Euro-Krise
Warum der Eurokurs die Waldpflege bedroht

Nicht nur der Detailhandel mit der tiefe Euro zu schaffen. Den Baselbieter Waldbesitzern bricht der Umsatz um 22 Prozent ein. Das bedroht nicht nur den Wald sondern auch das Personal.

Daniel Haller
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Holzwirtschaft

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Der tiefe Eurokurs macht auch den Baselbieter Waldbesitzern - vorwiegend Bürgergemeinden - und Zweckverbänden schwer zu schaffen. So brach der Absatz von Stammholz der Holzvermarktungszentrale Nordwestschweiz (HZN) im Geschäftsjahr 2010/2011 um 22Prozent ein. Zudem ist der Preis, der seit Beginn der Finanzkrise vor zwei Jahren abrutscht, weiter gesunken. Zwar nahm der Verkauf von Industrieholz (etwa für Papier und Pressspanplatten) um 52Prozent zu. Energieholz (beispielsweise Holzschnitzel) legte gar um 89Prozent zu.

Doch «die Steigerung der Absatzmengen im Industrie- und Energieholz konnten die Einbussen im Stammholz nicht wettmachen», heisst es im Geschäftsbericht der HZN. «Der Holzmarkt ist international. Im Export wird mit Europreisen gerechnet», erläutert HZN-Geschäftsführer Markus Wagner. «Durch den tiefen Eurokurs sinken einerseits die Einnahmen der Waldbesitzer. Andererseits kommen die Preise auch im Inland durch Importe aus dem Euroraum unter Druck.»

Auch in Zukunft dürften die Massnahmen der Nationalbank, den Kurs nicht unter Fr. 1.20 sinken zu lassen, an dieser Diagnose nichts ändern: Am Ende des Geschäftsjahres, am 30. Juni, lag der Eurokurs bei rund Fr. 1.20. Und Jean-Michel Rebetez von der Sägerei Schmidlin Maxime AG in Ederswiler (JU) erklärt: «Bei einem Eurokurs unter 1.30 schicken wir mit jeder Tonne Holz auch 20 bis 30 Franken ins Ausland.» Seine Sägerei bezieht seit Jahrzehnten Holz aus dem Forstrevier Laufental-Thierstein West, hat aber derzeit einen Annahmestopp für Laubholz verhängt, weil die Lager voll sind.

Wie lange reichts fürs Personal?

Gerhard Walser, Revierförster der Forstbetriebsgemeinschaft Laufental-Thierstein West, spürt den Preisdruck: «Buchen-Stammholz ist in den letzten Jahren von 125 auf 80Franken pro Festmeter gesunken.» Zugleich seien die Qualitätsansprüche gestiegen. «Ein Stamm, den ich früher als B-Qualität verkaufen konnte, geht heute als C-Qualität weg. So ist der Preis insgesamt um rund die Hälfte gesunken.»

Früher machten die Forstbetriebe ihren Gewinn mit dem Stammholz, während Industrie- und Energieholz nur knapp die Kosten deckte. Nun geht weniger Stammholz zu schlechteren Preisen weg. «Da stellt sich die Frage, wie lange die Forstreviere ihr Personal halten können», beobachtet Ueli Meier, Vorsteher des Amts für Wald beider Basel. «Dies gilt insbesondere für Bürgergemeinden, die den Wald nicht durch Kiesgruben oder Immobilien quersubventionieren können.»

Energieholz als Auffangnetz

«Ich bin ‹gottenfroh›, dass die Energieholzpreise etwas gestiegen sind», meint Walser. Dies habe einerseits den Industrieholzpreis gestützt. Und in seinem Revier helfe das Energieholz nun, eine Vollzeitstelle zu retten. «Aber aus dem Wald allein könnte ich meine Leute nicht halten.» Entsprechend beschäftige er sie mit Fremdaufträgen: Strassenpflege für Gemeinden, Holzen in Privatgärten oder Naturschutzeinsätze. «Dies führt dazu, dass wir im Wald notwendige Pflegearbeiten aufschieben und Investitionen zurückstellen. Somit werden später Probleme mit dem Nachholbedarf auf uns zu kommen.» Dies sieht auch Meier so: «Die Waldbesitzer können zwar im Moment noch die Kosten decken. Aber sie können keine Rücklagen für künftige Investitionen bilden.»

Walser sieht eine weitere Möglichkeit: «Wir könnten, um Kosten zu sparen, Holz nur noch an den zugänglichsten Stellen ernten. Doch dann wäre in ein paar Jahren nur noch Einschlag an schwierigen Stellen möglich. Wir würden damit das Problem auf kommende Generationen verschieben.»