Reinach BL
Weil das Gartenbad saniert wird, gibt es das kühle Nass nur im Exil

Das Reinacher Gartenbad muss auf Vordermann gebracht werden. Während der Sanierung bleibt es geschlossen. Die umliegenden Gemeinden befürchten einen Ansturm der Badelustigen.

Michel Ecklin
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Heinz Dürrenberger

Wie in den vergangenen Jahren wird auch diesen Sommer der schnellste Reinacher Delphin auserkoren – allerdings nicht in der Reinacher Badi, sondern in Arlesheim. Und die Reinacher Schwimmmeisterschaften werden dieses Jahr im Aescher Bad stattfinden. Denn in Reinach bleibt das Gartenbad 2017 wegen Sanierung geschlossen. Dorthin kamen in den letzten Jahren zwischen 50'000 und 70'000 Besucher. Diese werden das kühlende Nass jetzt in den Bädern der umliegenden Gemeinden suchen. Da diese allesamt kleiner sind als das Reinacher Bad, lässt sich unschwer voraussagen: In den noch offenen Badis wird es eng. «Wir rechnen mit viel mehr Besuchern», sagt der Arlesheimer Gemeindeverwalter Thomas Rudin. «Wie gross der Ansturm ist, hängt stark vom Wetter ab.»

Jedenfalls rechnet Arlesheim mit einen Ansturm aus Reinach. Vor allem für die Reinigung des Bads werde es mehr Personal brauchen, sagt Rudin. Denn bei mehr Menschen leide die Wasserqualität. Aesch hat sich einerseits mit einem «Konzept und guten Ideen der Angestellten in der Badi» auf den Ansturm vorbereitet, so Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger. Andererseits wolle man auch erst schauen, was auf die eigene Badi zukomme, und dann «spontan reagieren».

Tickets bringen Einnahmen

4000 Besucher habe das Aescher Bad an heissen Sonntagen immer wieder gut bewältigt, sagt Hollinger. Denkbar sei aber, dass man diesen Sommer an manchen Tagen Leute abweisen müsse. «Das wäre aber der Worst Case.» Den Ansturm will sie nämlich als Chance sehen: «Wir wollen die Gäste aus Reinach möglichst gut empfangen.» Denkbar sind für Hollinger längere Öffnungszeiten. «Der Restaurantbetreiber freut sich natürlich auf einen Riesenumsatz. Und vielleicht finden manche Reinacher Gefallen an unserem Bad und kommen in den nächsten Jahren wieder.»

Auch die zusätzlichen Ticketeinnahmen seien nicht zu vernachlässigen. Hollinger geht davon aus, dass die Reinacher Badefreunde weniger Saisonabos lösen als die einheimischen, weil sie in verschiedene Badis ausweichen werden. «Viele Einzeleintritte sind gut für uns», sagt sie. Umgekehrt müsse man für sehr gut besuchte Tage mehr Bademeister einstellen. Zudem wird Aesch bei der Badi ein neues Parkplatzregime schaffen müssen.

Ob der Gemeinde unter dem Strich Mehrkosten entstehen, ist für Aesch wie für Arlesheim nicht entscheidend. Das lasse sich sowieso kaum im Voraus quantifizieren, sagt Rudin. Jedenfalls hat keine der beiden Gemeinden vor, Reinach nach der Badesaison eine Rechnung zu schicken – «vorausgesetzt, es gibt keine völlig unerwarteten Mehrkosten durch Ausnahmesituationen», ergänzt Hollinger. Diese Überlegung wiederum kann der Reinacher Gemeindepräsident Urs Hintermann nicht nachvollziehen, er hört sie zum ersten Mal. Auch die Reinacher Badi habe immer einen Anteil von Gästen aus den umliegenden Gemeinden, sagt er. «Wir hatten noch nie die Idee, dafür andere zahlen zu lassen.»

Basel: Liegewiese des Eglisees bleibt während Umbau offen

In Basel bleibt diesen Sommer das Gartenbad Eglisee geschlossen. Grund dafür ist der Bau einer neuen Ballonhalle und einer neuen Eisanlage für die Kunsteisbahn. Offen bleibt aber das Frauenbad, in das in den vergangenen Jahren etwa ein Drittel der durchschnittlich 90 000 Besucher des Eglisees gingen. Ebenfalls zugänglich ist die Liegewiese mit dem Kinderplanschbecken, inklusive Duschen. Dafür wird ein eigener Eingang eingerichtet.

Rolf Moser, Leiter der Basler Gartenbäder, geht davon aus, dass sich die bisherigen Eglisee-Freunde vor allem aufs Gartenbad St. Jakob, aber auch ins Bachgraben und nach Riehen und Bettingen verteilen werden. «Wir haben die Sache im Griff», versichert er. Bachgraben und St. Jakob müssten nichts ändern, denn sie seien sowieso vorbereitet auf einen Ansturm, den hohe Temperaturen ohnehin jedes Jahr mit sich bringen könnten. Insgesamt werde es in den Basler Badis dieses Jahr vermutlich etwas weniger Besucher geben als üblich, wenn auch nicht unbedingt an Hitzetagen. «Vielleicht werden einige Kleinbasler an nicht ganz so heissen Tagen darauf verzichten, an Feierabend einige Längen schwimmen zu gehen, weil sie nicht schnell ins Eglisee gehen können.»

Das geschlossene Reinacher Bad werde sich nicht auf die Besucherzahlen in Basel auswirken, sagt Moser. «Es gibt dort darum herum einige schöne Bäder.»

Die Zeiten, als die Basler Gartenbäder vor Besucher überquollten, sind sowieso vorbei. In den 1970er-Jahren seien noch an einem Tag 8000 Menschen ins Eglisee gegangen, sagt Moser. «Das Freizeitverhalten war damals anders.» In den vergangenen Jahren bildete der Hitzesommer 2003 den Höhepunkt. Über 200'000 Besucher suchten damals Abkühlung im Eglisee. «Das haben wir gut bewältigt», sagt Moser.

Doch Hollinger will jetzt das Gespräch mit Reinach suchen. Sie hatte sich gewünscht, dass Reinach während der Sanierung wenigstens die Liegewiese offen lasse. Doch sie erhielt eine abschlägige Antwort. Denn für Hintermann ist klar: Zwischen Baumaschinen liegen, das geht nicht. «In unserem Bad wird mit Volldampf gearbeitet.» Man reisse zwei Betonbecken heraus und saniere gleichzeitig eine Deponie. Eine offene Liegewiese schaffe da Sicherheitsprobleme. Und wegen der Immission kämen wohl kaum Gäste. Allerdings: Was in Reinach nicht geht, funktioniert in Basel. Diesen Sommer wird das Eglisee umgebaut, aber die Liegewiese bleibt offen.

Andrang reguliert sich selber

Dornach macht man sich weniger finanzielle Sorgen als Aesch. Das Gartenbad Weiden, nahe an Reinach gelegen, ist nämlich klein, wie Bauverwalterin Priska Plüss betont. «Wir sind auf Kinder ausgerichtet und haben nur sehr wenige Parkplätze.» Einen Besucheransturm aus Reinach würde es kaum aushalten. Und für den Arlesheimer Gemeindeverwalter Rudin ist vor allem eines wichtig: «Wir wollen auf jeden Fall anständige Bedingungen sicherstellen.»

Vielleicht, sagt er voraus, werde sich der Andrang auch von alleine regulieren: «Wirds auf der Liegewiese zu eng, gehen mache Besucher wohl wieder.»