Photo 14
Wenn die Welt stillsteht – Baselbieter Fotografin stellt ihre Arbeit aus

Judith Hirsbrunner zeigt ihre Werke an der grössten Foto-Ausstellung der Schweiz. Es sei für sie eine grosse Ehre und einer ihrer grössten Erfolge. Die Reigoldswilerin ist ausgebildete Foto-Fachfrau und hat ein eigenes Studio in Basel.

Jeremias Schulthess
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Jungfotografin Judith Hirsbrunner stellt ihre Fotos aus
13 Bilder
Graziöse Ballett-Prinzessin meets Männer in Badehosen. Auch hier steht die Gruppenkonstellation im Vordergrund.
Judith Hirsbrunner: Hier steht für einmal die Fotografin vor der Kamera.
Einen „Wasserschal“ um den Hals. Für dieses Foto liess Hirsbrunner einen Wasserballon platzen. Das Foto musste dann im richtigen Moment geschossen werden – wie man sieht, ist es geglückt.
„Slow Down“ heisst die Serie. Es geht darum, einen Moment zu erhaschen, den man sonst mit blossem Auge nicht sieht.
Dieses Model posiert in Manier einer Kugelstosserin. Die Kugel besteht allerdings aus Wasser.
Beim Radfahren kommt Man(n) schnell ins Schwitzen.
Ein Zylinder aus Wasser.
Aus Haute-Couture macht Hirsbrunner „Plastic-Couture“.
Ein Plastik-Gewand als Kontrast zur überzogenen Fashion-Welt.
Zwischendurch kann man sein Kleid auch knacken lassen.
Sieht aus wie aus einer Shampoo-Werbung. Hirsbrunner nennt es „Pure“.
Laszive Blicke beim Foto-Shooting.

Jungfotografin Judith Hirsbrunner stellt ihre Fotos aus

bz Basellandschaftliche Zeitung

Gebannt blickt Judith Hirsbrunner durch den Sucher ihrer Digitalkamera. Alles ist bereit. Klick. Dann ist das Foto im Kasten. Und sie sieht sofort: Es ist geglückt. Ein halbes Jahr hat Judith Hirsbrunner alles vorbereitet. Innert einer Millisekunde ist der Moment vorbei.

Aber der Aufwand hat sich gelohnt: Das Bild zierte das Cover verschiedener Fotografie-Zeitschriften. Und es brachte die Baselbieterin an die Werkschau für Schweizer Fotografie: Photo 14 in Zürich.

Vom 10. bis 14. Januar dürfen Besucher der Ausstellung die Werke von über 120 Fotografen bestaunen. Auf einer Fläche von über 3500 Quadratmeter werden Fotos aus verschiedenen Themenbereichen ausgestellt. Die Photo 14 bietet damit einen aktuellen Überblick über das fotografische Schaffen in der Schweiz. Aus dem Ausland sind auch einzelne Fotografen dabei. Wer seine Werke in der Zürcher Maag Halle ausstellen darf, hat einen grossen Karrieresprung geschafft.

Abschluss mit Auszeichnung

An der Ausstellung teilzunehmen, ist für Hirsbrunner eine «grosse Ehre» – einer ihrer grössten Erfolge. Die Fotografien für die Werkschau entstanden im Rahmen ihrer Abschlussarbeit für Fotodesign. Hirsbrunner absolvierte ihre Ausbildung an der Luzi Akademie in Stuttgart und erhielt eine Auszeichnung für die beste Leistung.

Das Fotografieren ist für sie eine stetige Herausforderung. «Es reizt mich, eine Idee von A bis Z umzusetzen.» Die kreative Arbeit mache ihr Spass, sagt sie. Ob es Kunst sei, was sie mache, lässt sie andere beurteilen. «Kunst, Fotografie, Foto-Design – die Leute dürfen es als das sehen, was sie möchten.»

In Zürich zeigt sie zwei Teilserien ihrer Arbeiten. «Slow down» nennt sie das eine Projekt, das lustigerweise mit Highspeed-Fotografie entstand. «Ich möchte damit die Schnelllebigkeit unserer Zeit thematisieren.» Hirsbrunner wollte mit ihren Fotografien die Momente erhaschen, die man sonst mit blossem Auge nicht sehen kann. «Die Welt steht in diesem Moment still. Das wollte ich zeigen.»

Die Wasser-Fotos waren sehr anspruchsvoll umzusetzen, erzählt Hirsbrunner. Sie liess jeweils einen Wasserballon platzen und musste mithilfe eines automatischen Auslösers ein Bild schiessen. Dabei gab es nur einen Versuch. Denn: Nach dem Platzen der Ballons waren die Kleider nass und das Make-up futsch. Zum Glück klappte alles einwandfrei. Und die Models haben beim Blitz nicht die Augen zugekniffen.

Mit Höhenflug in die Werbung

Aufgewachsen ist Hirsbrunner in Reigoldswil, jetzt wohnt sie in Oberwil. Ihr Talent für Fotografie erkannte sie schon früh und machte daraus ihren Beruf. Nach der Ausbildung zur Foto-Fachfrau arbeitete sie bei verschiedenen Fotografen und Zeitungen. Dann eröffnete sie ihr eigenes Studio in Basel. Hauptsächlich bearbeitete sie private Aufträge, wie Porträts.

Mit der Ausbildung als Fotodesignerin, will sie mehr konzeptionelle Arbeiten ausführen, die ihre Kreativität fordern. Nach dem jetzigen Höhenflug dürfte das auch funktionieren. Sie möchte in der Werbung arbeiten. Daneben bleibe immer noch etwas Zeit für eigene Projekte, hofft sie.

Sie arbeite gerne mit Menschen, sagt Hirsbrunner. An der Foto-Design-Hochschule in Stuttgart hat sie noch weitere aufwendige Arbeiten geleistet. Beispielsweise fotografierte sie Models in eigens dafür angefertigten Plastik-Kleidern. Statt «Haute-Couture» zeigt Hirsbrunner «Plastic-Couture». Die Bilder müssten jedoch nicht immer einen tieferen Sinn ergeben – ihr sei wichtig, dass die Bilder visuell überzeugen.