Raiffeisen
Vorsitzender Renevey nach Banken-Fusion: «Wir verdienen noch zu wenig»

Die Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet führt am Freitag ihre erste Generalversammlung durch nach der letztjährigen Fusion der beiden Banken. Der Vorsitzende Matthias Renevey äussert sich zum Zusammenschluss.

Simon Tschopp
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«Wir müssen effizienter werden – Kosten senken und Ertrag steigern», konstatiert Matthias Renevey.

«Wir müssen effizienter werden – Kosten senken und Ertrag steigern», konstatiert Matthias Renevey.

Juri Junkov

Für den Anlass in Lausen haben sich über 1200 Genossenschafterinnen und Genossenschafter angemeldet. Matthias Renevey, der Vorsitzende der Bankleitung, äussert sich zur vollzogenen Fusion und über die bevorstehenden Herausforderungen.

Herr Renevey, per Anfang 2015 haben sich die Raiffeisenbanken Liestal und Oberbaselbiet zusammengeschlossen. Nun liegt der erste Geschäftsbericht dieses Fusionsprodukts vor. Sind Sie zufrieden?

Matthias Renevey: Der Abschluss hat uns sehr positiv überrascht. Zu bedenken ist, dass wir letztes Jahr vieles organisieren und zusammenführen mussten. In der Rechnung 2015 figurieren deshalb einige Fusionseffekte in Form von beträchtlichen Kosten für die Begleitung von Externen oder für Informationsanlässe. Auch haben wir die Kundenhalle in Liestal umgebaut. Es lief einiges im vergangenen Jahr.

Hat sich alles so entwickelt, wie Sie sich das vorgestellt haben?

2015 ziehen wir nicht als Referenz heran. Das laufende Jahr ist das erste «richtige» volle Geschäftsjahr, weil wir erst im vergangenen Juni technisch zusammengeführt worden sind. Will heissen: 2015 arbeiteten wir ein halbes Jahr auf zwei Rechnungen.

Keine Überraschungen negativer oder positiver Art?

Nein. Die Überraschung war eher, dass es eindeutig besser kam, als wir erwartet hatten.

Haben alle Arbeitsplätze gehalten werden können, wie das der Verwaltungsrat letztes Jahr versprochen hat?

Wir haben nicht nur Arbeitsplätze erhalten, sondern sogar neue geschaffen. Dies schlägt sich im Geschäftsbericht bei den Personalkosten nieder, die überproportional gestiegen sind. Es war uns wichtig, in Sissach und Gelterkinden die Front verstärken zu können, um näher beim Kunden zu sein.

War es schwierig, die beiden Belegschaften zusammenzuführen?

Nein, das verlief erfreulich gut. Es waren zwar zwei verschiedene Banken, aber nicht zwei verschiedene Kulturen. Mein Stellvertreter Beat Zimmermann, der vorher die Raiffeisenbank Oberbaselbiet geführt hat, und ich sind ähnliche Typen; wir haben uns schnell gefunden. Einige Mitarbeitende mussten ihre Arbeitsplätze von Gelterkinden nach Liestal verlegen, weil wir hier in Liestal das ganze Backoffice zentralisiert haben. Für die Betreffenden bedeutete das ein Umbruch – es brauchte Zeit, bis es in den Köpfen war. Nun läuft es gut, wir sind schon weit, aber wir dürfen nicht euphorisch werden. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Welches sind die grössten Herausforderungen für die nächste Zukunft?

Die Regulierungen im Finanzmarkt, die kommende Digitalisierung und die Umstellung auf ein neues System, die wir nächstes Jahr realisieren werden. Letzteres wird eine enorm grosse Herausforderung, ich bin gespannt, wie das läuft. Ertragsmässig sind wir noch nicht dort, wo wir sein möchten. Die Fusionseffekte beginnen erst zu wirken, im Moment verdienen wir noch zu wenig für unsere Grösse. Wir müssen effizienter werden – Kosten senken und Ertrag steigern.

Wie autonom ist Ihre Bank von Raiffeisen Schweiz?

Wir sind eigenständig mit eigenem Verwaltungsrat und eigener Bankleitung. Zwar gibt es gewisse Weisungsvorgaben aus dem Stammhaus in St. Gallen, aber wir entscheiden selbst, was für unsere Bank gut ist und was nicht. Zum Beispiel, ob wir ein neues Produkt lancieren oder nicht.

Hat Raiffeisen Schweiz Ihre Fusion befohlen?

Nein, gar nicht. Der Grund für uns war, Synergien zu nutzen. Unsere Fusion erfolgte im Hinblick auf die Zukunft, damit wir für die bevorstehenden Herausforderungen gerüstet sind.

Die meisten Ihrer Kunden sind Genossenschafter der Raiffeisenbank. Dieses Modell ist im Bankensektor eher rar. Ist es zeitgemäss, oder hält man einfach an der Tradition fest?

Das ist eine Grundsatzdiskussion, die immer wieder geführt wird. Das Modell einer Genossenschaft ist in der heutigen Zeit eines der erfolgreichsten. Der Genossenschafter steht hinter seiner Bank und trägt diese, man ist füreinander da. Zwei Drittel unserer 19 000 Kunden sind Genossenschafter, die von unseren Vergünstigungen und Angeboten profitieren. Der Genossenschaftsgedanke existiert auch unter den Raiffeisenbanken. Diese zahlen jährlich in einen Solidaritätsfonds ein. Wenn es einer Bank schlecht gehen würde, bekäme sie Geld daraus. Deshalb gibt es auch keine notleidenden Raiffeisenbanken. Man sucht gemeinsam sinnvolle Lösungen im Interesse der Banken und der Genossenschafter. Das ist eine Tradition, die sich bewährt. Die grossen Genossenschaften wie Coop und Migros funktionieren mit diesem Modell auch sehr erfolgreich.

Sie, Herr Renevey, übernehmen im Mai das Präsidium von KMU Liestal. Weshalb?

(lacht) Einer muss es ja machen. Spass beiseite. Ich konnte gute Kontakte knüpfen bei KMU Liestal, es ist eine tolle Gruppe. KMU sind wichtige Partner, auch gegenüber der Politik. Ein starker Gewerbeverein ist mir wichtig. Ich bin einer, der gerne mitarbeitet und nicht einfach nur profitieren will. Mein neues Amt ist auch ein Bekenntnis der Raiffeisenbank Liestal-Oberbaselbiet, dass sie zum Gewerbe unseres ganzen Geschäftskreises gehört.

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