Feldschiessen
Weniger Aktive, weniger Schiessstände: Warum das Schiessen ein Problem hat

Das Eidgenössische Feldschiessen blutet langsam aus: Der Ruf des Sports leidet, und die Schützen haben Nachwuchssorgen.

Nils Hänggi
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Schütze an Schütze: Beim Feldschiessen braucht es volle Konzentration, damit man ins Schwarze trifft.

Schütze an Schütze: Beim Feldschiessen braucht es volle Konzentration, damit man ins Schwarze trifft.

Chris Iseli

Kommendes Wochenende wird im ganzen Land – so auch im Baselbiet – wieder geschossen. Der Schweiz steht die jährlich wiederkehrende Demonstration des freiwilligen Schiesswesens bevor: das Eidgenössische Feldschiessen. Es ist das grösste Schützenfest weltweit. Dieser Anlass ist weitum bekannt und für viele eine uralte Tradition. Selten fühlt man sich den konservativen Werten der Schweiz so verbunden wie beim jährlichen Feldschiessen. Zudem ist es gratis und ein Treffpunkt für junge und alte Schützinnen und Schützen. Trotz allem ziehen über dem Grossanlass dunkle Wolken auf: Es gibt immer weniger Aktive und in der Folge auch weniger Schiessstände in der Region.

«Das Feldschiessen ist ein traditioneller Anlass. Er findet immer Ende Mai oder anfangs Juni statt. Viele Kantone zelebrieren es als grosses Fest», erzählt der Baselbieter Kreiskommandant Martin Büsser. Vor allem seien dies die Innerschweizer Kantone; im Baselbiet sei die Festlichkeit nicht ganz so stark ausgeprägt.

Dieses Jahr rechnet die Veranstalterin, die Kantonalschützengesellschaft Baselland, mit insgesamt 4500 Schützen: 3500 Schützinnen und Schützen auf die Gewehrdistanz von 300 Metern, sowie rund 900 Pistolenschützinnen und -schützen auf die Distanz von 50 und 25 Metern. Das sind etwa gleich viele wie letztes Jahr, wie der Kreiskommandant bestätigt. «In den letzten Jahren war leider immer ein Rückgang der Schützen beim Feldschiessen zu verzeichnen, vor allem bei den Jungen. Momentan stagniert jedoch die Zahl.»

Schiessstände verschwinden

Im Gegensatz zur Jugend ist bei den etablierten Schützinnen und Schützen das Mitmachen eine Ehrensache: Das Ziel eines jeden ist, die begehrte Kranzauszeichnung zu gewinnen. Diese zeigt jedes Jahr ein anderes Wappen der Schweiz und wird jedem Wettkampfteilnehmer überreicht, der mindestens 57 der 72 möglichen Punkte erzielt hat. Verteilt auf alle fünf Bezirke im Kanton Baselland, stehen insgesamt zehn Schiessanlagen auf die Distanz von 300 Meter für Gewehrschützen und sechs Schiessanlagen für Pistolenschützen zur Verfügung.

Doch infolge des Rückgangs der Aktiven lohnt es sich für viele Gemeinden nicht mehr, einen eigenen Schiessstand zu betreiben. Sie weichen auf andere Gemeinden aus.

«Per Gesetz wäre natürlich jede Gemeinde verpflichtet, einen Schiessstand zu haben», erklärt Büsser. Doch für viele würde es nicht mehr rentieren. Die Folge: das Zusammenlegen von Schiessständen und die Entstehung von Gemeinschaftsschiessständen. Sie erfolgen aus ökonomischen und ökologischen Gründen. Die grössten Schiessanlagen sind in Aesch, Muttenz und Liestal zu finden. Büsser sagt: «Diese nutzen die Standortgemeinden selber sowie die umliegenden Orte.» Das spare Kosten.

Alle in gutem Zustand

Im Gegensatz zu den Zahlen der aktiven Schützen bieten die Schiessstände selber keinen Anlass zur Beunruhigung. Die Zustände der Anlagen sind gut, wie Büsser bestätigt. «Alle Schiessanlagen sind elektronisch ausgerüstet und auch sonst auf dem neusten Stand.»

Für die Zukunft erhofft sich der Kreiskommandant, dass das Schiessen wieder als Sport wahrgenommen wird: «Leider verbinden heutzutage viele Menschen das Schiessen mit Gewalt und Verbrechen. Das muss sich wieder ändern.»

www.ksgbl.ch

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