Party-Verbot
Wenn der Weihnachtsmann das Tanzbein schwingt

Das Baselbieter Ruhetagsgesetz verbietet Tanzen an Weihnachten – das Gesetz wird aber locker gehandhabt.

Birgit Günter
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Wilde Partys am heiligen Weihnachtstag – da sträuben sich manchem besinnlich denkenden Menschen die Nackenhaare. Im Kanton Baselland gilt darum auch ein strenges Ruhetagsgesetz: Erlaubt sind am 25. Dezember fast keine Veranstaltungen ausser Gottesdiensten. Tanzanlässe beispielsweise sind verboten.

Doch so wirklich streng befolgt wird das Gesetz nicht, wie ein Blick auf das Partyangebot am Weihnachtstag zeigt: Es finden sowohl im liberaleren Basel wie auch im restriktiven Baselbiet diverse Partys statt. Etwa im Musikpark A2, der auf Münchensteiner Boden liegt. Oder im Liestaler Club Modus.

Grosse Lust auf Abtanzen

«Die Lust auf Party am Weihnachtstag ist gross», betont Ben Samo vom Verein Modus. Das Haus sei in der Regel ausverkauft. Dass am 25. ein Tanzverbot gilt, ist ihm und den Partygängern bewusst: «Bis um Mitternacht stehen dann halt alle herum», erzählt er.

Punkt 24 Uhr, wenn das Tanzverbot aufgehoben sei, gehe es dafür richtig los, berichtet Samo. Interessant ist: Die meisten Partys werben zwar mit weihnachtlich klingenden Namen à la «Xmas Night» oder «Süsser die Beats nie klingen» – aber so wirklich weihnachtlich gelaunt seien die Gäste selten. «Die Leute haben am Weihnachtstag schon genug von der Besinnlichkeit und lassen diese zu Hause», erzählt Samo.

Gemeinden kontrollieren Ruhetage

Und was, wenn jetzt doch jemand schon vor Mitternacht auf Baselbieter Boden das Tanzbein schwingt? «Für den Vollzug der Ruhetagsgesetzgebung sind grundsätzlich die Gemeinden zuständig», erklärt Sibylle Schmid vom Kiga Baselland. Sie betont, dass gemäss geltendem Gesetz Partygänger am 25.Dezember im Kanton Baselland tatsächlich auf den Discobesuch verzichten müssten. Und dass das Ruhetagsgesetz keine Ausnahmen vorsieht.

Aber die Gemeinden haben offenbar wichtigere Sorgen – sonst würden wohl kaum in Liestal, Münchenstein oder etwa Grellingen in aller Öffentlichkeit Anzeigen für den Partybesuch am 25. werben. So richtig Angst haben, dass dann gleich die Polizei aufkreuzt und die Partygänger im Knast landen, müssen die Tanzbegeisterten wohl nicht.

Neues Gesetz ist liberaler

In Zukunft ist das Baselbieter Tanzverbot sowieso passé: Im überarbeiteten Ruhetagsgesetz, das am 1. Januar 2011 in Kraft tritt, werden Discos am Weihnachtstag erlaubt sein. Wörtlich heisst es gemäss Paragraf sechs, dass Musikveranstaltungen im Freien untersagt sind. «Wenden wir den Umkehrschluss an, heisst das: Musikveranstaltungen in geschlossenen Räumen sind erlaubt, sofern sie die öffentliche Ruhe nicht grundsätzlich stören», führt Sibylle Schmid aus. Das neue Ruhetagsgesetz ist darum ein bisschen liberaler.

Die Punkte der Ruhetagsgesetze sorgen schweizweit für Diskussionen. Der Kanton Luzern hat neu auch das Tanzverbot an hohen Feiertagen aufgehoben. Viel geändert hat sich aber bisher nicht. Ob mit dem Wegfall des Tanzverbots das Baselbiet plötzlich zur grossen Partymeile wird, darf wohl ebenfalls bezweifelt werden.