ÖV im Baselbiet
Waldenburgerli soll auf der Meterspur in die Zukunft fahren

Die landrätliche Bau- und Planungskommission empfiehlt eine Umspurung der Waldenburgerbahn. Ein wichtiger Vorentscheid. Die historische Dampfbahn sei damit aber noch nicht gestorben, heisst es seitens der Kommission.

Hans-Martin Jermann
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Mehr Platz für die Pendler: Mit der geplanten Umspurung der Waldenburgerbahn wird auch das eingesetzte Rollmaterial um 20 Zentimeter breiter.

Mehr Platz für die Pendler: Mit der geplanten Umspurung der Waldenburgerbahn wird auch das eingesetzte Rollmaterial um 20 Zentimeter breiter.

Juri Junkov

Die Spur der Waldenburgerbahn (WB) soll verbreitert werden: Von der heutigen 75-Zentimeter-Spur, die zumindest in der Schweiz ihresgleichen sucht, auf die hierzulande für Trams und Regionalbahnen gängige Meterspur. Diesen Vorentscheid hat gestern Donnerstag die vorberatene Bau- und Planungskommission (BPK) des Landrates gefällt. Die Abstimmung sei relativ deutlich ausgefallen, sagt BPK-Präsident Hannes Schweizer, ohne das exakte Stimmenverhältnis bekannt zu geben. Das letzte Wort hat nun der Landrat.

Günstigere Unterhaltskosten

Mit dem Wechsel auf die gängigere Meterspur könnten pro Jahr rund 200 000 Franken an Unterhaltskosten eingespart werden, argumentierten in der BPK die Befürworter. Sie verwiesen auch darauf, dass das Waldenburgerli mit dem Spurwechsel wesentlich besser für die Zukunft gerüstet sei. Ein Verbleib bei der heutigen, exotischen 75-Zentimeter-Spur brächte demgegenüber Unsicherheiten mit sich. So stelle sich die Frage, ob sich auch in 30 Jahren noch gutes Rollmaterial preisgünstig beschaffen lasse.

Die Kommissionsminderheit fanden demgegenüber, dass die Verbreiterung der Spur für den Pendler keinen Mehrwert biete. Mit Beibehaltung des Status quo könne aber die unregelmässig verkehrende Dampfbahn – die einzige solche Bahn in der Nordwestschweiz – weiter betrieben werden. In der Landratsvorlage der Regierung heisst es denn auch, dass umgekehrt mit einer Umspurung der Dampfbetrieb mit dem historischen Rollmaterial der WB «voraussichtlich» verloren gehe.

Dies müsse nicht so sein, betont nun aber BPK-Präsident Hannes Schweizer auf Nachfrage: Er hält eine Umrüstung der Dampfbahhn auf die Meterspur für «technisch möglich»; die Investitionen hierfür betragen geschätzte zwei Millionen Franken. Derselben Meinung ist FDP-Fraktionschef und Verkehrsingenieur Rolf Richterich: Mit dem seiner Ansicht nach richtigen Entscheid, auf die Meterspur zu wechseln, sei die Dampfbahn noch nicht gestorben. «Wer wirklich eine alte WB-Lok in Originalspurbreite sehen will, der kann ins Verkehrshaus», sagt Richterich nur halb im Witz: In Luzern steht die G3/3 mit dem Namen «Waldenburg», die Schwesterlok der berühmten «Gédéon Thommen», die zuletzt für Dampffahrten auf dem WB-Trassee im Einsatz war.

Kommission will keinen Bus
Neben der Spurbreite diskutierte die BPK auch über einen möglichen Busbetrieb als Alternative zum Bähnli im Waldenburgertal. Im Stimmenverhältnis von vier zu eins ist die BPK der Ansicht, dass ein Wechsel von Bahn auf Bus keine gewichtigen Vorteile bringe. Die Alternative eines Busbetriebs ist vom Bottminger SVP-Landrat Hanspeter Weibel jüngst wieder ins Spiel gebracht worden.

«Komfort, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und die Identitätsfrage – das alles spricht für die Bahn», erläutert BPK-Präsident Schweizer die Mehrheitsmeinung. Demgegenüber führten die Befürworter des Busbetriebs die um eine Million Franken günstigeren Betriebskosten pro Jahr ins Feld. Bei den Investitionen ist der Vergleich schwierig. Zwar sind jene für den Aufbau eines Busnetzes wohl um einiges geringer als jene für die Erneuerung der Bahn; allerdings müsste der Kanton erstere vollumfänglich selber berappen. Demgegenüber trägt der Bund die Kosten für die Erneuerung der Bahninfrastruktur der WB zu 100 Prozent, jene für das Rollmaterial zu 38 Prozent. Die Gesamtinvestitionen werden bei der Variante Umspurung auf 270 Millionen Franken veranschlagt. Bei Beibehaltung der Spurweite lägen die Investitionen rund zehn Prozent höher.

Die Frage nach der «richtigen» Spurweite für die 13 Kilometer lange Strecke der WB zwischen Liestal und Waldenburg bewegt im Baselbiet seit Monaten die Gemüter. Der Zeitpunkt für die Diskussion um die Zukunft der WB ist aber günstig: Neben dem nötigen Ersatz des Rollmaterials, das grösstenteils aus den 1980er-Jahren stammt und sich nicht behindertengerecht umbauen lässt, ist man daran, die WB organisatorisch in die Baselland Transport AG (BLT) einzugliedern. Zudem steht in den kommenden zehn Jahren der Umbau des Bahnhofs Liestal an. Dieser tangiert auch die WB.

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