Roger Federer
Warum Biel den Champion mit einer Strasse ehrt

Keine Gemeinde in der Region wollte eine Federer-Allee - Biels Stadtpräsident schon. Das Benennen von Strassen nach noch lebenden Personen ist hier offenbar kein Problem.

Claudia Maag
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Da freut sich Roger Federer: Nach dem Strassenschild in Halle wird auch in der Schweiz eine Allee nach ihm benannt.AZ Archiv

Da freut sich Roger Federer: Nach dem Strassenschild in Halle wird auch in der Schweiz eine Allee nach ihm benannt.AZ Archiv

KEYSTONE

In Biel werden die Nachwuchs-Tennisspieler bald offiziell an prominenter Adresse trainieren: Am 21. April wird die Roger-Federer-Allee eröffnet. Die Allee verbindet das Gebäude des Verbands Swiss Tennis mit dem neuen Sportstadion Tissot Arena.

In Münchenstein, wo der Tennisprofi grosse Teile seiner Jugend verbracht hatte, sammelten ehemalige Nachbarn Federers im Jahr 2009 Unterschriften, um einen namenlosen Weg umzubenennen. Der damalige Gemeinderat war dagegen. Als Grund gab er an, dass man keine noch lebenden Personen ehren wolle.

Gab es nach den weiteren Erfolgen Roger Federers einen zweiten Anlauf? Dies verneint Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi. Er meint: «Eine Allee macht nur Sinn, wenn der Geehrte bei der Eröffnung auch anwesend ist.» Das brauche eine längere Planungsphase. «Das ist sicher nicht eines meiner präsidialen Hauptziele. Wir hatten andere Probleme, und die haben wir zwischenzeitlich gelöst.» Manchmal scheine man zu vergessen, dass der Gemeinderat nicht hauptberuflich tätig sei.

«Es brauchte relativ viel Zeit»

Andere Prioritäten scheint Biel zu setzen. Allerdings ist die Situation etwas anders als in Münchenstein. Es handelt sich nicht um eine Umbenennung, sondern um eine neue Gemeindestrasse, die im Zusammenhang mit der neuen Tissot Arena einen Namen erhalten musste. «Der Ursprung war, dass Swiss Tennis in den 1990er-Jahren den Hauptsitz und sein Ausbildungszentrum nach Biel brachte», erzählt Stadtpräsident Erich Fehr. Roger Federer wurde bei Swiss Tennis ausgebildet.

Der Stadtpräsident bestätigt, dass ein solches Unterfangen Geduld benötigt. Schlussendlich gab es nur ein Treffen. «Es brauchte im Vorfeld relativ viel Zeit, da die Ansprechpersonen oft im Ausland waren. Aber die Diskussion beim Treffen war unkompliziert, weil wir sie in Bezug auf den Zweck und Zusammenhang mit Swiss Tennis überzeugen konnten.» Er habe herausgespürt, dass die Familie Federer einen guten Draht zu Swiss Tennis habe und «dankbar» sei für die damalige Förderung. Der Federer-Fan freut sich, dass es geklappt hat: «Es ist sicher eine Ehre für Biel, dass der beste Einzelsportler, den die Schweiz je hatte, seinen Namen leiht für eine Allee in unserem neuen Sportviertel.» Der Champion wird am 21. April persönlich die nach ihm benannte Allee einweihen.

Strikte Regeln

In der Schweiz scheint man sich strikt an die Regel zu halten, noch lebende Personen nicht mit einem Strassennamen zu ehren. Letztes Jahr verlegte Federer seinen Wohnsitz in die Berge – nach Valbella im Kanton Graubünden.

Die Gemeinde Vaz/Obervaz reiht sich in eine längere Liste ein. «Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, Familie Federer zu unserer geschätzten Einwohnerschaft zählen zu dürfen. Konkrete Überlegungen wurden bisher bei uns nicht angestellt», sagt Johann Gruber, der Gemeindeschreiber von Vaz/Obervaz. 2012 prüfte Lenzerheide, der Lieblingsferienort von Roger Federer, die Idee. «Wir haben es diese Woche diskutiert, möchten aber davon absehen», sagt Nicole Reisinger von Lenzerheide Tourismus gegenüber «Der Schweiz am Sonntag».

Auch an den ehemaligen Wohnsitzen war das Interesse gering: Birsfelden, wo Roger Federer zwei Jahre lang gewohnt hatte, fand 2012 keinen geeigneten Platz, und auch seine letzte Wohngemeinde Wollerau im Kanton Schwyz zeigte sich damals wenig euphorisch. Basel wollte die sanierte St. Jakobshalle nicht Roger Federer widmen. Die erste Roger-Federer-Allee weltweit wurde im deutschen Halle eröffnet. Das dortige Turnier gewann «King Roger» acht Mal.

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