Weinjahrgang 2020
Basel-Stadt bedient sich beim Staatswein neu im Landkanton

Die regionale Weinernte 2020 bringt besonders edle Tropfen hervor, der Gesamtertrag fällt jedoch so gering wie selten zuvor aus. Das hat seine Gründe.

Eva Oberli
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Die zwölf Finalisten für den Staatswein 2021 stammen allesamt aus Baselbieter Anbau.

Die zwölf Finalisten für den Staatswein 2021 stammen allesamt aus Baselbieter Anbau.

Kenneth Nars

Mit einem Gesamtertrag von 752 Tonnen war es die zweitkleinste Reben-Ernte des Jahrzehnts in der Region Basel/Solothurn. Während die Menge der geernteten weissen Sorten im Vergleich zum langjährigen Mittel ein kleines Plus von 2 Prozent verzeichnete, fiel jene der roten Sorten mit gesamthaft 442 Tonnen um 18 Prozent tiefer aus.

Rebbaukommissär Urs Weingartner erklärt sich die roten Zahlen mit der sogenannten «Verieselung». Diese tritt auf, wenn Blüten nicht vollständig befruchtet werden und die Reben deswegen keine Beeren ausbilden. Hinzu kommt die Traubenbeute der Schädlinge: Einige Tonnen fielen Mitte August dem Wespenfrass zum Opfer, und einen Monat später stieg zudem die Befallsrate der Kirschessigfliege stark an. Auch die hohen Temperaturen in den ersten beiden Septemberwochen seien mitverantwortlich. Diese Hitzetage hatten zwar für eine rasante Abreife und damit für einen ungewöhnlich frühen Erntebeginn im vergangenen Jahr gesorgt, gleichzeitig aber auch für Wasserverlust in den Früchten.

Hitze und Trockenheit für gute Zuckerwerte

Aus meteorologischer Sicht war das Jahr 2020 ungewöhnlich. Auf den wärmsten Winter seit Messbeginn folgte der drittwärmste Frühling seit Wetteraufzeichnung. Die Schafskälte in der ersten Juni-Hälfte bremste das Wachstum der Reben-Kulturen zwar kurzzeitig ein wenig, die erneut hohen Temperaturen in den folgenden zwei Monaten glichen dies jedoch wieder aus. «Wir durften 2020 sehr gehaltvolle Trauben mit hoch-konzentrierten Inhaltsstoffen und einem erfreulich hohen Zuckergehalt vom Rebberg in die Keller bringen», meint Urs Weingartner rückblickend.

Glücklicherweise startete die Region Basel mit wenig Überhang aus den Vorjahren ins erste Coronajahr. «Wir sind ohne eine Krise in die Krise gerutscht», sagt Thomas Engel von der Siebe Dupf Kellerei AG. Zwar blieb der Bedarf der Gastro weitestgehend aus, dafür sei der Weinverkauf an Privatpersonen und der Onlinehandel extrem gut gelaufen.
Kein Tropfen regionaler Wein wurde im Zuge der vom Bundesrat lancierten Marktentlastungsaktion im Sommer 2020 entsorgt. Dies spreche für die Sorgfalt und das qualitätsbetonte Schaffen in der hiesigen Region, so Rebbaukommissär Weingartner.

Die Staatsweine werden kantonsübergreifend

Wegen Corona musste die Staatsweinkür 2020 ausfallen. Die fünfte Ausgabe findet nun am 15. Juni im Schloss Ebenrain in Sissach statt. Dieses Jahr gibt es nebst den besten Weinen des Jahres 2021 auch eine Reglementanpassung zu feiern: Baselland und Basel-Stadt küren fortan gemeinsam ihre Staatsweine. Bisher hatte Basel-Stadt die seinen aus einem Marktgräfler Weinkeller im Südbadischen bezogen.

Die Finalisten «Weisse Spezialitäten» (links) und «Rote Spezialitäten».

Nach dem Auslaufen dieses Vertrags im Jahr 2019 haben sich die beiden Kantonsregierungen darauf geeinigt, mit dem «Staatswein der Kantone Baselland und Basel-Stadt» die regionalen Weine zu fördern und damit deren Absatz und Qualität zu stärken. Fortan wird also auch an offiziellen Anlässen und Empfängen in der Stadt ein edler Baselbieter Tropfen ausgeschenkt.

Die Finalisten «Blauburgunder» (links) und «Riesling-Silvaner».

Die 12 Finalisten

Riesling-Silvaner:         
«Riesling-Silvaner» von Andreas Roth Weinbau, «Riesling-Sylvaner» von Rebbauverein Muttenz, «Riesling-Silvaner Muttenz» von Weingut Jauslin

Weisse Spezialitäten:          
«Tschäpperli Pinot Gris» von Tschäpperliweine GmbH, « Pinot Gris Muttenz» von Weingut Jauslin, «Baselbieter Sauvignon Blanc» von Siebe Dupf Kellerei AG

Blauburgunder:      
«Prattler Blauburgunder» von Weinbau Leuengrund, «Wintersinger Pinot Noir» von Siebe Dupf Kellerei AG, «Blauburgunder» von Wiedmer Weinbau

Rote Spezialitäten:        
«Siebe Dupf Pinot Noir Barrique» von Siebe Dupf Kellerei AG, «Pinot Noir Spätlese» von Klushof Koellreuter, «Pinot Noir Barrique» von Rebbauverein Muttenz