Gymnasium Liestal
Vor 50 Jahren wurde in Liestal das erste Baselbieter Gymnasium eröffnet

Das erste Baselbieter Gymnasium feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Das Gym Liestal hat sich stark verändert – zu Beginn waren sogar noch verheiratete oder schwangere Lehrerinnen nicht zugelassen.

Oliver Maurer
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Frauen hatten in den Anfangsjahren einen schweren Stand.

Frauen hatten in den Anfangsjahren einen schweren Stand.

Zur Verfügung gestellt

«Anfangs mussten die Schüler vier Monate provisorisch im alten Spital in Liestal unterrichtet werden», erzählt der heutige Rektor Thomas Rätz. Später zog man in zwei Pavillons. Heute befinde sich die Schule in einem erst kürzlich renovierten Gebäude. Damals war auch das Lehrerinnenzölibat noch gang und gäbe. Es verbot einer schwangeren oder verheirateten Frau, Lehrerin zu werden. Rätz weiss, dass eine beliebte Sprachlehrerin vom Verbot betroffen war: «Nachdem sie geheiratet hatte, musste sie ihre Stelle kündigen». Ihre Klasse reichte eine Petition dagegen ein, die aber vom Rektor abgelehnt wurde. Diese Zeiten sind aber vorbei. Heute stellen Frauen die Hälfte der Angestellten, Tendenz steigend. Bei den Maturanden beträgt der Frauenanteil über 60 Prozent.

Anlassreigen zum Jubiläum

Mit einer Reihe kultureller Anlässe wird das Gymnasium Liestal sein 50-Jahr-Jubiläum feiern. Über das Jahr verteilt, aber in regelmässigen Abständen finden Konzerte, Theaterstücke und Ausstellungen statt. Eröffnet wird die Reihe am
9. März mit einem grossen Fest unter dem Motto «Kultur in allen Räumen». Dieses findet auf dem Areal der Schule statt. Die Schülerinnen und Schüler werden verschiedene Darbietungen zeigen, unterstützt von Ehemaligen und Lehrern. Aufgeführt werden Konzerte und Szenen aus unterschiedlichen Theaterstücken. Am Tag zuvor wird eine Foto- und Architekturausstellung eröffnet. (olm)

Stadt schränkte Aufnahmen ein

Üblicherweise gingen damals alle Schüler vom Land in die Stadt, um die Matura ablegen zu können. Doch als die Baselbieter Bevölkerung in der Nachkriegszeit stark wuchs, gab es in den weiterführenden Schulen bald zu wenig Platz. Die städtischen Gymnasien stiessen an ihre Grenzen und konnten keine weiteren Schüler vom Land mehr aufnehmen. Als durch die Stadt 1958 eine Einschränkung der Aufnahmen verfügt wurde, musste das Baselbiet handeln. Die Idee eines eigenen Baselbieter Gymnasiums war schon lange vorhanden. «Der Landrat hatte sich aber lange dagegen gewehrt», weiss Rätz. Ein Gymnasium sei ihnen zu elitär gewesen.

Trotzdem wurde die Idee umgesetzt: Am 16. Mai 1963 öffnete das erste Gymnasium des Kantons seine Türen. Es stellte einen wichtigen Schritt zur Bildungsunabhängigkeit des Landkantons dar. Ein Jahr später folgte der nächste Schritt mit der Eröffnung des Gymnasiums Münchenstein. Später kamen Muttenz und Oberwil dazu. Mit dem Kantonsbeitritt des Laufentals wurden es fünf Gymnasien.

Familiäre Atmosphäre zu Beginn

Am Anfang war vieles provisorisch. «Unser Jahrgang bekam als erster von Beginn weg an ein anerkanntes Maturzeugnis», erinnert sich Werner Leupin, ehemaliger Schüler und heute Chemielehrer. Die vorherigen Jahrgänge erhielten ein provisorisches. Damals herrschte noch eine familiäre Atmosphäre. Es gab nicht viele Gymnasiasten und man war stolz auf das erste Landgymnasium.

Am Anfang bildeten laut Thomas Rätz 82 Schülerinnen und Schüler den ersten Jahrgang. Zum Vergleich: Heute sind es rund 1100 in 60 Klassen. Diese Veränderungen stellten für die Schulleitung eine Herausforderung dar. Auch künftig werden viele Veränderungen die Schule beschäftigen. Doch zunächst wird nun gefeiert.