Rechtsbehelf
Wegen Schikane an Harassenlauf: Student geht gegen Polizei vor

Der 22-Jährige, der am Harassenlauf verhört wurde, geht gegen einen Polizisten vor. Für den Studenten sind die Anschuldigungen gegen ihn eine «verdammte Frechheit und gelogen.»

leif simonsen
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Die Polizei sieht sich nach den Ereignissen am Harassenlauf mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Big

Die Polizei sieht sich nach den Ereignissen am Harassenlauf mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Big

Der 22-jährige Harassenläufer Lars* hat es sich reiflich überlegt. Nun ist der Jus-Student aber zum Schluss gekommen, einen Rechtsbehelf gegen einen Baselbieter Polizisten einzulegen. Die vorübergehende Festnahme am 1. Mai sei nicht rechtens gewesen, ist er überzeugt. Indiz dafür ist in den Augen Lars’ auch die Aussage des Polizeiinspektors, der ihm während des Verhörs in der Verhaftungszone in Arlesheim gestanden haben soll: «Es wäre mir lieber gewesen, Sie hätten jemandem eine Flasche über den Kopf gezogen. Dann wüsste ich, warum Sie hier sind und was ich schreiben soll.»

Was an diesem sonst friedlichen Sonntagnachmittag beim Birsköpfli passierte: Aussage steht gegen Aussage. Die Polizei sprach anfangs von wiederholten Provokationen, die dazu Anlass gegeben hätten, die Harassenläufer abzuführen. Zwei Personen hätten einer Wegweisung durch die Polizei nicht Folge geleistet, wie der Sprecher der Baselbieter Polizei, Meinrad Stöcklin, sagte . Nun will man sich nicht mehr äussern: «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, werden wir nicht zu den einzelnen Personen Stellung nehmen», sagte gestern der andere Polizeisprecher, Rolf Wirz.

Anschuldigungen «eine Frechheit»

Für Lars sind die Anschuldigungen eine «verdammte Frechheit und gelogen.» Ganz im Gegenteil hätte er sich beim Birsköpfli nämlich schnell von der Polizei entfernt. Die Polizisten hätten sich aber daran gestört, dass Lars das Polizeidispositiv mit seiner Handy-Kamera filmte. Sie wollten ihn zwingen, das Video zu löschen. Dagegen wehrte sich Lars: «Ich habe den Polizisten mehrmals darauf hingewiesen, dass ich das Bild nicht löschen werde.» Daraufhin sei er in Handschellen in den Kastenwagen gebracht worden, wo die Handschellen durch Kabelbinder ersetzt worden seien. In Arlesheim folgten eine Leibesvisitation, ein Verhör und eine Konfiszierung der Gegenstände. Das Mobiltelefon musste er zu Untersuchungszwecken bei der Polizei lassen und durfte es erst am nächsten Tag abholen. Ebendieses soll nun als entscheidendes Beweismittel gegen den Polizisten dienen. Auf einem Video ist nämlich zu hören, dass der Polizist mit den Worten droht: «Lösche diesen Film, sonst nehme ich dir das Natel weg.» Diese Weisung wertet Lars als klare Kompetenzüberschreitung – deswegen habe er sich von Anfang an dagegen gewehrt.

Polizist zur Rechenschaft ziehen

Von einem Rechtsbehelf gegen den Fehlbaren hofft nun Lars, «dass der Polizist zur Rechenschaft gezogen wird». Dies wäre für ihn
nicht nur eine Genugtuung für die «stundenlange Schikane», sondern auch ein Zeichen für die Harassenlaufgemeinschaft. «Es wäre nicht schlecht, wenn bekannt würde, dass sich die korrekt verhaltenden Harassenläufer gegen die Polizisten durchsetzen, die ihre Macht missbrauchen.»

*Name der Redaktion bekannt