Fahrleitungen
Warum im Laufental Busse fahren

Seit einigen Wochen wird nachts über den Geleisen im Laufental gearbeitet. Die Erneuerungsarbeiten der SBB zwischen Aesch und Laufen sind ein umständliches Unterfangen.

Thomas Immoos
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Wer spätabends von Basel ins Laufental will, muss derzeit am Bahnhof Aesch umsteigen. bz/Archiv

Wer spätabends von Basel ins Laufental will, muss derzeit am Bahnhof Aesch umsteigen. bz/Archiv

Martin Toengi

Seit einigen Wochen wird nachts über den Geleisen im Laufental gearbeitet. Die Strecke zwischen Aesch und Grellingen erhält neue Fahrleitungen. Unter der Woche finden sich täglich kurz vor 21.30 Uhr gut 15 Mann ein, um die Arbeit auf den Arbeitswagen zu beginnen. In vier Trupps gehen sie an vier Standorten ihrer Arbeit nach.

Das leichte Brummen der Dieselmotoren und die hell erleuchteten Arbeitsplätze gut fünf Meter über den Geleisen zeigen, wo die Equipen gerade an der Arbeit sind. Bauleiter Marc Poleschner hat die Leute eingeteilt, die sofort die Wagen besteigen. Konzentriert gehen sie ihrer Arbeit nach, jeder Handgriff sitzt. «Die Leute arbeiten bei jedem Wetter, bei Kälte, Eis und Schnee.» Nur während Gewittern wird die Arbeit eingestellt.

Die Lebensdauer des Fundaments eines Mastes beläuft sich auf achtzig Jahre; die Masten müssen alle vierzig Jahre ersetzt werden. Bereits nach zwanzig Jahren zu erneuern ist das Tragwerk. Durch die Stromabnehmer der Züge werden die 107 Quadratmillimeter dicken Kupferdrähte kontinuierlich abgeschliffen, sodass diese alle zehn Jahre durch neue ersetzt werden. Eine Equipe holt die alten Drähte runter, während der nächste Trupp im verlangsamten Schritttempo (2 Stundenkilometer) den neuen Kupferdraht sorgfältig abrollt und montiert.

Die Projektleitung liegt in den Händen von René Spielmann. Dessen Arbeit beginnt rund zwei Jahre vor dem Baustart. Denn die Pläne sind nicht nur internen, sondern auch externen Stellen vorzulegen. So prüft das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Baugesuche, die es an die betreffenden Kantone und Gemeinden weiterleiten, wo die Pläne dann öffentlich aufliegen «wie jedes andere Baugesuch auch», sagt Spielmann.

Die Auflagen sind streng

Auch gilt es, die Anwohner entlang der Bahnstrecke über die bevorstehenden Nachtarbeiten zu informieren; manchmal kommt es zu Einspracheverhandlungen. «Wir haben sehr strenge Auflagen zu beachten», sagt Spielmann. Diese betreffen etwa den Gewässer- und Naturschutz, aber auch den Nachtlärm und vor allem die Arbeitssicherheit. Poleschner hält fest: «Überhaupt wird bei den SBB die Sicherheit gross geschrieben». Sicherheit habe Priorität, noch vor Effizienz und Einhaltung des Budgets. Ein Meter Fahrleitungs-Erneuerung kostet 600 bis 800 Franken. Das ist abhängig von den Schwierigkeiten, die sich auf dem Bauplatz ergeben.

Als besonders anspruchsvoll auf dem 3,1 Kilometer langen Teilstück erwies sich der etwas niedrige Angensteiner Tunnel. Hier senken sich die Leitungen von gut 6,5 Metern auf 5,5 Meter – und dies innerhalb einer relativ kurzen Strecke.

Noch gut vier Wochen müssen die Passagiere spät abends zwischen Aesch und Laufen vom Zug auf den Bus der Postauto AG umsteigen. Diese – und nicht die SBB – ist dann verantwortlich dafür, dass die Busse fahren, genügend Platz haben und die Passagiere die Anschlüsse in Laufen erreichen. An jeder Haltestelle steht eine Informationstafel, darauf ist unter anderem eine Telefonnummer angegeben, bei der sich die Passagiere wenden können, falls sie mit dem Busersatzbetrieb nicht zufrieden sind. «Die Schweizer sind aber sehr verständnisvoll, wenn es um Anliegen der Bahn geht», weiss Spielmann aus langjähriger Erfahrung.

Freie Fahrt ab dem 8. Mai

Spielmann und Poleschner sind zufrieden mit dem bisherigen Verlauf: «Wir sind gut im Zeitplan.» Deshalb können die Einschränkungen des Bahnverkehrs wie vorgesehen am 8. Mai beendet werden.