Allschwil
Weil er sparen muss, verlocht der Kanton hier Millionen

Basellands Sparpläne führen teilweise zu absurden Situationen. In Allschwil wird aus Spargründen die Baslerstrasse aufgerissen und zugedeckt und dann nochmals aufgerissen und nochmals zugedeckt. Doch dabei geht Geld verloren.

Benjamin Wieland
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Die Baslerstrasse in Allschwil: Hier müssen die Schienen ausgewechselt und der ganze Strassenraum umgestaltet werden. Weil der Kanton das aber nicht in einem Zug erledigen will, drohen Mehrkosten von 5,7 Millionen Franken.Kenneth Nars

Die Baslerstrasse in Allschwil: Hier müssen die Schienen ausgewechselt und der ganze Strassenraum umgestaltet werden. Weil der Kanton das aber nicht in einem Zug erledigen will, drohen Mehrkosten von 5,7 Millionen Franken.Kenneth Nars

Kenneth Nars

Es gibt Wörter, die können nur in Amtsstuben erschaffen worden sein. Meist dienen sie dazu, etwas Unerwünschtes, Unangenehmes besser darzustellen oder gleich zum Verschwinden zu bringen. Wie ein Tarnnetz kann man diese Wörter über die fehlerhafte Wirklichkeit stülpen. Und schon ist ein Missstand – zumindest sprachlich – verschwunden.

Ein solches Wort ist Verlustinvestition. Erfunden hat diesen schrecklich-schönen Begriff die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD). Die nächste Verlustinvestition, die im Kanton droht, trifft die Baslerstrasse in Allschwil, die Hauptschlagader der Gemeinde. Die Strasse wird in den nächsten Jahren aufgerissen und zugedeckt. Und dann nochmals aufgerissen und nochmals zugedeckt. Dadurch setzt der Kanton 5,7 Millionen Franken in den Sand – und verbucht sie als eben solche Verlustinvestition.

Spardiktat im Nacken

«Das ist zum Fenster hinaus geschmissenes Geld», sagte Nicole Nüssli in der Sitzung des Einwohnerrats letzte Woche. Die Gemeindepräsidentin von Allschwil kann noch immer kein Verständnis dafür aufbringen, dass die wichtigste Strasse der Gemeinde gleich zweimal für Monate oder sogar Jahre gesperrt sein wird: «Wir beharren darauf», sagt sie auf Anfrage, «dass der Kanton alle Arbeiten in einem Zug erledigt – wir werden weiterhin darauf hinwirken.»

Die Sanierung notwendig macht das 6er-Tram, das die Baslerstrasse befährt. Dessen Geleise müssen ausgewechselt und die Tramhaltestellen behindertengerecht umgebaut werden. Einige Haltestellen kommen an anderer Stelle zu stehen, weshalb gleich der gesamte Strassenraum neu gestaltet wird, samt neuer Verkehrsführung. Nun könnte der Kanton sämtliche Arbeiten in einem Zug erledigen – und das würde er im Normalfall auch tun, wenn ihm nicht ein rigides Spardiktat im Nacken sässe: In dessen Rahmen hat er sich selber eine Investitions-Obergrenze gesetzt, und weil andere Projekte aus Sicht der Regierung dringlicher sind, schob er den Umbau der Baslerstrasse auf die lange Bank.

Die Schienen jedoch, diese müssten rasch ausgewechselt werden, warnen die Basler Verkehrsbetriebe: Sie hätten ihre Lebensdauer bereits erreicht, heisst es aus Basel. Und: noch länger zuwarten – das könne man nicht verantworten.

Hochschul-Neubau vorgezogen

Das Problem: Die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro kann gar nicht anders, als die Sanierung der Strasse nach hinten zu schieben. Es war der Gesamtregierungsrat, der letztes Jahr beschlossen hat, die jährlichen Netto-Investitionen auf 200 Millionen Franken zu beschränken. Der Baslerstrasse wurden andere Projekte vorgezogen, etwa der Neubau für die Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz. Neuer Baubeginn in Allschwil ist nun frühestens 2020 statt 2015 bis 2018, die BVB wollen 2016 starten. Die Neugestaltung kostet 54 Millionen Franken, davon wird der Bund 14 Millionen übernehmen, der Kanton den Rest. Hinzu kommen die 5,7 Millionen für die Gleiserneuerung. Allschwil selber werden die Bauprojekte finanziell nur am Rande belasten.

Noch gibt es aber einen Hoffnungsschimmer. «Kommt es bei einem anderen Projekt zu Verzögerungen», sagt BUD-Sprecher Dieter Leutwyler, «so liegt es wieder im Bereich des Möglichen, dass die Sanierung der Baslerstrasse zu einem früheren Zeitpunkt ausgeführt wird.»

Zwar wäre der Kanton eine Verlustinvestition los – aber weitere kommen bestimmt.