Verbundsfeuerwehren
Wenn man zum Brände löschen ins Nachbardorf muss

In vielen Ortschaften im Baselbiet gibt es zu wenige Feuerwehrleute. Deshalb haben sich in den letzten Jahren vielerorts Dorffeuerwehren zusammengeschlossen. Durch eine Fusion soll im Leimental bereits der dritte kantonsübergreifende Verbund entstehen.

Dimitri Hofer
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Vielerorts im Baselbiet leisten Feuerwehrleute aus verschiedenen Gemeinden ihren Einsatz. Pratteln hingegen gehört zu den Ortschaften, die noch eine eigene Feuerwehr haben.

Vielerorts im Baselbiet leisten Feuerwehrleute aus verschiedenen Gemeinden ihren Einsatz. Pratteln hingegen gehört zu den Ortschaften, die noch eine eigene Feuerwehr haben.

Keystone

Die drei Gemeinden Rodersdorf, Metzerlen-Mariastein und Burg im Leimental haben ein gemeinsames Problem: Sie bekunden Mühe, für ihre Dorffeuerwehren genügend Personal zu finden. In den Ortschaften sind die eigenständigen Feuerwehrorganisationen zudem ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor.

An den Gemeindeversammlungen im Dezember stimmen die Bewohnerinnen und Bewohner der Dörfer deshalb über eine Neustrukturierung ihres Feuerwehrwesens ab. Aus den drei Ortsfeuerwehren soll die gemeinsame Feuerwehr Chall entstehen – ein Zusammenschluss, wie es ihn vielerorts im Baselbiet bereits gibt. Im gesamten Kantonsgebiet existieren derzeit 19 Feuerwehrverbünde, deren Ziel überall dasselbe ist: Synergien nutzen und dadurch Ausgaben reduzieren. Ein fusionierter Betrieb soll einen tieferen Kostenbeitrag pro Gemeinde ermöglichen.

«Brauchten wir bisher drei Kommandanten, wird künftig nur noch einer nötig sein. Ausserdem ist es nicht mehr notwendig, dass in jeder Gemeinde dieselbe Ausrüstung vorhanden ist. So können wir Einsparungen erzielen», erklärt Thomas Eglauf, Kommandant der Feuerwehr Metzerlen-Mariastein und Präsident der Arbeitsgruppe, welche die Zusammenlegung ausarbeitet. Die Statuten befinden sich momentan zur Vernehmlassung bei den Gemeinderäten von Rodersdorf, Metzerlen-Mariastein und Burg im Leimental. Bevor der Souverän dann an den Gemeindeversammlungen entscheiden kann, müssen erst noch die Gebäudeversicherungen der Kantone Solothurn und Baselland ihren Segen geben. Wie bei der Feuerwehr Augst-Kaiseraugst und der Feuerwehr Wisenberg handelt es sich bei der Feuerwehr Chall um einen interkantonalen Verbund. Das Baselbieter Augst und das Aargauer Kaiseraugst legten als Erste schon im Jahr 1999 ihre Feuerwehren zusammen und waren damit Pioniere.

Alle erhalten den gleichen Sold

Ersetzt die Feuerwehr Chall am 1. Januar 2018 im Leimental die drei Dorffeuerwehren, wird die Solothurnische Gebäudeversicherung die Oberaufsicht über den Zweckverband haben. «Bei kantonsüberschreitenden Verbünden gibt man die Aufsicht an einen der Kantone ab», sagt der Baselbieter Feuerwehrinspektor Werner Stampfli. Da mit Rodersdorf und Metzerlen-Mariastein die Solothurner Gemeinden in der Überzahl sind, ist Solothurn zuständig. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch künftig bei Einsätzen in Burg im Leimental die Baselbieter Polizei beigezogen wird. Bei Einsätzen in Rodersdorf und in Metzerlen-Mariastein rückt weiterhin die Solothurner Polizei aus.

Eine Veränderung wird es hingegen beim Sold der einzelnen Feuerwehrleute geben. Aktuell kriegen diese in den Gemeinden Rodersdorf, Metzerlen-Mariastein und Burg im Leimental noch unterschiedlich viel Geld. «In unserem Zweckverband werden alle Personen den gleichen Sold erhalten», sagt Thomas Eglauf. Nach der Fusion ist die Feuerwehr Chall eine Feuerwehr der Kategorie 2, was bedeutet, dass sie über einen Mannschaftsbestand von 40 bis 45 Personen verfügt.

Zu einem Personalabbau soll es durch die Fusion nicht kommen. «Wir möchten mit den derzeitigen Feuerwehrleuten aller drei Dörfer weitermachen», erklärt Thomas Eglauf. Aktuell erreiche seine Feuerwehr Metzerlen-Mariastein den Sollbestand nicht. Die für den Verbund notwendigen Personen kriege man aber zusammen. Der verbundsinterne Stützpunkt wird sich künftig in Metzerlen-Mariastein befinden, wo auch das Reservematerial gelagert wird. Die Magazine in den beiden anderen Gemeinden bleiben jedoch bestehen.

Ausbildung in Balsthal

Abgesehen vom angepasstem Sold und den neuen Kollegen werden die Feuerwehrleute bei der Feuerwehr Chall in ihrem Alltag kaum Veränderungen spüren. «Ein Feuerwehrschlauch bleibt schliesslich ein Feuerwehrschlauch», so Thomas Eglauf. Schon heute würden die Feuerwehrleute in den Kantonen Baselland und Solothurn ihre Ausbildung am selben Ort absolvieren, nämlich am Interkantonalen Feuerwehrausbildungszentrum in Balsthal, ergänzt Feuerwehrinspektor Werner Stampfli.

Eine interkantonale Fusion bereits hinter sich hat die Feuerwehr Wisenberg, zu der die Baselbieter Gemeinden Zeglingen, Rünenberg und Kilchberg sowie das Solothurner Dorf Wisen gehören. Kommandant Simon Itin ist nach einem knappen Jahr sehr zufrieden: «Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht.»