Neues Projekt
Wenn Manager im Wald arbeiten und Bäume fällen

Wie funktioniert ein Tag zur Team-Entwicklung und Inspiration im Wald? Forstingenieur Simon Czendlik erklärt den Anlass, an dem die Teilnehmer aus den verschiedentsten Branchen stammen.

Simon Tschopp
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«Die Tendenz in der Wirtschaft vom unbegrenzten Wachstum bis fast zum Exzess steht im Gegensatz zur Natur.» Simon Czendlik, Forstingenieur und Betriebsleiter im Forstrevier Oberer Hauenstein

«Die Tendenz in der Wirtschaft vom unbegrenzten Wachstum bis fast zum Exzess steht im Gegensatz zur Natur.» Simon Czendlik, Forstingenieur und Betriebsleiter im Forstrevier Oberer Hauenstein

Herr Czendlik, worum geht es bei diesem Waldtag?

Simon Czendlik: Er richtet sich an Leute, die in der Wirtschaft in Kaderfunktionen und Personalführung tätig sind. Die Bildungswerkstatt Bergwald ist schon länger in diesem Bereich tätig mit Arbeitseinsätzen im Wald, die sich primär an Jugendliche richten. Durch erfolgreiche Freiwilligentage mit Firmen kam die Idee auf, ein Angebot ebenfalls für Kaderleute zu entwickeln – mit Themen, mit denen sich auch Personen in Management- oder Führungsfunktionen auseinandersetzen.

Welche?

Ich nenne zwei Beispiele: Schwarmintelligenz mit einem Blick auf einen Ameisenhaufen oder Strategieentwicklung anhand der Natur. Wie sind Ameisen organisiert, was kann man aus deren Verhalten für sich ableiten? Wie kann man Strategien ummünzen und in den eigenen Geschäftsalltag einfliessen lassen? Da sind oftmals Metaphern gefragt.

Aus welchen Branchen stammen die Teilnehmer?

Von Banken, Versicherungen und Pensionskassen, es können auch Handwerker darunter sein, die KMU leiten. Die Zielgruppe ist sehr breitgestreut und uns erst am Mittwochmorgen bekannt. Ziel ist, dass die Kaderleute ihren Kopf lüften können, inspiriert werden und spüren, wie sinnvolle Arbeit im Wald ihnen und ihrem Team guttut und eine wertvolle Basis schafft für die anstehenden Prozesse in ihrer Firma. Der Waldtag wird kein trockenes Seminar in einem geschlossenen Raum. Die Teilnehmenden bewegen sich in einem total anderen Kontext als in ihrem Berufsalltag. Hinzu kommt körperliche Aktivität im Wald.

Wie läuft der Tag ab?

Die Leute treffen sich am Morgen und lernen sich während einer Vorstellungsrunde kennen. Dieser Austausch soll das Eis brechen, weil sich viele erstmals sehen. Nach einem kurzen moderierten Input folgt das erste Workshop-Element mit der Team-Entwicklung beim Handholzen. Eine Gruppe steht an einem Baum und muss diesen gemeinsam fällen.

Das klingt banal ...

... ist aber gar nicht so einfach. Im Moment, in welchem man zu zweit einen Baum fällt, ist koordinierte Arbeit gefragt. Mit der Zweihandsäge müssen die Bewegungen synchron erfolgen. Nach getaner Arbeit, einem Erfolgserlebnis, kommt man zusammen, bespricht die Situationen und wertet aus. Nach dem Holzfäller-Picknick im Wald geht’s am Nachmittag darum, Erfolgsstrategien aus der Natur herauszulesen.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem
Projekt?

Die Leute sollen sich Inspiration aus der Natur holen, aber auch eine gewisse Wertschätzung gegenüber der Natur entwickeln. Das ging in den vergangenen Jahren ein bisschen verloren. Die Tendenz in der Wirtschaft vom unbegrenzten Wachstum bis fast zum Exzess steht im Gegensatz zur Natur. Hier sieht man, dass es im gesunden Mass so nicht geht. Wir müssen das ideale Mittelmass finden.

Haben Sie weitere Erwartungen?

Mit diesem Waldtag können wir unsere Projekte diversifizieren. Wir haben einen Auftrag gegenüber der Öffentlichkeit, um Leute zu sensibilisieren. Mit dem Waldtag vom Mittwoch, der ein absolutes Novum ist, wollen wir das auf einer neuen Ebene angehen mit Leuten, die in der Wirtschaft Entscheidungsträger sind.

Ein solches Erlebnis könnten Sie auch Politikern unterschiedlichster Parteicouleur anbieten.

Genau, das wäre das Beste, das wir uns wünschten. Damit könnten wir die gesetzgebenden Politiker beeinflussen und diese für Umweltanliegen gewinnen, wo die Forstwirtschaft im Gegensatz zur Landwirtschaft zu kurz kommt.

Gibt es auch das Umgekehrte zu Ihrem neusten Projekt – dass Förster und Forstwarte einen Tag im Büro verbringen?

Sicher, und das ist auch notwendig. Das eine schliesst das andere nicht aus. Wichtig ist, dass man aus der eigenen Komfortzone hinauskommt und mal in einem anderen beruflichen Umfeld schnuppert.