Hochwald
Präsidentschaftskandidatur von Neo-SVP-Gemeinderat sorgt für Protest

Sebastian Rastberger hat sein Gemeinderatsamt noch nicht einmal angetreten und will trotzdem schon Gemeindepräsident von Hochwald werden. Ein Protestflyer aus der Bevölkerung wirft ihm nun Rassismus und Fanatismus vor.

Tomasz Sikora
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Erlebt den ersten Präsidentschaftswahlkampf seit Jahrzehnten: die Gemeinde Hochwald im Schwarzbubenland.

Erlebt den ersten Präsidentschaftswahlkampf seit Jahrzehnten: die Gemeinde Hochwald im Schwarzbubenland.

Nicole Nars-Zimmer

Kaum gewählt und das Amt als Gemeinderat noch nicht einmal angetreten, will SVP-Mann Sebastian Rastberger am 26. September bereits nach dem Gemeindepräsidium von Hochwald greifen und den bisherigen SP-Gemeindepräsidenten Georg Schwabegger entthronen.

Das sorgt in der Gemeinde im nördlichen Zipfel das Kantons Solothurn nicht nur deshalb für Aufsehen, weil es die erste Kampfwahl in Hochwald seit Jahrzehnten ist. Rastberger fiel nach der Ankündigung seiner Kandidatur fürs Gemeindepräsidium mit Ansichten auf, die er auf seiner persönlichen Website verbreitete. Besonders seine Positionen beim Thema Migration, die er inzwischen revidiert hat, sind brisant und sorgen nun für Reaktionen im Dorf.

Protestbrief mit Rassismus- und Fanatismusvorwürfen

«Die Wahl von Sebastian Rastberger in den Gemeinderat hat mir manche schlaflose Nacht bereitet», sagt die Hochwaldnerin Isabelle Fleury. Sie habe ihn zwar aus ihrer Mitgliedschaft bei der 5G-kritischen «IG Hobel» gekannt. Diese hat Rastberger angeführt und sie als Wahlkampfvehikel benutzt. Fleury betont aber: «Wie er wirklich tickt, hat man in Hochwald erst erfahren, nachdem er – wahrscheinlich durch die Wahl in den Gemeinderat euphorisiert – seine Ansichten auf seiner persönlichen Website verbreitet hat.» Sie habe mit vielen Leuten in Hochwald gesprochen und dabei gemerkt, dass viele Sebastian Rastbergers Ansichten problematisch fänden.

Zusammen mit anderen Hochwaldnern hat sie darum ein Protestschreiben lanciert, das von zahlreichen Einwohnern unterschrieben wurde und heute in der Gemeinde verteilt werden soll.

«Wir wollen die Bevölkerung darüber aufklären, was er auf seiner Website geschrieben hat und damit verhindern, dass er Gemeindepräsident wird.»

Zusätzlich fordert der Protestbrief, der Rastberger Rassismus und religiösen Fanatismus vorwirft, ihn zum Rücktritt von seinem Gemeinderatsamt auf, das er ja noch gar nicht angetreten hat. «Das Schreiben ist richtiggehend viral gegangen im Dorf und hat viel Zuspruch erhalten», so Fleury.

Vizegemeindepräsident Peter Haberthür (CVP) stimmt zu: «Es hätten sicher mehr als die mehreren Dutzend Personen unterschrieben, die auf dem Brief zu sehen sind. Er musste halt einfach schon in den Druck gehen, weil ja die Wahlen bald stattfinden.» Er gehört neben alt Gemeinderat Markus Meyer zu den Mitunterzeichnern. «Ich sehe Herrn Rastbergers Positionen sehr kritisch, insbesondere falls er als Gemeindepräsident gewählt würde. Deshalb unterstütze ich den Brief.» Ähnlich äussert sich Markus Meyer: «Ich unterstütze den Protestbrief voll und ganz.»

Dass Sebastian Rastberger tatsächlich gewählt wird, glaubt Meyer aber nicht: «Im Dorfcafé oder im Gespräch mit Leuten aus Hochwald habe ich noch nie erlebt, dass sich jemand für Sebastian Rastberger ausgesprochen hat.» Peter Haberthür stimmt zu: «Im Dorf herrscht schon ein gewisser Unmut, auch bei Leuten, welche das Protestschreiben nicht unterschrieben haben.» Rastberger, der den Medien kürzlich mitteilte, dass sein Wahlkampffoto nicht mehr verwendet werden dürfe, bestreitet die Vorwürfe auf Anfrage schriftlich und will sich nicht weiter äussern.

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