Baselbiet
Was die Subaru-Dichte über die Kantonsfusions-Abstimmung sagt

Er ist günstig, hat serienmässig Vierradantrieb und in den Kofferraum passt locker ein Schaf: der Subaru. Je mehr Subarus es in einer Gemeinde gibt, desto ländlicher ist sie. Und desto skeptischer sind die Einwohner gegenüber Basel eingestellt.

Benjamin Wieland
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Ein doppeltes Statement: Heck eines Subarus mit «Mir si und bliibe Baselbieter»-Kleber.

Ein doppeltes Statement: Heck eines Subarus mit «Mir si und bliibe Baselbieter»-Kleber.

bwi

Die meisten Ferraris mit BL-Kennzeichen stehen in Binninger Garagen herum. In Roggenburg, der ärmsten Gemeinde des Baselbiets, gibt es keinen einzigen Sportwagen, und Liedertswil, die zweitkleinste Gemeinde im Kanton, ist bis auf die Zähne motorisiert: Auf zehn Einwohner kommen dort rund sieben Autos – Rekord für Baselland.

Das alles verrät eine Excel-Tabelle mit 153'321 Zeilen. Es ist das Verzeichnis aller immatrikulierten Personenwagen im Baselbiet – der Pirelli-Kalender für Statistiker sozusagen (siehe Box).

Häfelfingen Das ist der Subaru-Hauptort des Baselbiets: Von den 179 angemeldeten Personenwagen stammen 23 von den Japanern - Rekord!
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Ferrari Die meisten Ferraris im Kanton Baselland gibt es in Binningen: 44 Stück sind angemeldet.
Maserati Binningens Vorherrschaft ist nicht nur bei Ferrari eklatant, sondern auch bei Bentley (10) und Maserati (Bild, 25 Exemplare).
Lamborghini Nur bei Lambhorgini muss Binningen passen - hier liegt Aesch vorne: 5 Exemplare, Binningen hat "nur" einen.
Monteverdi DER Binninger Sportwgagen fehlt jedoch gänzlich in den Statistiken: In der Gemeinde ist - wie im gesamten Kanton - kein einziger Monteverdi angemeldet. Ein Grund: Das Monteverdi-Museum verwendet Wechselnummern. (Bild: 25-Jahr-Jubiläum des Monteverdi Clubs Binningen 2010.)
Porsche Auch bei Porsche ist die Binninger Vorherrschaft im Luxus-Segment gebrochen. Die Gemeinde liegt auf Rang 12, ein Platz vor Oberwil auf Rang 13.
Nusshof Am meisten Porsches pro Kopf gibt es in Nusshof. Der Wert von drei Exemplaren ist jedoch zu tief, um aussagekräftig zu sein.
Liedertswil Liedertswil, auch Tschoppenhof genannt, ist am stärksten motorisiert: 784 Fahrzeuge auf 1000 Einwohner.
Birsfelden Die am schächsten motorisierte Gemeinde im Kanton Baselland ist Birsfelden: 406 Autos auf 1000 Einwohner (BL: 510 / 1000).
Hummer Liestal ist auch Hummer-Hauptort des Baselbiets. Jedoch mit bescheidenen Stückzahlen: zwei der 26 Hummer mit BL-Nummer sind in Liestal angemeldet.
Bernhard Russi Der ehemalige Skirennfahrer Bernhard Russi wirbt seit 1979 für Subaru und fährt auch selber einen - "aus Überzeugung", wie der Hersteller schreibt.
Russi 2013 Russi ist seit über 30 Jahren Markenbotschafter für Subaur - auf diesem Foto vom März 2013 bewirbt er den neuen Forester.

Häfelfingen Das ist der Subaru-Hauptort des Baselbiets: Von den 179 angemeldeten Personenwagen stammen 23 von den Japanern - Rekord!

bz

Kanton ist zweigeteilt

Die Zahlen zeigen klar: Der Kanton Baselland ist zweigeteilt. In eine obere Hälfte und in eine untere Hälfte. Schuld sind die Japaner: In der oberen Hälfte gibt es rund vier Mal mehr Subarus als in der unteren. Im Verhältnis zumindest.

In Muttenz gibt es am meisten Subarus

Was man schon immer über Autos im Kanton Baselland wissen wollte, das offenbart die Motorfahrzeug-Statistik:
• Im Baselbiet sind 3026 Subarus angemeldet. Das sind 2,1 % aller Personenwagen (total 142 359 Stück).
• Subaru-Hauptort pro Kopf ist Häfelfingen. Von den 179 angemeldeten Autos sind 23 Subarus, was 12,8 % entspricht.
• Insgesamt fahren in Muttenz am meisten Subarus herum: 192. Am geringsten ist die Zahl in Kilchberg (1 Exemplar).
• Auto-Hauptort ist die zweitkleinste Gemeinde im Kanton: In Liedertswil, Bezirk Waldenburg, kommen 132 Personenwagen auf 164 Einwohner. Das sind hochgerechnet 784 Fahrzeuge auf 1000 Personen (BL: 510 pro 1000 Einwohner).
• Am schwächsten motorisiert ist Birsfelden. Dort gibt es 406 Autos auf 1000 Einwohner.
• In absoluten Zahlen fahren am meisten Autos in Reinach herum: 9787. Danach folgen Allschwil und Muttenz.
• Die Poleposition bei den Luxusmarken hat Binningen inne - jedenfalls in absoluten Zahlen: In der Vorortsgemeinde gibts am meisten Ferraris (44 Stück), Bentleys (10) und Maseratis (25). Nur bei den Lamborghinis liegt Aesch (5) vorne, in Binningen ist «nur» einer angemeldet. (bwi)

Der Subaru-Graben wäre belanglos, wenn er nicht ziemlich exakt eine Konfliktlinie des Kantons abbilden würde: den Stadt-Land-Graben. Dieser wurde einmal – frei nach einer Schlagersängerin – Sarah-Jane-Graben getauft. Von ihr später mehr. Der Subaru-Graben ist so zu erklären: Der Hersteller lässt Autos vom Band laufen, die vor allem Leute mögen, die oft im Morast unterwegs sind. In den Kofferraum passt locker ein Schaf. Und vor allem: Sie haben Allrad-Antrieb.

Nicht umsonst trägt der Subaru den Übernamen «Bauern-Ferrari». Dazu passt ein makabrer Witz: Was bleibt übrig, wenn ein Bauer kremiert wird? Der Reissverschluss der Helly-Hansen-Daunenjacke – und der Subaru-Autoschlüssel. Wo es viele Subarus hat, ist es aber nicht nur ländlich. Wo es viele Subarus hat, ist die Skepsis gegenüber Basel generell gross – ja, gegenüber allem, was urban ist.

Das zeigte die Abstimmung über die Erhöhung der Subventionen an das Theater Basel vom September 2010. Sie trennte das Baselbiet ziemlich exakt entlang des Subaru-Grabens. Die Bewohner der vier ländlichen Bezirke Liestal, Sissach, Laufen und allen voran Waldenburg stimmten deutlich gegen die Subventionen – im Bezirk Arlesheim im Dunstkreis Basels war eine Mehrheit dafür.

Der Arlesheimer Polit-Blogger Manfred Messmer taufte die Theater-Demarkationslinie nach der bereits erwähnten Sarah-Jane, die in Rothenfluh wohnt. In der oberen Hälfte des Baselbiets ziehen sich die Menschen lieber Schlagerkonzerte rein, das Stadttheater hingegen wird grossräumig umfahren, lautete die These. Die Sängerin mochte die Zweckentfremdung ihres Namens nicht leiden, sagt ihre Mutter. «Schuurig mööge» habe sie die Geschichte. Der Sarah-Jane-Graben ist gefühlt. Beim Subaru-Graben hingegen sprechen die Fakten eine deutliche Sprache – die Statistik zeigt eindeutig: Das Vorkommen von Subarus korreliert mit dem Nein zu den Subventionen. Und umgekehrt. So schliesst sich der Kreis.

Regierung ist nervös

Das wäre wiederum harmlos. Wenn da nicht die Abstimmung über die Kantonsfusion wäre, über die – im Grundsatz – Mitte 2014 abgestimmt werden soll. Sie macht die Regierung nervös. Schon jetzt. Ein Hinweis dafür ist der Umstand, dass es nicht einfach war, die Daten überhaupt zu erhalten. Lange hatte die Motorfahrzeug-Kontrollstelle (MFK) zu Füllinsdorf gezögert, diese freizugeben. Der zuständige Regierungsrat Isaac Reber musste das Okay geben.

Reber ist für die Fusion. Aber er befürchtet, dass die Fusionsabstimmung den Kanton zerreissen wird. Wie bei einem Auto, bei dem das eine Vorderrad nach links fahren will und das andere nach rechts. Rebers Sorgen sind unbegründet. Was aus der Statistik herausgelesen werden kann, ist längst bekannt. Denn der Fuhrpark der Baselbieter ist nichts anderes als ein Abziehbild des Kantons. Das russbedeckte Spiegelbild sozusagen.

Subaru-Hauptstadt Häfelfingen

Das zeigt Häfelfingen. Nirgends im Baselbiet fahren so viele Subarus herum wie in diesem Bergdorf, das am Nordwesthang des Wisenbergs klebt. Von 179 Autos sind 23 Subarus – Rekord fürs Baselbiet. Gemeindepräsident Eugen Strub wundert sich nicht, dass seine Gemeinde bei den Japanern obenaus schwingt. «Hier braucht man einfach einen Allrad-Antrieb», sagt Strub. Drei der 23 Subarus im Dorf sind alleine im Besitz seiner Familie: Er fährt einen, seine Frau und auch sein Sohn.

Die Subaru-Grenze kommt ihm plausibel vor. Auch er sei gegen die Fusion. Und auch bei den Subventionen habe er Nein gestimmt. Er sei noch nie im Stadttheater gewesen, «das interessiert mich nicht besonders». Und dafür hätte ich auch gar keine Zeit».

Dann bricht er das Telefongespräch ab. Er müsse dringend zurück in den Stall.