Schulstart
Weil Einzeltische Verspätung haben: Teils Maskenpflicht an Baselbieter Gymis

Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind spricht im Interview mit der bz darüber, was den Mittelschulen ab kommenden Montag blüht. Gewisse Mittel- und Berufsfachschulen müssen bis zu den Herbstferien auf Einzeltische warten. Immerhin gibt der Kanton gratis Masken ab.

Michael Nittnaus
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Wie hier in Diegten 2015 wird Monica Gschwind zum Schulstart eine Schule besuchen: dieses Mal die Sek Reigoldswil.

Wie hier in Diegten 2015 wird Monica Gschwind zum Schulstart eine Schule besuchen: dieses Mal die Sek Reigoldswil.

bz

Monica Gschwind zieht es durch: Vor den Sommerferien betonte die Baselbieter Bildungsdirektorin, wie wichtig ihr sei, dass alle Schulstufen das neue Schuljahr wieder im Präsenzunterricht beginnen können. Und trotz schweizweit langsam steigender Corona-Infektionszahlen bleibt sie dabei. Gerade bei den Mittel- und Berufsfachschulen geht dies aber nicht ohne einschneidende Schutzmassnahmen, wie Gschwind im Gespräch mit der bz aufzeigt.

Als die Coronazahlen im Laufe des Julis zu steigen begannen, kamen Sie da nie ins Zögern, ob die Sekundarstufe II doch besser erst im Fernunterricht oder in Halbklassen beginnen sollte?
Monica Gschwind: Nein, gezögert habe ich nie. Ich habe immer gesagt, dass ich den Austausch von Schülern und Lehrern vor Ort für sehr wichtig halte und Fernunterricht das nicht ersetzen könne. Ich habe aber extra lange die Situation beobachtet und mit einem definitiven Entscheid zugewartet.

Die Baselbieter SP kritisiert dieses Zuwarten: Die Schutzmassnahmen nicht einmal eine Woche vor Schulstart vorzustellen, sei zu spät. Schulen und Lehrer hätten kaum Vorbereitungszeit.
Wir haben die Schulleitungen schon vor den Sommerferien informiert, dass wir mit Vollklassenunterricht auf allen Stufen starten wollen und bereits damals gewisse Eckpunkte des Schutzkonzepts für die Sekstufe II mitgeteilt. Genau so ist es nun gekommen. Gleichzeitig haben wir uns auf mehrere Szenarien vorbereitet, sollten die Infektionszahlen markant steigen. Auch das haben wir mit den Schulen bereits besprochen. Sie müssen in kürzester Zeit zwischen den Szenarien wechseln können.

Es wäre also denkbar, dass die Baselbieter Schulen nach ein paar Wochen auch wieder komplett schliessen müssen?
Ich hoffe wirklich, dass wir einen neuerlichen flächendeckenden Lockdown unserer Schulen verhindern können. Es kann aber sein, dass wir je nach Entwicklung einzelne Klassen oder auch Schulen schliessen respektive in den Fernunterricht schicken müssen.

In den Gymnasien und Berufsfachschulen gilt der 1,5-Meter-Abstand auch unter den Schülern. Wie ist das konkret umsetzbar?
Für die Sekundarstufe II haben wir ein sehr detailliertes Schutzkonzept erarbeitet. Der Abstand von 1,5 Metern muss zwingend eingehalten werden. Ist dies in der normalen Klassensituation nicht möglich, versuchen wir zuerst, es mit Anpassungen des Mobiliars zu erreichen. Das können Einzeltische oder Trennwände sein. Geht auch das nicht, besteht eine Maskenpflicht. Das Verhindern von Infektionsketten ist uns sehr wichtig.

Die bz hat schon berichtet, dass der Kanton Einzeltische bestellt hat. Konnten sie schon überall aufgestellt werden?
Obwohl wir das Mobiliar schon vor den Sommerferien bestellt haben, werden die ersten Einzeltische leider erst in zwei Wochen ausgeliefert. Es gibt grosse Lieferengpässe und es zieht sich bis zu den Herbstferien, ehe alle Mittel- und Berufsfachschulen ausgerüstet sind.

Heisst das, dass an vielen Baselbieter Mittelschulen erst wochenlang eine Maskenpflicht nötig sein wird?
Solange nicht durch anderweitige Massnahmen der Abstand garantiert werden kann, wird in den Schulzimmern eine Maskenpflicht gelten, ja.

Und wie sieht es in den Gängen und auf dem Schulareal aus?
Die Voraussetzungen sind an jeder Schule anders. Es ist an der jeweiligen Schulleitung zu entscheiden, ob die Gänge zu eng sind oder der Pausenplatz zu klein, um den Abstand einzuhalten.

Selbst wenn Einzeltische da sind: Hätte eine ganze Klasse dann überhaupt in einem durchschnittlich grossen Schulzimmer Platz?
Im Schnitt rechnen wir, dass so 18 bis 19 Schüler in einem Zimmer Platz haben werden. Natürlich stimmt es, dass viele Klassen grösser sind. Dort müssen wir dann teils mit Trennwänden arbeiten – oder eben Masken.

Vorerst bis zu den Herbstferien gibt der Kanton für den Unterricht gratis Masken an Lehrer und Schüler ab. Wie viele mussten Sie beschaffen?
Wir haben dafür rund eine Million Schutzmasken vorgesehen. Auf der Sekstufe II rechnen wir mit zwei Masken pro Tag und Person.

Wer in einem Risikogebiet in den Ferien war, muss in Quarantäne. Wohin hat es Sie dieses Mal gezogen? Wieder nach Südtirol?
Ich habe meine Sommerferien in der schönen Schweiz verbracht und dies sehr genossen.

Singen mit Gesichtsvisieren und Kanton gibt gratis Masken ab

Baselbieter Schülerinnen und Schüler sämtlicher Stufen nehmen das neue Schuljahr unter demselben Motto in Angriff: «Neue Normalität» heisst das Szenario, für das sich die Bildungsdirektion entschieden hat. Seit gestern sind die zwei neunseitigen Schutzkonzepte für die Volksschule und für die Mittelschulen und berufsbildenden Schulen auf der Kantonswebseite aufgeschaltet.

Das Szenario geht davon aus, «dass Covid-19 längerfristig zum (Schul-)Alltag gehört». Es ist aber weniger einschränkend als die beiden anderen vorbereiteten Szenarien «Pandemie» mit Fernunterricht sowie der Mischform «Lockerung/Verschärfung». Grundsätzlich gilt das Schuljahr 2020/21 als reguläres Schuljahr.

Für die Primar- und Sekundarstufe I heisst dies, dass dasselbe Schutzkonzept wie vor den Sommerferien gilt. Zwischen den Schülern muss also kein Abstand eingehalten werden, wohl aber zur Lehrperson, die eine persönliche Schutzzone im Klassenzimmer definiert.

Vieles möglich – solange es ein Schutzkonzept gibt

Gerade für den ersten Schultag wichtig zu wissen ist, dass Erziehungsberechtigte auf dem Schulareal zugelassen sind, wenn sie sich an die Verhaltens- und Hygieneregeln halten. Auch Schulreisen und Lager mit Übernachtungen in der Schweiz sind wieder möglich, brauchen aber ein umfassendes Schutzkonzept.

Für die nachobligatorischen Schulen der Sekstufe II ist die Einhaltung des Abstands von 1,5 Metern zwischen allen Anwesenden zwingend. Ist dies durch Mobiliaranpassungen nicht möglich, gilt eine Maskenpflicht. Für den Unterricht werden Masken gratis abgegeben.

Musik- und Sportunterricht sind möglich, letzterer aber ohne Körperkontakt. Beim Singen wird allenfalls mit Gesichtsvisieren gearbeitet. Auch Risikogruppen müssen wieder in den Unterricht, ausser sie haben ein ärztliches Attest. Der Kanton kontrolliert die Umsetzung der Schutzmassnahmen an den Schulen per Stichproben. (mn)