Dornach-Arlesheim
Vorwurf: Postauto AG steht nicht hinter ihrem Personal

Nach dem Freispruch für den Nachtbuschauffeur, der einem Jugendlichen das Knie in den Bauch rammte – er handelte in Notwehr – wird der Postauto AG nun vorgeworfen nicht hinter ihrem Personal zu stehen.

Dimitri Hofer
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In einem Nachtbus wie hier wurde der Postauto-Chauffeur bedroht.

In einem Nachtbus wie hier wurde der Postauto-Chauffeur bedroht.

AZ-ARCHIV

Es ist selten, dass eine Berichterstattung über einen Gerichtsfall aus der Region für viele Reaktionen sorgt. Beim Artikel über einen Buschauffeur, der am Bahnhof Dornach-Arlesheim einen Jugendlichen attackierte war dies jedoch anders. In der Kommentarspalte im Internet kritisierten aufgebrachte Leser den Umgang der Postauto Schweiz AG mit ihrem Angestellten, dem erwähnten Chauffeur.

Das Transportunternehmen hatte seinem Chauffeur, der am Dienstag in Muttenz vor dem Baselbieter Strafgericht stand, im Vorfeld ein Schuldeingeständnis empfohlen. Das Gericht entschied aber gegenteilig und sprach den Busfahrer frei, da man sein Handeln als Notwehr einstufte.

Es sei eindeutig, dass der Postauto-Mitarbeiter das Opfer sei, urteilte der Gerichtspräsident. Der Mann war, als er mit dem Nachtbus nach Bretzwil fahren wollte, von einer Gruppe alkoholisierter Jugendlicher beleidigt und bedroht worden. Um sich zu wehren, rammte er einem 18-Jährigen das Knie in die Magengegend.

Kritische Töne auch vom VPOD

Dass die Postauto Schweiz AG dem Fahrer zu einem Schuldeingeständnis riet, kommt bei vielen Kommentar-Schreibern schlecht an. «Ganz schwach: Ein Arbeitgeber, der sich nicht hinter den eigenen Mitarbeiter stellt. Kein Wunder, geht die Loyalität der Mitarbeiter gegenüber den Arbeitgebern bachab», findet eine Leserin. «Schämt euch Postauto Schweiz AG. So steht ihr also zu eurem Personal», schreibt ein anderer. Ein Dritter meint gar: «Die überbezahlten Sesselfurzer der Postauto Schweiz AG haben ja keine Verantwortung und müssen sich auch nicht gegen gewalttätige Chaoten wehren.»

Das angegriffene Unternehmen erklärt auf Anfrage, weshalb man dem Chauffeur empfohlen hatte, die Schuld einzugestehen: «Gegen den Fahrer wurde ein Strafbefehl ausgesprochen. Die Postauto Schweiz AG, ein Rechtsdienst sowie ein Anwalt haben die Sachlage eingehend geprüft und dem Fahrer aufgrund dieser Prüfung danach geraten, von einem Einspruch gegen den Strafbefehl abzusehen.» Diese drei Stellen hätten keine Aussicht auf einen Erfolg vor Gericht gesehen und gefürchtet, dass bei einem erfolglosen Weiterzug an die nächste Instanz die Kosten für den Fahrer noch höher hätten werden können. Man bedauere den Vorfall in Dornach sehr.

Kritik für den Umgang mit ihrem Mitarbeiter erhält die Postauto Schweiz AG nicht nur von zahlreichen Lesern, sondern auch von der Gewerkschaft VPOD. Der Buschauffeur habe sich gegen den Strafbefehl gewehrt, um eine gewisse Gerechtigkeit herzustellen, erklärt Zentralsekretär Kurt Altenburger. Daher wäre in seinen Augen auch die Unterstützung des Busfahrers durch die Arbeitgeberin angebracht gewesen.