Arlesheim
Widerstand gegen Zonenplan lohnte sich: Grössere Freiheiten für Gewerbler

Der Arlesheimer Gemeinderat kommt nach der Kritik an der Ortsplanrevision dem lokalen Gewerbe entgegnen und erlaubt höhere Bauten.

Tobias Gfeller
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Arlesheim soll laut neuem Zonenplan zu 50 Prozent grün bleiben. (Archiv)

Arlesheim soll laut neuem Zonenplan zu 50 Prozent grün bleiben. (Archiv)

Kenneth Nars

Der Aufschrei beim Arlesheimer Gewerbe war gross, als der Gemeinderat Ende vergangenes Jahr den neuen Zonenplan vorgestellt hatte. Dieser schreibe im Gewerbegebiet zu viel Grün vor und lasse allgemein zu wenig Flexibilität zu. Nach dem öffentlichen Mitwirkungsverfahren, bei dem insgesamt 49 Eingaben zusammenkamen, gab es deshalb auch Kritik an der ersten Fassung des neuen Zonenplans.

Der Gemeinderat hat nun reagiert und am Mittwochabend eine leicht abgeänderte Form des Zonenplans präsentiert. «Der Zonenplan bietet nun viel Gestaltungsspielraum und wenig Einschränkung», betonte Gemeinderat Markus Eigenmann (FDP).

Grösserer Spielraum

Die Gewerbezone im Tal soll ihr bisheriges grünes Erscheinungsbild aber beibehalten. Wie die Unternehmen die Vorgaben umsetzen, darin besteht nun mehr Flexibilität. Die minimale Grünflächenziffer von zehn Prozent kann zum Beispiel mit einheimischer und naturnaher Bepflanzung auf fünf Prozent gesenkt werden. Wie man diese Mindestbegrünung erreicht, darin sind die Unternehmen bis zu einem gewissen Grad frei.

Auch die Flachdachbegrünung wird auf Bitten des Gewerbes neu mit 50 Prozent zur Grünflächenziffer angerechnet. «Wir vergrössern unter gewissen Voraussetzungen den Spielraum», so Eigenmann.

Dies betrifft auch die Gebäudehöhen. Seit dem Mitwirkungsverfahren dürfen die Gebäude in den Gewerbezonen bis drei Meter höher werden als in der ersten Fassung des Zonenplans. Auch gilt neu für das ganze Gewerbegebiet die Möglichkeit des einfachen Quartierplanverfahrens. Dieses ermöglicht höhere Bauten bis zu sechs Metern, die nur vom Gemeinderat und nicht von der Gemeindeversammlung genehmigt werden müssen.

«Man kann so etwas mit dem Gemeinderat aushandeln und aufzeigen, wie man dafür unter anderem die Umgebung gestaltet», erklärte Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller (Frischluft). Auch dies trage zur grösseren Flexibilität bei.

Zu viel oder zu wenig Grün?

Die Informationsveranstaltung in der Aula der Gerenmattschulen stiess auf grosses Interesse. Dass die Ortsplanrevision die Menschen bewegt und dass dabei verschiedene Meinungen aufeinandertreffen, hat die anschliessende Fragerunde gezeigt. Für die einen sind die 50 Prozent, zu denen Arlesheim grün bleiben soll, zu wenig, für andere eindeutig zu viel.

Der Paradigmenwechsel von der Bebauungs- zur Grünflächenziffer benachteilige Besitzer von kleinen Parzellen, klagten zwei Personen. Dies sei eine politische Entscheidung, um die Anreize zur Parzellierung grösserer Flächen zu senken, begründete Gemeinderat Eigenmann.

Dass der neue Zonenplan ausserhalb des Ortskerns überall Flachdächer erlaubt, stiess bei einem älteren Mann auf Unverständnis. «Das wird den Dorfcharakter massiv verändern.»

Die Gemeindeversammlung stimmt am 20. April über die Ortsplanrevision ab.

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