käme auf dem heutigen Rechtsabbieger zu stehen, der seine Funktion verlöre. Laut Frey gewänne man dadurch Kulturland, das bei der Unterführung beansprucht würde.

Frey ist sich zwar bewusst, dass er angesichts der WB-Erneuerung, die Ende 2022 fertiggestellt sein wird, spät dran ist mit seinen Plänen. Er fordert gleichwohl, die miserable Verkehrssituation endlich zu korrigieren. «Politiker, Verkehrsplaner und Ingenieure: Es ist eine Minute vor zwölf», warnt der Bubendörfer.

Das sagt der Kanton

«Grundsätzlich realisierbar, aber...»

Die Verantwortlichen des Baselbieter Tiefbauamts sehen die Verkehrssituation beim Bad Bubendorf weniger dramatisch als der Bubendörfer Peter Frey. Der Leiter Verkehrstechnik, Stefan Roana, findet Freys Vorschlag zwar «interessant, weil er einen kreuzungsfreien Knoten aufzeigt, der sehr leistungsfähig ist». Aber diese Lösung wäre ein «sehr grosser» baulicher Eingriff und mit hohen Kosten verbunden. Urs Roth, der stellvertretende Kantonsingenieur, schätzt die Kosten auf 20 bis 30 Millionen Franken. «Die Frage ist, ob das schon zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Lösung ist, wenn wir heute einen bestehenden und funktionierenden Knoten mit ausreichender Leistungsfähigkeit haben», meint Roana. Die Staus lösten sich während der Spitzenstunden meistens auf.

Der Leiter Verkehrstechnik teilt Freys Ansicht, dass der Verkehr bei einem kreuzungsfreien Knoten flüssiger liefe, wenn man so bauen könnte wie aufgezeichnet. «Grundsätzlich wäre die Idee realisierbar», sagt Roth, «aber nicht so einfach wie auf der Skizze.» Er weist auf die Radien, die Steigungsverhältnisse bei der Unterführung und Sichtweiten hin, die es zu beachten gälte. «Ein solches Projekt müsste mit dem Neubau der Waldenburgerbahn koordiniert werden, und dafür ist es eindeutig zu spät.» Darüber könne man in 20 bis 30 Jahren reden, erklärt Roth.

Gemäss Stefan Roana werden die jetzt geplanten Massnahmen beim Knoten Bad Bubendorf den Verkehrsfluss ohnehin verbessern. Die Steuerung der Lichtsignale wird optimiert; sie erkennt vor dem Eintreffen der Waldenburgerbahn (WB), aus welcher Richtung eine Grünphase notwendig ist. Die Rechtsabbiegespur nach Bubendorf wird auf 150 Meter verlängert. Beim Migros-Kreisel sind Stauschlaufen vorgesehen, um Rückstaus zu erfassen und zu reduzieren. Mit dem WB-Neubau soll beim Übergang Talhaus eine permanente Lichtsignalanlage installiert werden. «Gut möglich, dass noch weitere Überlegungen eingebracht werden, um den Verkehr zu verflüssigen», sagt Roth. (stz)