Kanton Basle-Landschaft
Was den Baselbietern an ihrem Kanton am besten gefällt

Fast zwei Dritteln der Baselbieter gefallen Natur und Landschaft im Kanton besonders gut. Das zeigt eine Exklusivumfrage der bz Basellandschaftliche Zeitung. Ein Resultat, das verpflichtet.

Michael Nittnaus
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Der Jura ist ein wichtiger Pfeiler der Identifikation der Baselbieter mit ihrem Kanton

Der Jura ist ein wichtiger Pfeiler der Identifikation der Baselbieter mit ihrem Kanton

toDel Heinz Duerrenberger

Deutlicher könnte das Verdikt kaum sein: Natur und Landschaft prägen das positive Image des Baselbiets unter seinen Einwohnerinnen und Einwohnern – und dann kommt lang, lang nichts mehr. 64 Prozent aller Befragten wählten diesen vorgegebenen Aspekt auf die Frage, was ihnen im Landkanton besonders gut gefällt. Und immerhin jeder Neunte (11%) verhalf der Natur auch bei der Frage, auf was die Baselbieter besonders stolz sind, zuoberst aufs Treppchen.

Pro Natura kritisiert Kanton

«Das lässt nur einen Schluss zu: Der Natur- und Landschaftsschutz sollte für den Kanton Priorität haben», sagt Peter Lakerveld. Und das Vorstandsmitglied von Pro Natura Baselland fügt an: «Dem ist leider nicht so.» Ganz im Gegenteil. Das Thema habe auf der Kantonsverwaltung einen sehr geringen Stellenwert. Das im Juni vorgestellte Sparpaket zeigt für Lakerveld deutlich auf: «Beim Natur- und Landschaftsschutz will der Kanton stark überproportional sparen.» Als Beispiel nennt er etwa die Kürzung des ökologischen Ausgleichs, der Bauern motivieren soll, ihre Bewirtschaftung anzupassen. Aber auch der Verkauf des Schlosses Wildenstein inklusive Naturschutzgebiet oder die Kürzung beim Programm «Naturschutz im Wald» und anderen Waldförderungsprogrammen stossen Pro Natura sauer auf.

Lebenszufriedenheit im Kanton Baselland

Lebenszufriedenheit im Kanton Baselland

bz Basellandschaftliche Zeitung

Beim Amt für Raumplanung sieht man dies freilich anders. Der stellvertretende Leiter Martin Huber vertraut auf die Instrumente, mit denen der Kanton Leitplanken setzen kann, um Natur und Landschaft sinnvoll zu schützen. Für die Raumgestaltung am wichtigsten ist dabei der kantonale Richtplan: Durch das Festlegen von Natur- und Landschaftsschutzgebieten kann unter anderem das Siedlungswachstum gesteuert werden. Gut 50 Prozent der unbebauten offenen Landschaft steht in Baselland aktuell unter kantonalem Schutz. Dazu kommen der ohnehin gesicherte Wald sowie die kommunalen Schutzgebiete.

Kein Zwang für Bauern möglich

Fast ein Viertel der Gesamtkantonsfläche ist gleichzeitig Bestandteil des Bundesinventars der Landschafts- und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. «Das ist auch ein klares Zeichen für die ausserordentliche Schönheit unseres Kantons», sagt Huber stolz. Für Lakerveld ist das nicht genug: «An Instrumenten wie dem Richtplan fehlt es nicht. Sie werden aber zu wenig genutzt. So ist die Biodiversität im Baselbiet kaum zu erhalten.»

Bei der Erhaltung des heutigen Landschaftsbildes, etwa der Hochstamm-Obstbäume, sieht auch das Amt für Raumplanung gewisse Schwierigkeiten. Huber: «Leistungsvereinbarungen wie der ökologische Ausgleich basieren auf Freiwilligkeit. Wir können die Bauern nicht dazu zwingen.» Das Landschaftsbild verändere sich deshalb mit den Jahren. Dies je nach agrarpolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie den finanziellen Mitteln, die zur Verfügung gestellt werden. Huber betont denn auch: «Wie viel Natur und Landschaft erhalten werden soll, ist Sache der Politik.»

Kann Jurapark Schutz bieten?

Ein Projekt, das zum Schutz der Natur hätte beitragen können, wäre der Jurapark Baselland gewesen. Auch wenn das Projekt bis 2013 sistiert ist – gestorben ist es nicht. Pro Natura, das zu Beginn noch dahinterstand, lässt sich heute allerdings nicht mehr begeistern: «Je länger desto mehr dominieren wirtschaftliche Interessen, sodass der Park der Natur nur noch wenig gebracht hätte», sagt Lakerveld.

René Eichenberger, Präsident von Baselland Tourismus und Vorstandsmitglied im Verein Jurapark, ist allerdings überzeugt: «Der Park wäre ein sehr wirksames Instrument gewesen.» Eichenberger verbindet den Stolz der Baselbieter auf ihre Landschaft mit der ausgeprägten Heimatverbundenheit: «Dieser Stolz könnte auch eine Trotzreaktion sein, weil Baselland ennet dem Jura kaum als ein von Basel-Stadt getrennter Kanton wahrgenommen wird.»

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