Baselland
Von jetzt an lernen die Kinder ein Jahr länger in der Primarschule

Mit dem heute beginnenden Schuljahr erhalten die Primarschulen eine 6. Klasse – ein Teil der Schulharmonisierung. Somit ändert sich nicht nur etwas für die Schüler, sondern auch für die Lehrer. Wie sehen die Schulen dieser Umstellung entgegen?

Michel Ecklin
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Für die Kinder, die heute ihren ersten Schultag haben, ist das sechste Primarschuljahr noch ganz weit weg. (Symbolbild)

Für die Kinder, die heute ihren ersten Schultag haben, ist das sechste Primarschuljahr noch ganz weit weg. (Symbolbild)

Bruno Kissling

Ab heute dauert die Baselbieter Primarschule nicht mehr fünf, sondern sechs Jahre – eine Anpassung im Rahmen der Schulharmonisierung Harmos. «Wir sind gut vorbereitet für das zusätzliche Jahr», sagt Stephan Zürcher, Schulleiter in Liestal. «Das Anspruchsvollste war, den Schulraum dafür zur Verfügung zu stellen. Das war natürlich eine langfristige Planung.»

Im ganzen Kanton konnten alle zusätzlichen Primarlehrstellen besetzt werden. Das bestätigt Severin Faller, Generalsekretär der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. In Liestal hat man dafür gesorgt, dass möglichst alle Schüler ihren bisherigen Lehrer als Vertrauenspersonen behalten können. Die neuen Lehrkräfte übernehmen die dritten Klassen, die sowieso den Lehrer gewechselt hätten. «So merken die Schüler kaum etwas vom zusätzlichen Jahr», sagt Zürcher.

Lehrkräfte sind gut vorbereitet

Was den Lehrstoff im zusätzlichen Jahr angeht, so profitiert das Baselbiet davon, dass die Mehrheit der Deutschschweizer Kantone bereits eine sechste Primarschulklasse kennen. Das Lehrmaterial ist deshalb bereits darauf ausgerichtet. Das macht es den Lehrern in den meisten Fächern einfacher, sich auf neuen Stoff einzulassen. «Und der Kurs der Fachstelle Erwachsenenbildung im Rahmen der Bildungsharmonisierung des Kantons hat die Lehrkräfte gut in die Veränderungen eingeführt», sagt Zürcher. «Unsere Lehrkräfte sind gut vorbereitet.»

Sie hätten sich intensiv mit den Neuerungen auseinandergesetzt, weshalb er bei ihnen viel Gelassenheit spüre. Ein zusätzliches Jahr zu unterrichten, sei für junge Lehrkräfte wie ein erweiterter Berufsanfang, ältere müssten sich wieder etwas Neues erarbeiten.

Gewisse Unterrichtsthemen verschieben sich wegen dem späteren Wechsel in die Sekundarschule. Das betrifft zum Beispiel den Medienunterricht, weil bisher viele Schüler gleichzeitig zum Schulwechsel ein Handy erhalten. «Und bisher fühlten sich die Fünftklässler wie die Grössten im Schulhaus, jetzt werden es eben die Sechstklässler sein», prognostiziert Zürcher.

Verschiedentlich war im Vorfeld des Schulanfangs zu hören, dass die Sechstklässler die Anstrengendsten seien. «Aber das ist wahrscheinlich nicht so», ist Roland Gindrat, Gesamtschulleiter in Allschwil, überzeugt. Auch Zürcher meint, bei ihm in der Schule sei das kein grosses Thema gewesen.

Neben dem sechsten Schuljahr wartet eine andere Neuerung auf die Baselbieter Schüler: Die Lektionen dauern nicht mehr 50, sondern 45 Minuten. «Das spielt aber keine grosse Rolle», sagt Zürcher und erläutert: «Denn die Lehrpersonen planen heutzutage nicht mehr in Lektionen, sondern in Unterrichtsblöcken.» Die neue Lektionsdauer lässt neu jeden Morgen eine halbe Lektion übrig, die am Anfang des Tages zu einer Eingangslektion wird. Der Vorteil davon: Die Lehrkraft sieht – meist das einzige Mal für den ganzen Tag – alle ihre Schüler zusammen.

Zürcher sieht dem Wechsel zur sechsten Primarschulklasse gelassen entgegen – allerdings scheint das nicht überall im Kanton so zu sein. Jedenfalls lehnten es noch letzte Woche einige Schulleiter im Kanton ab, mit der bz zu reden – nicht aus schlechtem Willen, sondern weil sie wegen dem anstehenden zusätzlichen Schuljahr zu beschäftigt waren für Medienanfragen.