Liestal
Wahre Goldgrube: Inertstoffdeponie Höli soll vergrössert werden

Die Bürgergemeinde gibt grünes Licht für eine kräftige Vergrösserung der Inertstoffdeponie Höli. Denn die für 3,5 Millionen Kubikmeter Material bewilligte Deponie ist nicht wie einst geplant Mitte des Jahrhunderts voll, sondern bereits in fünf Jahren. Damit versiegen ab 2023 die Millionen-Einnahmen, welche die Grube einbringt.

Andreas Hirsbrunner
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Die Bauschutt-Deponie Höli in Liestal ist schon in fünf Jahren voll, statt wie einst geplant Mitte Jahrhundert.

Die Bauschutt-Deponie Höli in Liestal ist schon in fünf Jahren voll, statt wie einst geplant Mitte Jahrhundert.

Kenneth Nars

Nimmt man die Inertstoffdeponie Höli in Liestal als Messlatte, so sind Bautätigkeit und Deponienotstand im Kanton riesig. Denn die «Höli» wird seit einiger Zeit richtiggehend geflutet mit inertem, das heisst nicht reagierendem Material wie Beton, Ziegel, Asphalt und ähnlichem. In Zahlen: Statt der bei der Eröffnung der «Höli» im 2010 prognostizierten 88'000 werden derzeit gegen 450'000 Kubikmeter Material pro Jahr angeliefert.

Diese Flutung der «Höli» mit Inertstoff findet ihr Abbild in der Kasse der Bürgergemeinde Liestal, die 52 Prozent der Aktien an der Betreibergesellschaft der Deponie hält: Sie verbuchte im letzten Jahr rekordhohe 6,7 Millionen Franken Einnahmen aus der Deponie. Die restlichen Anteile halten drei regionale Baugeschäfte. Das alles erzählte der Finanzchef der Bürgergemeinde, Daniel Sturzenegger, am Montagabend den rund 90 Besuchern der Bürgergemeindeversammlung.

Dass er das machte, hatte natürlich seinen Grund: Die für 3,5 Millionen Kubikmeter Material bewilligte Deponie ist nicht wie einst geplant Mitte des Jahrhunderts voll, sondern bereits in fünf Jahren. Damit versiegen ab 2023 die Millionen-Einnahmen, die der Bürgergemeinde viel Handlungsraum geben. Und auf diesen will sie auch in fernerer Zukunft nicht verzichten.

Kantonale Deponieplanung

«Höli plus» immer noch auf Platz eins

Der Kanton ist bei seiner Deponieplanung nicht zu beneiden. Vor einem Jahr wurden die beiden vorgesehenen Deponien im Laufental an der Urne abgelehnt. Und die letzten Herbst den betroffenen Gemeinden vorgestellten Deponiepläne in den Bezirken Liestal, Sissach und Waldenburg stiessen auf mässige Begeisterung (bz berichtete).

Nach dem mittlerweile durchgeführten Mitwirkungsverfahren hat der Kanton seine Deponie-Hitparade angepasst. Auf den drei vordersten Evaluations-Rängen stehen jetzt Erweiterungen von bestehenden Inertstoffdeponien, angeführt von der «Höli» in Liestal. Auf Platz zwei und drei folgen «Bruggtal» in Bennwil und «Elbisgraben» in Füllinsdorf.

Als erste mögliche neue Inertstoffdeponie rangiert «Baholde» in Hölstein auf Platz vier. Als bester Standort für sauberes Aushubmaterial gilt «Tannenried» in Sissach.
Als nächsten Schritt will die Regierung nun bis Ende Jahr entscheiden, welche Standorte im Richtplan festgesetzt werden sollen. Im Frühling folgt dann eine öffentliche Vernehmlassung.

Stadt Liestal zurückhaltend

Sturzenegger bezeichnete die Deponie aber nicht nur als «ganz wichtige Ertragsquelle», sondern auch als «ökologisches Erfolgsmodell». Die aufgefüllten Deponieteile würden laufend begrünt, die direkte Zufahrt von der Autobahn in Arisdorf tangiere keine Wohnquartiere und die Qualität der Ware habe man im Griff. Sturzeneggers Fazit: «Wir sind zufrieden, der Kanton ist zufrieden.» Deshalb will die Bürgergemeinde die «Höli» um einen Flächenfaktor von 2,5 erweitern und weiss sich damit im gleichen Boot wie der Kanton.

Der Bürgerrat stellte zwei Anträge an die Versammlung: Sie soll der Deponie-Erweiterung grundsätzlich zustimmen und der Exekutive einen Blanko-Check für die weitere Planung erteilen. Seitens der Einwohnergemeinde brachte Stadtrat Daniel Spinnler ein verhaltenes Wohlwollen zum Ausdruck: «Eine ‹Höli zwei› ist prüfenswert. Aber es gibt zwingende Rahmenbedingungen.»

Dazu zählt Spinnler, dass der Kanton endgültig auf eine zweite Inertstoffdeponie in Liestal verzichtet und auch an den andern möglichen Standorten ausserhalb Liestals weiterplant. Spinnler: «Es geht nicht, dass wir im schlimmsten Fall die einzige Inertstoffdeponie für beide Basel haben.» Auch müsse der Kanton zeigen, dass es ihm mit dem Recycling von Inertstoffmaterial ernst ist. Opposition kam nur von einem Jäger-Vertreter. Er wollte dem Bürgerrat nicht freie Hand geben, solange zentrale Fragen wie Grösse, Volumen und Geländeverschiebungen nicht beantwortet sind.

Damit stand er aber weitgehend alleine. Die Bürger winkten nicht nur den Grundsatzentscheid ohne Gegenstimme durch, sondern stellten dem Bürgerrat mit 57 Ja- und 4 Nein-Stimmen bei 5 Enthaltungen auch den beantragten Blanko-Check aus.