Arisdorf
Wenn der hohle Baumstumpf singt

Die Waldtage ermöglichten einen Blick hinter die Bäume – und über die Schultern eines Chainsaw Carvers.

Lucas Huber
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Norman Altermatt, Kettensägenschnitzer aus Muttenz, arbeitet an einer Rotte Wildschweine. lh

Norman Altermatt, Kettensägenschnitzer aus Muttenz, arbeitet an einer Rotte Wildschweine. lh

Lucas Huber

Sägemehl stiebt durch die Luft, und heulend kreischen die Kettensägen millimetergenau durchs Holz. Norman Altermatt, Chainsaw Carver, also Kettensägenschnitzer, aus Muttenz, arbeitet an einer Rotte Wildschweine. Vor ihm kämpfen zwei hölzerne Hirsche um die Vorherrschaft.

Teil der viertägigen Waldtage, die vergangenes Wochenende im und am Wald bei Arisdorf stattfanden, war die Schweizer Meisterschaft im Kettensägenschnitzen. Das Staunen der Zuschauer ist genauso gross wie die Präzision, die die Wettkämpfer mit dem vermeintlich grobschlächtigen Werkzeug zelebrieren. Die Skulpturen wurden übrigens versteigert.

Faszination Adler

Einen Steinwurf weiter erklärt die Greifvogelwarte Buchs die Faszination von Stein- und Weisskopf-Seeadler. Die imposanten Tiere sorgen für jenes Staunen, das auch die eigens für die Waldtage erstellte Hängebrücke mit sich brachte. Buben fechten lieber mit Stöcken, als den Ausführungen Leander Highs zuzuhören. Der Mann von der Bodenschutzfachstelle erklärt gerade die Bedeutung von Regenwürmern für den Waldboden. Andere Kinder hören ihm dabei aber gespannt zu. High geht es darum, dem Nachwuchs zu erklären, wie wichtig der Waldboden ist, «und dass wir Sorge zu ihm tragen müssen.»

Dann lockt er seine Zuhörer zu einem hohlen Baumstumpf, schickt die Kinder an, ein Ohr auf das Holz zu legen und das andere, daran zu klopfen. Die Begeisterung ist gross, als das vermeintlich tote Holz zum klangvollen Resonanzkörper wird. Im Hintergrund röhren die Kettensägen.

Highs Posten zum Thema Waldboden ist nur einer von insgesamt 36, die zusammen den Parcours der Waldtage 2015 bilden. Während vier Tagen marschierten zahlreiche Schulklassen mit über 2000 Kindern und zahllose Familien über den drei Kilometer langen Weg durch den Baselbieter Mischwald. Rund 200 Helfer, deren Angehörige und zugewandte Orte machten den Grossanlass möglich.

Schwindelfrei den Baum hinauf

Die Waldtage, das ist Vermittlung von schulischem Wissen einerseits; und das ist Erleben und Ausprobieren von nicht Alltäglichem andererseits. So erklärt Peter Saboz vom Amt für Wald beider Basel den Besuchern spielerisch die Schutzfunktion des Waldes.

Derweil klettert die elfjährige Malena schwindelfrei und in einem Tempo eine Buche hoch, als gäbe es nichts Leichteres. Von knapp 20 Metern über dem Boden grinst sie hinunter. Angst? «Nö.» Kaum abgeseilt und unten angekommen, wuchtet sie sich schon den nächsten Stamm hinauf.

Einen Posten weiter hat sich Dreikäsehoch Livio einen Mini-Menzi-Muck-Bagger erkämpft und versetzt nun Häuflein von Hackschnitzeln. Ein paar Schritte nebenan testet Leo seine Jagdfähigkeit als Grosses Mausohr und fängt sich einen Käfer im raschelnden Laub allein nach Gehör. Als Belohnung erhält er eine «echte» Gummifledermaus.

Und im Hintergrund heulen die Kettensägen.