Waldenburgerbahn
Pestizide für die Gleise – doch was geschieht mit der Frenke?

Auf dem Trassee der Waldenburgerbahn sollen keine Pflanzen wachsen. Dafür muss Pflanzenschutzmittel hin. Nicht alle sind überzeugt von der Lösung – selbst die BLT sucht nach anderen Wegen.

Kelly Spielmann
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Die Frenke verläuft vielerorts nahe am Waldenburgerbahn-Trassee, so wie hier zwischen Bubendorf und Lampenberg.

Die Frenke verläuft vielerorts nahe am Waldenburgerbahn-Trassee, so wie hier zwischen Bubendorf und Lampenberg.

Nicole Nars-Zimmer

Wo Gleise sind, ist Schotter. Und wo Schotter ist, wachsen Pflanzen – oder, weil sie in diesem Fall als unerwünscht gelten: Unkraut. Denn der Bewuchs kann das Schotterbett destabilisieren und somit die Gleise gefährden oder die Sicht auf Strecken und Rangiersignale verdecken. Wie die Pflanzen zu entfernen sind, darüber wird regelmässig diskutiert.

Die Debatte ist auch beim Neubau der Waldenburgerbahn aktuell. Auch ihre zukünftigen Gleise müssen, um die Sicherheit zu gewährleisten, möglichst frei von Unkraut sein. Dafür müssen, sofern nicht anders möglich, auch Pestizide eingesetzt werden, wie Fredi Schödler, stellvertretender Direktor der Baselland Transport AG (BLT), auf Anfrage bestätigt.

Abbrennen als weitere Möglichkeit

Landrätin und Landwirtin Susanne Strub (SVP) aus Häfelfingen macht sich Sorgen: In einer Sitzung der Umweltschutz- und Energiekommission kam aufgrund der Zusammenlegung der Abwasserentsorgung das Thema Gewässerschutz und Wasserqualität auf. «Das Trassee der Waldenburgerbahn liegt an vielen Stellen direkt neben der Frenke», gibt Strub zu bedenken. Mit der Abwasserzentralisierung werde die Restwassermenge in der Frenke niedriger. Sprühe man zusätzlich direkt neben dem Bach Pestizide, könnte das für die Frenke gefährlich werden.

«Es gibt so viele andere Möglichkeiten, gegen die Pflanzen vorzugehen – man kann sie beispielsweise auch abbrennen»,

konstatiert die Landrätin.

In der Kommissionsberatung habe sie von der Verwaltung «schwammige» Antworten auf die in der Sitzung von ihr gestellten Fragen erhalten, berichtet Strub. Die Verantwortung liege beim Bundesamt für Verkehr, nicht beim Kanton, sei ihr gesagt worden. Für gewisse Bereiche wie beispielsweise Grundwasserschutzzonen gelten ausserdem strengere Regeln, was den Einsatz von Pestiziden angeht. «Aber was das genau bedeutet, bleibt unklar», so Strub.

«Und wenn es Verschmutzungen gibt, ist wieder die Landwirtschaft Schuld.»

Möglichst ohne Pestizide

Auf die Frage, welche Pestizide bei der Waldenburgerbahn eingesetzt würden, verweist Schödler von der BLT auf die Richtlinie «Chemische Vegetationskontrolle auf und an Gleisanlagen» des Bundes. Diese verrät: Im Gleisbereich dürfen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen, die entweder ausschliesslich den Wirkstoff Glyphosat enthalten oder vom Bundesamt für Landwirtschaft für diesen Zweck zugelassen sind. Die BLT habe für die Verwendung der Pestizide «ausgebildete und geprüfte Mitarbeitende, welche den Einsatz koordinieren und überwachen», so Schödler.

Doch auch er betont:

«An speziell bezeichneten Stellen ist der Einsatz von Pflanzenschutzmittel eingeschränkt oder untersagt. Dazu zählen beispielsweise die Grundwasserschutzzonen und die Uferschutzzonen.»

Ausserdem prüfe man derzeit alternative Möglichkeiten, um die Sicherheit des Bahnbetriebes «mit noch weniger Pestiziden» gewährleisten zu können. Schödler: «Unser Ziel wäre es, gänzlich darauf zu verzichten.»

Auch beim aktuellen Neubau der Waldenburgerbahn präsentiert sich die BLT umweltbewusst. Auf eine Interpellation des Grünen-Landrats Klaus Kirchmayr zum Umweltschutz während des Baus liess die Baselbieter Regierung das Transportunternehmen antworten: Die Umweltaspekte würden mit grossem Respekt vor der Natur berücksichtigt. Die Baumassnahmen würden von Spezialisten begleitet und vom Bundesamt für Umwelt beurteilt. Die Regierung ergänzt: Die BLT versichere allen Beteiligten, dass sie mit der Umwelt mit grösstmöglicher Sorgfalt umgeht.