J+S-Gelder
Weniger Geld vom Bund – «Es trifft alle Vereine hart»

Ganz egal ob Pfadi oder Sportverein: Der Bund kürzt ab August die Beiträge an die Jugendarbeit. Rund 2000 Franken entgehen der Birsfelder Jugendorganisation «Basilisk» für ein Sommerlager, 700 für ein Pfingstlager.

Andrea Schäfer und Michel Ecklin
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Schöne Bescherung: Auch die Pfadi Liestal müssen sich ab August auf geringere Subventionen durch den Bund einstellen.

Schöne Bescherung: Auch die Pfadi Liestal müssen sich ab August auf geringere Subventionen durch den Bund einstellen.

Nicole Nars-Zimmer

Es geht nur um 1.90 Franken – doch diese 190 Rappen bringen die ganze Planung der Jungschar Basilisk ins Schleudern. Für Ferienlager kriegt die Birsfelder Jugendorganisation vom Bund nicht wie bisher 7.60 Franken pro Tag und Teilnehmer, sondern nur noch 5.70. «Uns fehlt ein wichtiger Teil für die Finanzierung», sagt Leiterin Salome Wilhelm. Rund 2000 Franken entgehen der Jungschar für ein Sommerlager, 700 für ein Pfingstlager.

Der Grund für den spärlicheren Geldfluss ist in Bern zu suchen. Für das Sportförderprogramm Jugend und Sport (J+S) sprachen die eidgenössischen Räte im Budget 2015 zwar gleich viel Geld wie bisher, nämlich 80 Millionen Franken. Aber die Nachfrage ist gestiegen; unter anderem deshalb, weil der freiwillige Schulsport erfolgreicher ist als erwartet. Deshalb gibts ab dem 1. August für jeden Verein weniger Zustupf. Von der Kürzung sind nicht nur Pfadfinder und ähnliche Organisationen wie Jungschar und Jungwacht betroffen, sondern auch Sportvereine; und zwar schweizweit mit 25 bis 30 Prozent.

«Es trifft alle Vereine hart», sagt Thomas Beugger, Leiter des Baselbieter Sportamts. Im Landkanton flossen bisher 2,1 Millionen Franken pro Jahr aus J+S-Töpfen an die Vereine, künftig sind es 500 000 weniger. So erhalten Sportvereine weniger für Trainingslager, aber auch für Meisterschaftsspiele, Turniere sowie die Ausbildung und Anstellung von Trainern. «Wir finden jetzt schon kaum Trainer», beklagt Pascal Donati, Vizepräsident von Starwings Basket. Seinem Verein fehlen rund 30 000 Franken pro Jahr. Für ihn ist klar: «In jedem Fall muss der fehlende Beitrag kompensiert werden.»

Wieder mehr Geld ab 2017

Wie lange die Durststrecke für die Vereine dauert, ist unklar. Im Juni stimmen die eidgenössischen Räte über einen Nachtragskredit für J+S ab. «Es ist sehr schwer abzuschätzen, wie sie entscheiden», sagt Peter Howald, Leiter des Basler Sportamts. Im November verhinderte er dank Lobbyarbeit, dass die Kürzungen bei J+S nicht schon ab Anfang 2015 in Kraft getreten sind. Trotzdem wurden die Vereine überrascht, die Planung und die Budgets 2015 waren schon erstellt. Ab 2017 werde wieder mehr Geld fliessen, schätzt Howalds Kollege Beugger. «Das werden diejenigen Vereine mit Reserven überbrücken können, die übrigen weniger.» Viele Möglichkeiten zur Kompensation sieht er nicht. Man könne die Mitgliederbeiträge erhöhen, was aber zu Austritten führe. Weiter könne man Anlässe organisieren, um Geld reinzuholen. «Keine gute Idee wäre es, den Leitern, die die Qualität sicherstellen, die sowieso schon geringen Entschädigungen zu kürzen.» Und ebenfalls bedauern würde es das Baselbieter Sportamt, sollten Vereine Teile ihres Programms streichen.

«Ich denke nicht, dass sie ihre Angebote reduzieren», meint Martin Leber, Präsident des Baselbieter Turnverbands. Bei den Vereinen der Region hört man allerdings anderes. So kürzt der Turnverein Riehen die Entschädigungen der Trainer, diese sollen aber gleich viel arbeiten wie bisher. Basketball-Funktionär Donati spielt mit dem Gedanken, die U23-Mannschaft von Starwings nicht mehr anzumelden. Angedacht hat er zudem das Streichen von Trainingseinheiten und den Verzicht auf Physiotherapeuten. Die Jungschar Aesch wird in ihren Lagern bei Essen und Material sparen, eventuell auch bei Ausflügen, etwa ins Schwimmbad.

Jetzt höhere Mitgliederbeiträge?

Martin Pfeifer, Jugendarbeiter beim CVJM/F, schliesst Programmkürzungen nicht aus, denn «die Möglichkeiten in den Lagern und Projekten ändern sich mit der Kürzung deutlich». Und zusätzlich zu J+S für Lager Geld zu organisieren, sei nicht einfach. Salome Wilhelm von der Jungschar Basilisk will sich trotzdem auf die Suche nach Sponsoren machen, anstatt das Programm herunterzuschrauben: «Wir möchten die Kürzungen nicht auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen austragen.» Manch ein Verein könnte der Versuchung erliegen, die Mitglieder- und Elternbeiträge zu erhöhen – trotz der Gefahr, dass Jugendliche abspringen.

Bei den Starwings ist das durchaus ein Thema. Für Pfeifer vom CVJM/F kämen höchstens freiwillige zusätzliche Elternbeiträge infrage. Dank der J+S-Gelder seien die Lager für sozial Schwächere bezahlbar, was helfe, sie zu integrieren. Für ihn ist klar: «Geld von J+S leistet einen grossen Beitrag für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.»