Erster Weltkrieg
Wanderer stehen auf diesem Pfad Auge in Auge mit den Betonhöhlen des Krieges

Ein neuer Lehrpfad im Kanton Jura erschliesst den Anfang der Kriegsfront, den «Kilometer Null», und etliche Stellungen im Elsass. Der Pfad führt mehrmals über die Grenze – ID und gute Schuhe sind Pflicht.

Walter Brunner
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Wegweiser für den Lehrpfad Kilometer Null - Kilomètre Zéro
14 Bilder
Deutsche Sperrstellung an der Largbrücke
Lehrpfad im Kanton Jura
Der erste deutsche Unterstand nahe der Schweizer Grenze
Deutsche Maschinengewehrstellung
Ein Baum sprengte diese deutsche Stellung
Ein Schweizer Beobachtungsposten im Largzipfel Schweizerisches Bundesarchiv
Auch die Landschaft ist schön
Waldrand mit Herz
Die Villa Agathe, ein französischer Bunker von 1918
Ein Schweizer Posten im Largzipfel wurde 2012 rekonstruiert
Die 2012 gebaute Brücke über das Largflüsschen
Der Larghof war im Ersten Weltkrieg sehr bekannt
Lehrpfad Kilometer Null (Legende unten im Text).

Wegweiser für den Lehrpfad Kilometer Null - Kilomètre Zéro

Walter Brunner

Sumpfige Wege, mit Moos überwachsene Betonstücke, Mücken – das war bis jetzt kein attraktives Wanderziel. Die Reste der ehemaligen Kriegsfront bei Bonfol wurden nur von Insidern besucht. Jetzt erschliesst ein gut begehbarer Wanderweg mit einem Dutzend Informationstafeln diesen fast vergessenen Winkel der Geschichte (die bz berichtete).

Der Largzipfel war im Ersten Weltkrieg berühmt, denn hier standen sich vier Jahre lang die Armeen der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs gegenüber. Hier begann die Front, die bis zur Nordsee reichte. Hier ist der «Kilometer Null». Während des Krieges zog es das Publikum aus beiden Basel in Scharen in diese Region. Der Largzipfel ist ein Stück Wald, das von Bonfol aus zwei Kilometer weit ins Elsass hinausragt, bis zum Flüsschen Larg, das damals die Kriegsparteien trennte.

Verschwundene Eisenbahn

Drei Startplätze für die Rundwanderung

Die Rundwanderung kann von drei Parkplätzen aus begonnen werden; auf jedem zeigt eine Informationstafel die Wanderroute. Ein Parkplatz liegt in Pfetterhouse, ein zweiter bei der Largbrücke zwischen Moos und Pfetterhouse. Der dritte Ausgangspunkt liegt im Largzipfel und ist mit dem öV am leichtesten zu erreichen. Der Parkplatz ist gut drei Kilometer vom Bahnhof in Bonfol entfernt und zu Fuss erreichbar – was die Rundwanderung von 7,5 auf etwa 14 km verlängert.
Der Lehrpfad ist etwas gar sparsam mit dem dreieckigen Logo gekennzeichnet.

Mitnehmen:
Karte, Identitätskarte, Proviant, Schuhe für sumpfige Passagen, starke Taschenlampe sowie in der Saison Schutz vor Zecken und Mücken. Am besten sieht man die Anlagen an einem milden Wintertag.

Nach ein paar Schritten ist man im Elsass und wandert auf einem Weg, der eine lange, auffallend gleichmässige Linkskurve macht. Der Weg folgt dem Trassee der Eisenbahn, die einst Bonfol und Pfetterhouse verbunden hat. Eine zerstörte und eine noch stehende Brücke zeugen ebenfalls davon.

Sumpfige Wege und schöne Ausblicke in den Sundgau führen zur «Villa Agathe», einem Kampfbunker, den die Franzosen erst kurz vor Kriegsende gebaut haben. Bis auf die «Villa Agathe» ist die französische Front im Largtal praktisch verschwunden.

Lehrpfad Kilometer Null mit Legende 1          Deutscher Vorposten der Infanterie an der Largbrücke2          Deutscher Maschinengewehr-Vorposten an der Largbrücke3          Deutsche Sperrstellung nördlich der Strasse nach Moos (D 24)4          Deutsche Sperrstellung südlich der Strasse nach Moos (D 24)5          Deutscher Vorposten an der Böschung der Larg6          Zerstörte deutsche Maschinengewehrstellung7          Deutsche Maschinengewehrstellung8          Deutsche Infanteriekasematte9          Vorderste deutsche Frontstellung10        Holzbrücke über die Larg (an der Landesgrenze)11        Grenzstein 111, Kilometer Null der Westfront12        Beobachtungsposten Nr. 2 der Schweizer Armee13        Französischer Posten Clemenceau14        Ehemalige Eisenbahn Bonfol-Pfetterhouse15        Ehemalige Eisenbahnbrücke Altmühlenweg (gesprengt)16        Eisenbahnbrücke Güterholz (intakt)17        Französischer Bunker «Villa Agathe»18        Französische Stellung vor der Largbrücke

Lehrpfad Kilometer Null mit Legende 1          Deutscher Vorposten der Infanterie an der Largbrücke2          Deutscher Maschinengewehr-Vorposten an der Largbrücke3          Deutsche Sperrstellung nördlich der Strasse nach Moos (D 24)4          Deutsche Sperrstellung südlich der Strasse nach Moos (D 24)5          Deutscher Vorposten an der Böschung der Larg6          Zerstörte deutsche Maschinengewehrstellung7          Deutsche Maschinengewehrstellung8          Deutsche Infanteriekasematte9          Vorderste deutsche Frontstellung10        Holzbrücke über die Larg (an der Landesgrenze)11        Grenzstein 111, Kilometer Null der Westfront12        Beobachtungsposten Nr. 2 der Schweizer Armee13        Französischer Posten Clemenceau14        Ehemalige Eisenbahn Bonfol-Pfetterhouse15        Ehemalige Eisenbahnbrücke Altmühlenweg (gesprengt)16        Eisenbahnbrücke Güterholz (intakt)17        Französischer Bunker «Villa Agathe»18        Französische Stellung vor der Largbrücke

Walter Brunner

Ausgegraben und rekonstruiert

Nicht so auf der ehemals deutschen Seite: Dort richtete man sich auf einen langen Verteidigungskrieg ein und verwendete deshalb viel mehr Beton. Das wird sichtbar, sobald die Largbrücke erreicht ist. Von hier aus folgt der Lehrpfad den Resten der deutschen Front, die bei der Largbrücke besonders stark ausgebaut war. Freigelegte Betonfundamente sind zu sehen, teilweise eingestürzte Maschinengewehr-Stellungen und Beobachtungsposten. Nahe bei der Largbrücke wurde einer mit frischem Beton rekonstruiert. Die wichtigeren Anlagen sind sorgfältig mit wetterfesten Tafeln beschriftet.

Die «Freunde des Kilometer Null» und andere Organisationen, die den Lehrpfad geschaffen haben, sanierten den teilweise schwer passierbaren Weg mit Kies, Stegen und einer schönen Holzbrücke. Über diese gelangt man zurück in die Schweiz, über die man wieder zurück in die Schweiz gelangt. Hier liegt ein Schweizer Beobachtungsposten, der 2012 wieder aufgebaut worden ist; hier findet sich auch der Grenzstein 111, der «Kilometer Null», und andere Grenzsteine.

Das beeindruckendste Bild auf dem Lehrpfad ist der erste betonierte deutsche Unterstand der ganzen Westfront. Er hat den Krieg überstanden, doch dann hat ihn ein Baum gesprengt, ganz langsam, und teilweise zum Einsturz gebracht. Seit kurzem hindert ein Drahtgeflecht die Wanderer daran, die Anlage zu betreten.