Läufelfingen
Wie die Ritter im Mittelalter lebten, zeigt nun ein Themenweg

Der Mittelalter-Themenweg hinauf zum ehemaligen Sitz des Basler Landvogts ist nun begehbar. Zehn Tafeln zeigen, was im Mittelalter wichtig war. Unter anderem gab es rigide Kleider- und Haarvorschriften für die Untertanen.

Otto Graf
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Sie setzte auf handfestere Argumente: Reenactement-Kämpferin.

Sie setzte auf handfestere Argumente: Reenactement-Kämpferin.

Dank des Reingewinns, den vor gut zwei Jahren das Homburgfest, ein gemeinsamer Anlass der Gemeinden Läufelfingen und Buckten, abwarf, konnte am Sonntag der Themenweg Homburg mit einer kleinen Feier auf dem Waldfestplatz Schlossbänkli eingeweiht werden.

Gemeindepräsident Dieter Forter begrüsste «am schönsten Platz von Läufelfingen,» wie er sich ausdrückte, nebst der Bevölkerung auch René Eichenberger, Präsident Baselland Tourismus, und Werner Madörin, Präsident Wanderwege beider Basel, sowie Delegationen der umliegenden Gemeinden und des Vereins Erlebnisraum Tafeljura. Der Themenweg vom Dorf bis hinauf zum Schloss, stellte Forter fest, sei eine Chance für die Region, das Mittelalter sowie die Lebensweise der Rittersleute oben auf der Burg und des gemeinen Volkes unten im Tal in Erinnerung zu rufen.

Anis statt Zahnpasta

Margrit Balscheit, die treibende Kraft hinter dem Themenweg, streifte in groben Zügen die Themen, die auf den zehn Tafeln am Wanderweg abgehandelt werden. Aus Platzgründen, gab sie zu verstehen, habe man sich auf das Mittelalter beschränken müssen. Die Ritterlichkeit, der geharnischte Brief oder der Fehdehandschuh seien Begriffe, die uns die Adligen hinterlassen haben und heute noch geläufig sind, sagte Balscheit und fuhr fort: «Was diese Begriffe für die Ritter bedeuteten, das steht auf einer der Tafeln.»

Die damaligen Kleidervorschriften sind auf einer weiteren Tafel aufgelistet. So war es dem Volk bei Strafe verboten, bunte Kleider zu tragen. Dies war nur den Bewohnern der Burg erlaubt. Auch die Körperpflege vollzog sich im Vergleich zu heute nach anderen Gepflogenheiten. Das Baden war bei den Untertanen verpönt. Warmes Wasser, mühsam über dem Holzfeuer erhitzt, das kannte man nur auf der Burg. Die Männer im Tal waren gehalten, ihre Haare kurz zu halten. Sie durften höchstens bis zu den Ohren reichen.

Ganz anders kamen die Rittersleute daher, in langen gelockten Haaren. Die Zähne, berichtete die Rednerin weiter und so ist es auch nachzulesen, hätten auch die Ritter nie geputzt. Die Zahnbürste habe man erst später erfunden. Mundgeruch wegen faulender Zähne habe man durch Kauen von Anis bekämpft. Dass nur junge Menschen von Zahnweh geplagt wurden, tönt glaubwürdig, weil ältere Leute gar keine Zähne mehr hatten.

Die Alutafeln, die der Verein Erlebnisraum Tafeljura schuf, berichten ausserdem über die Essensgewohnheiten, über die Waffen und über die Lebensumstände im Mittelalter.

Für Schulen und Touristen

Schulen, Wanderer und Geschichtsinteressierte erfahren in geraffter Form, wies sich damals lebte. Und Dieter Forter gab sich als Sprecher der Gemeinden Buckten, Häfelfingen, Känerkinden, Läufelfingen, Rümlingen und Wittinsburg überzeugt, dass der Themenweg die touristische Attraktivität der ganzen Region steigere. In einem Punkt sind sich die Gemeinden jetzt schon einig: Schon bald soll ein gemeinsames Fest steigen.