Kindes- und Erwachsenenschutz
Vormundschaft wird professioneller und anonymer, aber auch teurer

100 Jahre blieb das Vormundschaftsrecht beinahe unangetastet, am 1. Januar 2013 aber wird gleich ganz umgekrempelt: Neu gibt es statt 66 nur noch 6 Vormundschaftsbehörden.

Leif Simonsen
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Die Vormundschaft geht ab 1. Januar auch im Baselbiet neue Wege. keystone

Die Vormundschaft geht ab 1. Januar auch im Baselbiet neue Wege. keystone

Mit der Einführung von gemeindeübergreifenden Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) folgt der Kanton Baselland dem Auftrag des Bundes, die Vormundschaft zu professionalisieren. Fortan müssen der Vormundschaftsbehörde mindestens drei qualifizierte Leute angehören.

Härtere Schicksale als früher

Da der Baselbieter Landrat erst in diesem Jahr das Gesetz verabschiedete, blieb den Gemeinden nicht mehr allzu viel Zeit, sich zu organisieren. Schon während der Vernehmlassung begannen die Gemeinden, nach möglichen Partnern Ausschau zu halten: Vor allem kleinere Gemeinden würden die teureren Strukturen nicht alleine unterhalten können.

In den Behörden, so schreibt das neue Gesetz vor, müssen ausgebildete Personen in Recht, Psychologie/Pädagogik und Sozialarbeit vertreten sein. Bisher war in den meisten Gemeinden der Gemeinderat für die Vormundschaft zuständig. Zu sechs KESB haben sich die 86 Gemeinden nun zusammengeschlossen, allesamt «in verschiedenen Varianten», wie Caroline Rietschi, Projektleiterin KESB Leimental, sagt.

Alleine bei der Leimentaler Behörde gäbe es Unterschiede zwischen den grossen und kleinen Gemeinden: Allschwil und Oberwil etwa würden am Abklärungsdienst und an der Berufsbeistandschaft festhalten, während die anderen Leimentaler Gemeinden dies an die KESB delegierten. Alles in allem sieht Rietschi dem Startschuss in zwei Wochen gelassen entgegen: «Natürlich wird nicht alles von Anfang an laufen wie geschmiert, aber diesen Anspruch können wir auch nicht haben – wir haben schliesslich in Rekordzeit eine ganze Behörde aufgebaut.»

Das benötigte Personal konnte offenbar bei allen sechs KESB innert Kürze rekrutiert werden, im Leimental ist bereits ein Drittel im Einsatz, die KESB Liestal arbeitet gemäss Rietschi bereits im Vollbestand. Auch im Laufental, wo die Vormundschaftsbehörde quasi in die KESB überführt wird, ist laut Franz Meyer alles aufgegleist. Der Mitbegründer der heutigen Vormundschaftsbehörde wird sein Amt Ende Jahr abgeben – ohne Wehmut, wie er beteuert. «Wenn ich die heutigen, härteren Schicksale anschaue, dann braucht es einen Schritt hin zur Professionalisierung», ist er überzeugt.

Konfliktpotenzial vorhanden

Unsicher ist sich Meyer indes, ob die «Messlatte» nicht zu hoch gelegt sei: «Die Gemeinden werden die zusätzlichen Kosten zu spüren bekommen.» Gemäss Rietschi birgt das Konfliktpotenzial, zumal die Gemeinden nicht mehr wissen werden, welcher Bewohner für den Beistand unterstützt wird. «Wenn die Kosten steigen, könnten die Gemeinden schon skeptisch werden», sagt sie. Rietschi hebt aber auch die Vorteile hervor. «Dass man an einen anderen Ort fahren muss, ist für die Betroffenen gewiss eine Umstellung. Aber sicher werden sie dadurch nicht mehr so exponiert sein wie heute, wenn sie Hilfe suchen.» Derzeit gibt es im Kanton Baselland rund 2400 Fälle.