Imker
Wie Bienen den Züchtern den Ertrag sichern

Zuversichtlich blickt Marcel Strub in den sich langsam füllenden Saal. «Ich erwarte 100 Leute», sagte der Präsident des Bienenzüchterverbandes beider Basel vor Beginn des 1. Forums für Obstbau und Imkerei am Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain.

Ueli Frei
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Bienen sind auf den Blüten in Obstanlagen willkommene und nützliche Gäste. Walter Schwager

Bienen sind auf den Blüten in Obstanlagen willkommene und nützliche Gäste. Walter Schwager

Strub sollte sich nicht täuschen. Die Aussicht auf einen gegenseitigen Austausch mobilisierte Imker, Obstbauern und Winzer gleichermassen. Noch vor drei Jahren wäre ein derartiger Anlass kaum möglich gewesen. Obstbauern und Imker lagen sich in den Haaren. Als vor drei Jahren das Feuerbrand-Antibiotikum Streptomycin zugelassen wurde, eskalierte der Konflikt. «Wir gingen auf die Barrikaden», erinnert sich Strub.

Gross war die Angst unter den Imkern, dass zusätzlich zu den Verlusten durch Schädlinge und Krankheiten der Honig mit Antibiotikarückständen verseucht werde. Vor einem Jahr setzten sich die Vorstände des Bienenzüchterverbandes und des Baselbieter Obstverbandes an einen Tisch. Auf sachlicher Ebene sollten die Befürchtungen, Bedürfnisse und Ansprüche diskutiert werden.

In moderne Obstanlagen investiert

Mit den Niederstammanlagen änderten sich die Bedürfnisse der Obstbauern in den letzten Jahren markant. Die Investition in eine moderne Obstanlage beläuft sich auf rund 100000 Franken pro Hektare. «Diese Kosten müssen wieder eingespielt werden», gab Martin Linemann, Obstbauberater am LZE, zu bedenken. Der aus der Bestäubung resultierende Ertrag sei entsprechend wichtig.

Bei den Kirschen steigert der Bienenbeflug den Ertrag um die Hälfte. Um moderne Obstkulturen wirksam zu bestäuben, braucht es vier bis sechs Bienenvölker pro Hektare. In der Region herrscht heute die so genannte Standortimkerei mit durchschnittlich acht Völkern pro Bienenhaus vor. Bisher war damit eine flächendeckende Bestäubung möglich.

Bienenvölker aus Deutschland importieren

Doch im Frühling 2010 waren die Verluste an Bienenvölkern besonders gross. Die Varroa-Milbe, die hoch ansteckende Bakterienkrankheit Sauerbrut und Virenkrankheiten setzten den Nützlingen zu. Um die Bestäubung sicherzustellen, waren die Obstbauern gezwungen, Bienenvölker aus Deutschland zu importieren. Das wiederum führte zu neuen Ängsten unter den Imkern. Die Gefahr, mit den Bienen zusätzliche Krankheiten einzuschleppen, sei gross.

Um die Lücken zu schliessen, wollen sich die Imker den Bedürfnissen des Obstbaus anpassen. Die Lohnbestäubung soll die klassische Bienenhaltung ergänzen. Die Bienenzüchter sammeln entsprechende Anfragen und koordinieren die Einsätze der «mobilen» Bienenvölker. Bis eine professionelle Lohnbestäubung wie in der Ostschweiz funktioniert, brauche es das Engagement beider Seiten.