Notversorgung
Wasserschlauch nach Bubendorf braucht es noch eine Weile

Nachdem Schadstoff in die Vordere Frenke gelangte, muss Bubendorf Wasser von den Ziefner Nachbarn beziehen. Das bleibt einstweilen auch so – bis das Gift gefunden ist.

Andrea Schäfer
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Die Notwasserleitung, die am Montag verlegt wurde, ist noch immer in Betrieb. Das Gift in der Vorderen Frenke tötete zahlreiche Fische.

Die Notwasserleitung, die am Montag verlegt wurde, ist noch immer in Betrieb. Das Gift in der Vorderen Frenke tötete zahlreiche Fische.

Kenneth Nars

Bubendorf fehlt das eigene Wasser. Seit Montagabend hängt die Gemeinde an einer Notwasserleitung aus Ziefen. Dies wurde nötig, nachdem ein Schadstoff in die Vordere Frenke gelangte. Der Giftstoff konnte bisher nicht identifiziert werden. Ermittlungen dazu sind noch immer im Gange.

Das Problem mit dem verschmutzten Wasser plagt neben Bubendorf auch vier weitere Gemeinden. In Hölstein, Liestal, Füllinsdorf und Frenkendorf kam es jedoch trotz dem Abschalten von Grundwasserpumpen nicht zu einer Wasserknappheit. Dies, weil sie genügend andere Bezugsmöglichkeiten haben, die nicht von der verschmutzten Vorderen Frenke beeinträchtigt sind.

Bubendörfer reagieren auf den Aufruf zum Wassersparen

Eine Umfrage der bz am Dienstagvormittag in Bubendorf zeigt: Der Ausfall der regulären Trinkwasserversorgung beschäftigt die Bevölkerung. Ein Rentner gibt an, dass er besonders beim Abwasch Wasser sparen wolle. Die Gemeinde Bubendorf hat bereits am Montagabend die Bevölkerung zum sparsamen Wasserverbrauch aufgefordert. Ein anderer Bewohner will das Wasser beim Waschen bewusster nutzen. Er zeigt sich zuversichtlich, dass die Behörden das Problem rasch in den Griff bekommen werden. Hingegen kritisiert eine Frau, dass sie erst aus der bz erfahren habe, dass auch Bubendorf von der Wasserverschmutzung vom Vortag betroffen ist. Wer würde schon am Abend im eigenen Briefkasten nachsehen, ob die Gemeinde einen Warnhinweis verteilt hat? (AFU/MMK)

Etwa Füllinsdorf und Hölstein. Beide Gemeinden besitzen neben ihren eigenen Pumpwerken Leitungen zu anderen Versorgungsgebieten, wo sie Wasser beziehen können. Hölstein erhält so momentan Wasser von der Wasserversorgung Waldenburgertal AG. Füllinsdorf ist an einen Regionalverbund angeschlossen und kann nach dem Ausfall seiner zwei Grundwasserpumpen, Wasser aus Pratteln beziehen. In Frenkendorf wiederum kann der Wasserbedarf laut Bauverwalter Urs Flückiger vollständig durch Quellwasser abgedeckt werden, sodass die abgeschaltete Grundwasserpumpe keine Engpässe verursacht. Als zusätzliches Standbein sei Frenkendorf auch an den Regionalverbund mit Pratteln angeschlossen. In Liestal kam es ebenfalls zu keinerlei Problemen. Laut Auskunft von Stadtverwalter Benedikt Minzer mussten im Baselbieter Hauptort zwar auch zwei Grundwasserpumpwerke abgeschaltet werden. Der Trinkwasserbedarf der Stadt könne aber problemlos von den übrigen Grund- und Quellwasserpumpen abgedeckt werden.

«Hat es noch nie gegeben»

Bubendorf ist also die einzige Gemeinde, bei der es zu Wasserknappheit kam. «Wir sind mit drei Pumpwerken eigentlich sehr gut ausgestattet», sagt Walter Bieri, Vizegemeindepräsident von Bubendorf. «Der aktuelle Fall, wo gerade zwei Pumpen gleichzeitig abgestellt werden mussten, ist ein WorstCase-Szenario. So einen Fall hat es zuvor noch nie gegeben.» Am Montag sei dann das bereits vorhandene Wasser-Notfall-Konzept ausgelöst worden. Es sieht eben den Bau einer Notleitung vor, sagt Bieri. Die betroffenen Gemeinden warten nun auf die Testresultate der Grundwasserproben. Die Identifizierung des Schadstoffs ist jedoch ein langwieriges Unterfangen. Dies, weil eine grosse Zahl Gifte als Verursacher infrage kommt. Laut Kantonschemiker Peter Wenk wurde gestern entschieden, die ergriffenen Vorsichtsmassnahmen weiter aufrechtzuerhalten. Heute werde die Lage neu beurteilt.

Sobald der Kanton Entwarnung gibt, werden in Bubendorf, laut Bieri, alle Pumpen wieder in Betrieb genommen. Es brauche aber einige Tage, bis die volle Leistung wieder erreicht sei. Der Aufruf zum Wassersparen würde erst einige Tage später aufgehoben. Via Flugblatt forderte die Gemeinde am Montagabend die Bevölkerung via Flugblatt dazu auf, Wasser zu sparen.

Dieses ist aber nicht bei allen Bewohnern rechtzeitig angekommen (siehe Kasten). Darauf wird ausserdem angekündigt, dass der Gemeinderat bei Normalisierung der Lage wieder via Flugblatt informieren wird.

Die Verschmutzung hatte nicht nur Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung, sondern auch auf die Fischpopulation in der Vorderen Frenke. Es kam im Bereich Niederdorf und Hölstein zu einem Fischsterben (die bz berichtete). Laut der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion sind letzte Woche mehrere hundert Fische verendet.

Erschreckender Fund

Christoph Schafroth, Obmann der Fischpächtervereinigung Hölstein, wurde am Freitag von einem befreundeten Fischer auf das Fischsterben aufmerksam gemacht und alarmierte daraufhin die Behörden. Am Sonntag inspizierte er einen längeren Abschnitt unterhalb des Betonwerks Hölstein. «Auf diesen hundert Metern fanden wir 15 tote Fische. Es sind alte und junge Tiere verendet. Wir haben auf dieser Strecke keine lebendigen Fische gesehen. Das ist doch sehr ungewöhnlich.»

Der Hobbyfischer zeigt sich stark betroffen über das Fischsterben. «Es ist schlimm, zu sehen, wie viele Fische verendet sind.» Schafroth will sich nun vehement für eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls einsetzen. «Ich möchte nicht, dass diese Sache von einem Amt zum nächsten geschoben wird.» Er behält sich deshalb auch vor, Strafanzeige gegen die Betreiber der Abwasserreinigungsanlage einzureichen. Deren Klärleistung war durch den Schadstoff eingeschränkt.