Testplanung
Vorzeigemodell: Liestal und Hinteres Frenkental verloben sich

Neun Gemeinden wollen bei der künftigen Entwicklung näher zusammenrücken; obs einst zur Ehe führt, ist offen. Das Projekt steht zwar noch ziemlich am Anfang, aber es hat Potenzial, zu einem Vorzeigemodell über die Kantonsgrenzen hinaus zu werden.

Andreas Hirsbrunner
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Von Liestal bis Lauwil (Bild): Neun Gemeinden wollen bei der künftigen Entwicklung näher zusammenrücken.

Von Liestal bis Lauwil (Bild): Neun Gemeinden wollen bei der künftigen Entwicklung näher zusammenrücken.

Juri Junkov

Die neun Gemeinden Liestal, Seltisberg, Lupsingen, Bubendorf, Arboldswil, Titterten, Ziefen, Reigoldswil und Lauwil wollen sich gemeinsam weiter entwickeln. Auslöser dafür war die Tagsatzung der Baselbieter Gemeinden im vergangenen März. Letzte Woche trafen sich die Gemeindepräsidenten und einige Gemeinderäte nun zur fünften Sitzung.

Bis jetzt sei es darum gegangen, die Herausforderungen der Zukunft abzustecken und die Intensität der Zusammenarbeit zu diskutieren, sagt Thomas Noack. Der studierte Raumplaner ist Gemeinderat in Bubendorf und leitet die Arbeitsgruppe. Als erste konkrete Schritte haben die beteiligten Gemeinden einen Planungskredit von je 20 000 Franken gesprochen - einzige Ausnahme ist Arboldswil, wo die Versammlung das Budget zurückgewiesen hat - und beschlossen, das Projekt beim Programm des Bundes «Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung 2014 - 2018» einzugeben. Wird es angenommen, winken finanzielle und fachliche Unterstützung durch den Bund.

Mehrere Szenarien durchspielen

Der ganze Prozess ist auf eine Dauer von drei Jahren ausgelegt. Im nächsten Jahr gehe es vor allem darum, eine Testplanung aufzugleisen, sagt Noack. Das heisse unter anderem, die richtigen Fragen zuhanden der Teams und des Expertengremiums, die die Testplanung begleiten, auszuformulieren. Mit der Testplanung sollen verschiedene Szenarien zur gemeinsamen räumlichen Entwicklung und deren Konsequenzen auf die Gemeindefinanzen und -strukturen durchgespielt werden.

Vorstellbar sei, im Raum der neun Gemeinden einen zentralen Gewerbestandort, forcierte Wohn-Standorte und Tourismus-Schwerpunkte festzulegen, sagt Noack und ergänzt: «Eine entscheidende Frage ist, wie die Landschaft besser in Wert gesetzt werden kann. Dabei müssen wir vermehrt über deren Nutzung und weniger nur über deren Schutz nachdenken.» Für 2016 stellt Thomas Noack Resultate in Aussicht: «Dann müssen wir mit allen betroffenen Kreisen diskutieren, was wir wollen, und Massnahmen einleiten.» Eine Frage heisse dann wahrscheinlich: Fusion oder intensivierte Zusammenarbeit?

Doch bereits jetzt gebe es ein erstes, erfreuliches Resultat: «Das Vertrauen unter den neun Gemeinden ist gewachsen.» Folge davon sei, dass vermehrt auch Fragen von bilateralem Interesse diskutiert würden und sich die Gemeindeverwalter regelmässig träfen. Weitere Gemeinden seien willkommen, am Prozess mitzumachen, zeigt sich Noack offen, den Planungsraum zu vergrössern. Dabei soll auch die Kantonsgrenze kein Hindernis darstellen - so nahm an der letzten Sitzung auch Nuglar-St. Pantaleon als Beobachter teil.

Dass eine regionale Raumplanung neue Perspektiven eröffnet, zeigt ein Beispiel aus dem solothurnischen Thal, wo die Gemeindepräsidenten soeben den entsprechenden Vertrag mit ihren Unterschriften besiegelt haben: Die Gemeinde Laupersdorf verzichtet auf Gewerbegebiet und zont dieses aus, Balsthal kann dafür Gewerbeland, das bisher in der Reservezone lag und kaum freigegeben worden wäre, einzonen. Im Gegenzug erhält Laupersdorf einen Teil der Steuereinnahmen von neuen Firmen auf diesem Areal. Hans Weber, Geschäftsführer des Vereins Region Thal, sagt: «Die Idee dahinter war, dass Laupersdorf die schlechteren Karten als Balsthal als Standort für neues Gewerbe hat. Mit der jetzigen Lösung können die Gemeinden regional denken, ohne zu fusionieren.»