Ricola-Kräuterzentrum
Wer hats erfunden? - Ein Laufner Bäckermeister

Das berühmteste Schweizer Bonbon hat seine Wurzeln in Laufen. Mittlerweile ist die dritte Generation am Ruder des Unternehmens. Heute ist Spatenstich für das neue Ricola-Kräuterzentrum.

Benjamin Wieland
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Bekennt sich zu Laufen: Bonbonhersteller Ricola.

Bekennt sich zu Laufen: Bonbonhersteller Ricola.

bz

Emil Richterich war Bäckermeister. Eigentlich. Denn Süssigkeiten hatten es ihm offenbar mehr angetan als Nussgipfel. In seiner Bäckerei im Laufner Städtli begann er damit, Bonbons zu kochen – mit Erfolg: 1930 gründete er die Confiseriefarbrik Richterich & Compagnie Laufen, die heutige Ricola AG. Mittlerweile hat die dritte Generation das Ruder in der Hand. Aus der ehemaligen Bonbonkocherei ist ein global tätiges Unternehmen geworden. Ricola exportiert heute Kräuterzucker in die halbe Welt und beschäftigt über 400 Mitarbeiter.

Das Unternehmen ist Emil Richterichs Geburtsort Laufen treu geblieben – und bekennt sich zum Standort: Heute, Mittwochvormittag, findet an der Laufenstrasse der Spatenstich zum neuen Kräuterzentrum statt. Dort soll ab Mitte 2014 die Verarbeitung der biologisch angebauten Kräuter stattfinden. Bisher wurde der für die Firma ausserordentlich wichtige Rohstoff dezentral bearbeitet, sprich: bei den über hundert Landwirtschaftsbetrieben in der ganzen Schweiz.

Wie es zum diskreten Familienunternehmen gehört, lässt es sich zum Neubau nur wenig entlocken: Im Gebäude würde eine moderne Produktionsanlage eingebaut, was unter anderem Energie sparen helfe, gibt die Medienstelle zur Auskunft. Zu den Kosten heisst es lediglich, die Investitionen würden in der über 80-jährigen Firmengeschichte einen «respektabel grossen Schritt» darstellen.

Berühmte Hausarchitekten

Kein Firmengeheimnis ist hingegen der Name des ausführenden Architekturbüros: Das Gebäude wurde von Herzog & de Meuron entworfen. Wer nun meint, Ricola habe sich das Basler Starduo eingekauft, um damit ein wenig mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen, täuscht sich: HdM, wie das Büro in Architekturszene genannt wird, steht schon Jahrzehnte in Richterichs Diensten, lange vor St.Jakob-Park, Allianz-Arena und Pekinger «Vogelnest»: 1980 bauten Herzog & de Meuron das Wohnhaus Alfred Richterichs um, einer der beiden Söhne des Firmengründers Emil Richterich.

Seither folgte ein halbes Dutzend weitere Projekte. Das Auffälligste ist das Lagerhaus aus dem Jahr 1987 mit der lamellenartigen Holzfassade. «Die Familie steht mit den Architekten in einem freundschaftlichen Verhältnis», sagt Firmensprecher Bernhard Christen. Wenig verwunderlich dass Jacques Herzog und Pierre de Meuron anwesend sein werden, wenn Ricola-CEO Felix Richterich den ersten Spatenstich ausführt.

Ricola als Botschafterin

Nicht fehlen wird auch der Laufner Stadtpräsident Alex Imhof, der die Bedeutung des Unternehmens für Laufen betont: «Ricola trägt – neben der Keramikfabrik Laufen – den Namen der Stadt in die Welt hinaus.» Die Laufner seien stolz auf Ricola, sagt Imhof, «auch wegen der Nachhaltigkeit, welche die Firma verkörpert.»

Nicht zuletzt beweist das Modell Ricola: Es lohnt sich weiterhin, in der Schweiz zu produzieren.