Arxhof
Wer trägt die Schuld an den Unruhen im Jugend-Massnahmezentrum?

Im Massnahmezentrum Arxhof geht es drunter und drüber. Ein Drittel der Betreuer hat gekündigt. Die Mitarbieter prangern Missstände an. Politiker und Aufsichtsräte besprechen und prüfen nun die Probleme im Massnahmezentrum – nur einer schweigt.

Benjamin Wieland
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Die unruhige Situation auf dem Arxhof wirke sich negativ auf die jungen Straftäter aus, sagen Mitarbeiter.

Die unruhige Situation auf dem Arxhof wirke sich negativ auf die jungen Straftäter aus, sagen Mitarbeiter.

Hanspeter Baertsch

13 von 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Baselbieter Massnahmezentrums Arxhof haben seit August ihre Stelle gekündigt. Fast ein Drittel also. Zahlen, die nicht gerade für den neuen Direktor Peter Ulrich sprechen, und auch nicht für dessen Vorgesetzten, den Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber. Zumal Letzterer gemäss Informationen der bz bereits seit Dezember von den vielen unzufriedenen Mitarbeitern weiss.

Im März wendeten sich mehrere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter nochmal in einem eindringlichen Brief an Reber. Sie kritisieren darin «mobbingähnliche Mittel», um unliebsame Stimmen «aus der Institution zu drängen». Das schlage sich auch auf die Heimbewohner nieder: Sie würden offen Drogen konsumieren und sich bedrohlich verhalten.

Überrascht

Die Mitglieder der landrätlichen Sicherheitskommission treffen sich heute Montag zu einer Sitzung. Zwangsläufig wird der Arxhof zur Sprache kommen, obwohl dieses Thema nicht auf der Traktandenliste steht. Man hatte von den Problemen in diesem Ausmass nichts gehört oder gewusst. Auf Anfrage der bz sagen die meisten, sie müssten sich zunächst noch genauer informieren. «Ich habe keine vertieften Kenntnisse», sagt Andreas Dürr (FDP), Präsident der Justiz- und Sicherheitskommission. Nun gelte es abzuklären, «ob die vielen Kündigungen eine Folge der gewollten Konzeptänderung sind oder ob es dafür auch andere Ursachen gibt, tatsächliche Missstände».

Zufälligerweise trifft sich heute auch die Aufsichtskommission des Massnahmezentrums für junge Erwachsene Arxhof. Die bz hat bereits gestern vier Mitglieder um Auskunft gebeten, doch vor der gemeinsamen Absprache will niemand offiziell Stellung beziehen. Ein Mitglied lässt jedoch seine Meinung durchblicken: Die Vorwürfe seien unwahr. Da wollten Mitarbeiter, die mit dem Systemwechsel nicht einverstanden sind, dem neuen Direktor schaden. Ohne mit eigenem Namen zu den Vorwürfen zu stehen. Der Hauptverantwortliche, Sicherheitsdirektor und Aufsichtskommissions-Präsident Isaac Reber, war gestern weiterhin für keine Stellungnahme erreichbar. (spe)

System- und Leitungswechsel

Der Arxhof durchlebt eine wechselvolle Phase. Das Prinzip des konsequent offenen Vollzugs steht auf dem Prüfstand. Ein Gebäude soll zu einer geschlossenen Abteilung umgebaut werden. Der Auftrag hierzu kam jedoch nicht von Ulrich, sondern von der Baselbieter Regierung. Sie begründete dies damit, dass immer mehr Klienten - Straftäter zwischen 17 und 25 Jahren - in einem Zustand auf dem Arxhof ankämen, der einen offenen Massnahmenvollzug kaum zulasse.

Zur inneren Unruhe führten auch die vielen Leitungswechsel: Ulrich ist bereits der dritte Direktor, seit im Februar 2014 der langjährige Leiter Renato Rossi in den Ruhestand getreten ist. Fast gleichzeitig mussten dreiviertel der überalterten Direktion ersetzt werden.

Rossis Nachfolger, Ursicin Poltera, war nur etwas mehr als ein Jahr im Amt. Im März 2015 verkündete die Baselbieter Sicherheitsdirektion (SID), dass das Arbeitsverhältnis mit ihm mit sofortiger Wirkung und einvernehmlich aufgelöst werde. Er erhielt eine Abgangsentschädigung; über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart. SID-Direktor Isaac Reber erklärte, die Direktion habe sich nicht so entwickelt, wie sich das beide Seiten vorgestellt hätten.

Am 16. September desselben Jahres wurde Peter Ulrich als neuer Direktor vorgestellt. Er übernahm das Amt von der interimistischen Leitung per Januar 2016. Im Communiqué zu Peter Ulrichs Ernennung hiess es, man habe eine gute Wahl getroffen: wegen «seiner Persönlichkeit und seines Werdeganges». Ulrich ist ein Quereinsteiger im Strafvollzugsbereich. Doch in der Sozialbranche hat der promovierte Psychologe jahrzehntelange Führungserfahrung. Vor seiner Ernennung zum Arxhof-Direktor präsidierte er die Geschäftsstelle des Verbands sozialer Unternehmen beider Basel , zuvor war er 14 Jahre Geschäftsführer der Gesellschaft für Arbeit und Wohnen in Basel. Von 1994 bis 1996 war er zuständig für die Neuorganisation von Cikade Basel, einer Fachklinik für Drogenentzug.

Der «Basler Zeitung» sagte Ulrich im vergangenen Juni, ihm sei bewusst, dass der Arxhof viele Anforderungen an den Direktor stelle. Es sei ein Ort, «an dem es ab und zu rumpelt.»