Riehen
Wenn Weihnachtsbäume fliegen lernen

Die Werfergruppe des Turnvereins lud zum ungewöhnlichen Event mitten im Dorfkern. Zum dritten Mal hat die Werfergruppe des Turnvereins Riehen am ersten Samstag nach Neujahr nun ein Weihnachtsbaumwerfen organisiert.

Rolf Spriessler-Brander
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Bei der Weihnachtsbaum-Challenge in Riehen traten auch gestandene Leichtathleten an. Juri Junkov

Bei der Weihnachtsbaum-Challenge in Riehen traten auch gestandene Leichtathleten an. Juri Junkov

«Kann ich noch mitmachen?», fragt Hans-Ueli Iselin kurz vor 14 Uhr, als er auf den Riehener Gemeindehausplatz kommt, «Selbstverständlich», erhält der Präsident des Aargauischen Ärzteverbandes, Ehemann der Riehener Gemeinderätin Maria Iselin, zur Antwort – und bringt die Bestweite nochmals ins Wanken. «Das ist ein super Event», lobt er, «da muss ich einfach dabei sein.» Zum dritten Mal hat die Werfergruppe des Turnvereins Riehen am ersten Samstag nach Neujahr nun ein Weihnachtsbaumwerfen organisiert und diesmal auf die ausdrückliche Einladung der Polit-Prominenz verzichtet. Rund hundert Leute nahmen am Weitwerfen teil, viele Junge traten zum Plausch gleich mehrmals an und sorgten trotz nasskaltem Wetter für regen Betrieb.

Starke Leichtathletik-Cracks

Der Auftritt von Hans-Ueli Iselin war eine Ausnahme – diesmal stand die Sportwelt ganz im Vordergrund. «Diesen Weg sind wir ganz bewusst gegangen», sagt OK-Mitglied Raphael Schüle, der sich vorstellen kann, in Zukunft auf eine solche kreative Weise auch andere Disziplinen «zu den Leuten» zu bringen und damit den Kontakt der Leichtathletik zur Bevölkerung zu intensivieren. Prominenter Gast war der 17-jährige Liestaler Gregori Ott, U18-Schweizerrekordhalter im Kugelstossen und Diskuswerfen und derzeit eine der grössten Nachwuchshoffnungen der Schweizer Leichtathletik.

Ott hat sich soeben von einer Bänderverletzung am Fuss erholt und folgte der Einladung seines neuen Riehener Trainingspartners Nicola Müller gerne. Von Speerspezialist Nicola Müller war zu erfahren, dass er körperlich so fit sei, wie noch nie in dieser frühen Trainingsphase, dass er technisch enorme Fortschritte gemacht habe, dass er auf den Winter-Wurf-Europacup verzichte und erst am 1. Mai in Basel in die Saison 2012 starten wird. Neben Ott und Müller traten verschiedene weitere Leichtathletinnen und Leichtathleten zum Plausch-Wettkampf an und es zeigte sich, dass nicht nur reine Werferqualitäten gefragt sind, wenn es darum geht, einen Tannenbaum möglichst weit zu werfen.

Und so war es nicht «Topfavorit» Nicola Müller, der die schwerste Tanne am weitesten weg beförderte, sondern Jan Kuratli, ein vom Niveau her deutlich schwächer eingestufter Vereinskollege.

Ein Brauch aus Skandinavien

In erster Linie war die 3. Riehener Weihnachtsbaum-Challenge ein Treffpunkt im geschäftigen Dorfkern. Inspiriert worden sind die Riehener bei ihrem Event von einem Brauch, der aus dem skandinavischen Raum kommt, mittlerweile aber auch in Mitteleuropa Fuss gefasst hat. So ist das Weihnachtsbaumwerfen nicht nur als Marketing-Gag einer Möbelhauskette bekannt – es gab auch schon in verschiedenen Ländern nationale Meisterschaften bis hin zu einer inoffiziellen Weltmeisterschaft. Hintergrund dazu ist, dass in Schweden und Norwegen am St.-Knut-Tag, dem 13. Januar, die Weihnachtszeit endet und als Symbol des Aufräumens die Weihnachtsbäume im wahrsten Sinn des Wortes weggeworfen werden – mal mehr und mal weniger weit.