Verkehr
Weniger Einnahmen, mehr Sicherheit

Die neue Tempokontrolle des Bundes im Arisdorftunnel ist in Betrieb – geblitzt wird erst ab November.

Alessandra Paone
Merken
Drucken
Teilen
Weniger Einnahmen, mehr Sicherheit

Weniger Einnahmen, mehr Sicherheit

Noch blitzt die installierte Abschnittsgeschwindigkeitskontrolle (AGK) im Arisdorftunnel nicht. Auch flattern den Rasern noch keine Bussen ins Haus. Die Aufbauarbeiten sind zwar schon abgeschlossen und seit dem 15. September wird die Anlage getestet, doch richtig ernst gilt es voraussichtlich erst ab November. In dieser zweiten Phase kommt der Blitz dann zum Einsatz und die fehlbaren Lenker werden gebüsst. Das Bundesamt für Strassen (Astra) wird den Start vorgängig ankünden.

Eine Kamera macht das Beweisfoto

Das High-Tech-Gerät erfasst auf dem rund 1,5 Kilometer langen Stück auf der A2 in Fahrtrichtung Süden vor und nach dem Tunnel sämtliche Kontrollschilder, misst die Durchfahrtsgeschwindigkeit und berechnet in weniger als einer halben Sekunde das mittlere Tempo für jedes Fahrzeug. Kommt es zu einem Tempoverstoss, macht eine spezielle Kamera nach dem Tunnelausgang ein Beweisfoto. Nur in diesem Fall speichert der Computer die Daten und schickt sie zur Auswertung an die Polizei. Alle anderen Bilder werden nach 100 Sekunden automatisch wieder gelöscht. Das System diene also weder zur Fahndung noch zur Vignettenkontrolle, betonte Volker Fröse vom Astra gestern in Sissach vor den Medien. Die Daten würden verschlüsselt auf den Polizei-Server übertragen. Auf den Astra-Server habe die Polizei keinen Zugriff.

Eine weitere AGK wird gegen Ende Jahr zwischen Aigle und Bex VD getestet. Zudem soll eine mobile Anlage bei Baustellen auf Autobahnen eingesetzt werden. Durch die AGK hofft das Astra vor allem, dass die Unfallzahlen sinken. So nahmen zum Beispiel in Italien, Österreich und Holland die Unfälle mit Toten und Schwerverletzten auf den kontrollierten Abschnitten nahezu um die Hälfte ab. Ein weiteres Ziel ist es, den Verkehrsfluss zu verbessern und den so genannten Handorgeleffekt vor Punktkontrollen zu reduzieren.

Bussen nehmen dank Anlage ab

Den Vorwurf der Baselbieter Bürgerlichen, der Staat wolle mit der neuen Anlage «Abzockerei» betreiben, kann Fröse nicht nachvollziehen. «Das Gegenteil ist der Fall: Die Bussen werden abnehmen», sagte er. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten, welche die Geschwindigkeit an einem einzigen Punkt messen, überwache die AGK das Geschwindigkeitsverhalten über einen längeren Abschnitt. «Die neue Anlage ist fairer, weil sie kurze Übertretungen verzeiht», so Fröse. Also ein Verlustgeschäft? Nein, sagt Fröse. Denn ein Menschenleben zu retten, sei mehr wert als Geld. Das Bussengeld fliesst – auch während der Testphase – in die Kantonskasse.

Das Astra rechnet damit, dass im Sommer 2011 ein Schlussbericht vorliegt. Erst nach der Evaluation der Resultate werden allfällige Anträge der jeweiligen Kantonspolizeien geprüft. Die gesamte Übung kostet den Bund 1,6 Millionen Franken.