SBB
Widersprüchliche Infos ärgern Pendler

Die SBB hat ein Problem: Drei Störungen, zwei davon gleichzeitig, legten am Montag den Zugverkehr rund um Basel lahm. Die SBB zeigt sich reuig.

Daniel Haller
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Gleis16, Basel, Montagabend: Zuerst hiess es auf der Anzeigetafel, die S3 um 19.37 nach Laufen habe 9 Minuten Verspätung. Plötzlich war die Anzeige weg, der nächste Zug 20.01 nach Olten erschien auf der Tafel. Keine Durchsage. Die Leute waren verwirrt, viele gingen aufs Tram.

Olten: Der Intercity 19.05 nach Basel fehlte auf der Anzeigetafel. Der Interregio 19.12 nach Basel war zuerst angezeigt, musste aber einem «Nicht einsteigen» weichen.

Der Lautsprecher schickte die Wartenden auf Gleis 11. Auch dort hiess es «Nicht einsteigen». Erneute Durchsage: «S3 auf Gleis 2». Dort erwartete die Pendler gemäss Mathieu Klee aus Liestal, der die Perron-Odyssee auf onlinereports.ch schildert, ein Ersatzzug.

Dieser musste dann in Richtung Solothurn über Olten Hammer wenden gehen, damit er überhaupt auf ein Gleis in Richtung Basel kam. Ankunft in Liestal: 57 Minuten Verspätung.

Lenzburg: Der direkte Intercity, der Zürich um 18.02 Richtung Basel verlassen hatte, wendete in Lenzburg und fuhr über den Bözberg nach Basel. Per Lautsprecher entschuldigte sich der Zugführer und nannte eine Fahrleitungsstörung als Grund. Bei Ankunft in Basel mit einer Dreiviertelstunde Verspätung war der Anschlusszug nach Frankfurt weg.

Liestal: Eine Pendlerin fand um 19.30 einen Bahnhof vor, in dem die Anzeigetafeln ausser Gefecht waren. «Ich hatte Glück: Nach kurzer Zeit kam ein Zug mit normalen SBB-Waggons, der in Richtung Olten an allen Stationen hielt.»

Weniger Glück hatte sie am Morgen: «Ich wartete wie viele andere in Sissach, um nach Liestal zu fahren. Endlich kam ein Zug. Doch dann gab es eine Lautsprecherdurchsage: Ich stieg wieder aus, weil es hiess, er fahre direkt nach Basel. Kurz darauf rief mich eine Freundin aus dem Zug an und erzählte, er habe in Liestal doch gehalten.»

Zwei Störungen gleichzeitig

Zur beschädigten Fahrleitungsaufhängung am Montagmorgen bei Gelterkinden informierten die SBB via Internet, Durchsagen, Handy sowie Anzeigen und Kundenlenker an den Bahnhöfen. So auch zum Chaos am Abend im Bahnhof Basel: eine heruntergerissene Fahrleitung in Liestal und ein Personenunfall zwischen Laufen und Delémont. Gestern Mittag war der Bahnhof Liestal wegen Nachjustierungen der Fahrleitung eingeschränkt befahrbar, Nonstop-Züge Zürich–Basel leitete man um.

SBB-Sprecher Roman Marti entschuldigt sich bei allen Kunden: Bei einem Zwischenfall müssen die Fachdienste zuerst vor Ort den Sachverhalt klären. «Dann entscheidet die Zugverkehrsleitung, mit welchen Umleitungs- und Ausfall-Massnahmen möglichst wenig Passagiere möglichst wenig Verspätungsminuten in Kauf nehmen müssen.»

Da laufend neue Informationen eintreffen, ob und wie die Strecke befahrbar sei, müsse man bei dieser Planung auch Entscheide revidieren. «Das kann zu verwirrenden oder widersprüchlichen Durchsagen führen.» Bei der Kundenumfrage 2009 hätten die SBB aber für die Informationen bei Störungen bereits bessere Noten als früher erhalten.

Die «Sorry-Checks» im Wert von 10 Franken, die die SBB bei mehr als 60 Minuten Verspätung im Fernverkehr abgeben, gibt es im S-Bahn-Verkehr nicht: «S-Bahnen sind nicht begleitet und so könnten wir nicht feststellen, wer Anrecht auf einen Check hat. Wir haben aber auch schon Sandwiches und Getränke verteilt.»

Ersatzbusse vorbereitet

«Wir haben für jede Strecke Störungskonzepte in der Schublade, die auch definieren, wo wir Ersatzbusse anfordern können», erklärt Marti. Doch auch wenn mit den Busunternehmen Vereinbarungen bestehen, seien die Busse nicht sofort einsatzfähig: «Selbst wenn die Fahrzeuge nicht im Einsatz sind, muss man zuerst Fahrer finden und auf deren obligatorische Ruhezeiten achten. Das ist vor allem in den Hauptverkehrszeiten nicht immer einfach», sagt Marti.