Liestaler Politik
Wie der Vater, so die Tochter: Familienclans mischen Liestals Politik auf

Im Einwohner- und Stadtrat Liestals politisieren rekordverdächtig viele Verwandte. Gleich fünf solcher Teams gibt es unter den Politikern im Stedtli. Jüngstes Beispiel: Anna Ott, Tochter von Stadtpräsident Lukas Ott, zieht ins Parlament ein. Auf Kantonsebene gelten strengere Regeln.

Andreas Hirsbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Ein neues familiäres Tandem in der Liestaler Politik: Neu-Einwohnerrätin Anna Ott sowie Vater und Stadtpräsident Lukas Ott.

Ein neues familiäres Tandem in der Liestaler Politik: Neu-Einwohnerrätin Anna Ott sowie Vater und Stadtpräsident Lukas Ott.

Michael Kamber

In Liestal ist die Politik überschaubar, man kennt sich, ja, zuweilen wird es richtig familiär. Neustes Beispiel dafür ist die Familie Ott: Vater Lukas ist Stadtpräsident, auf die nächste Einwohnerratssitzung im Dezember rückt Tochter Anna ins Parlament nach; beide politisieren bei den Grünen und sind dort auch zusammen im Sektions-Vorstand.

Otts sind keine Ausnahme, sondern Verstärkung eines Trends. Denn in Liestals Exekutive respektive Legislative sind noch mindestens vier weitere Familien mehrfach vertreten, am stärksten die Kaufmanns: Vater Franz ist Stadtrat für die SP, seine beiden Töchter Lisette und Meret Franke-Kaufmann sitzen für die Grünen im Einwohnerrat. Dort sind auch Stolls mit Vater Hanspeter und Sohn Diego (beide SP) und die Meyers mit den Brüdern Hanspeter und Markus (beide SVP) doppelt vertreten.

Schafroths sorgen für Schmunzeln

Und dann sind da noch die Schafroths, die in ihren derzeitigen Rollen mitunter auch für ein Schmunzeln sorgen. So etwa, wenn an einer Einwohnerratssitzung Präsident Gerhard Schafroth (Grünliberale) seine vor ihm auf der Regierungsbank sitzende Gattin Marion (FDP) fragt, ob sie auch noch etwas zu einem Geschäft sagen wolle.

Diese Anhäufung von familiär miteinander verbundenen Parlaments- respektive Regierungsmitgliedern sei seines Wissens einmalig im Baselbiet, sagt Daniel Schwörer, Leiter Stabsstelle Gemeinden beim Kanton. Möglich sei sie auf Gemeindeebene seit 1996, als eine einschränkende Regelung im Gemeindegesetz vom Landrat als Konsequenz auf einen Gerichtsfall aufgehoben worden sei. Die Richter urteilten laut Schwörer damals, dass ein Konkubinatspaar, das durch kein Rechtsverhältnis miteinander verbunden war, in der gleichen Behörde sitzen dürfe.

Was auf Gemeindeebene gilt, gilt aber nicht auf Kantonsebene. Hier regelt die Kantonsverfassung, dass mit Ausnahme des Landrats in keiner Behörde, das heisst weder im Regierungsrat noch in den Gerichten, Verwandte sitzen dürfen. Bis jetzt sorgten die verwandtschaftlichen Freiheiten in Gemeindebehörden einmal für grössere Diskussionen: In Kilchberg kandidierte im Frühjahr ein Ehepaar für den dreisitzigen Gemeinderat, was die Stimmbürger aber nicht goutierten.

In Liestal freuen sich derweilen die Väter über ihre mitpolitisierenden Kinder. Lukas Ott sagt: «Bei uns zu Hause wird intensiv politisch diskutiert und ich bin stolz darauf, dass das auf fruchtbaren Boden fällt.» Dass seine Tochter ebenfalls den Grünen beigetreten ist, erklärt sich Ott so: «Ich bin nie missionarisch aufgetreten, das gab ihr den Spielraum, sich nicht distanzieren zu müssen.»

Getrennte Parteien gut für Frieden

Gar nicht so traurig, dass seine Töchter nicht wie er bei der SP, sondern bei den Grünen politisieren, ist Franz Kaufmann: «Bei unserer Fraktion geht es manchmal heftig zu bei der Meinungsbildung. Das hätte schwierig werden können.» Die Grünen seien wahrscheinlich jene Partei, von der sich Junge am ehesten angesprochen fühlten und bei der ihnen der Einstieg leichter falle als bei etablierteren Parteien wie der SP oder der FDP. Mit Ott teilt Kaufmann die Freude, dass seine Töchter im Einwohnerrat aktiv sind.

Und wie tönt es auf der andern Seite? Die 20-jährige Anna Ott sagt zu ihrem Parlamentsstart: «Das ist die Fortsetzung von unsern politischen Diskussionen zu Hause.» Und auf die Frage, ob sie sich durch die Präsenz ihres Vaters nicht eingeschränkt fühle, meint sie keck: «Er ist mir eine Hilfe um hineinzukommen, und ich werde ihn sicher nicht als erstes kritisieren. Aber ich habe eine eigene Meinung und lasse mich nicht einschränken.»

Politisierende Vater-Tochter-Tandems sind übrigens erfolgversprechend. Im Kanton sei an Fritz und Maya Graf, Hans-Rudolf und Regula Nebiker und Robert und Daniela Schneeberger erinnert.